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Kategorie: Doku

Doku: Homs – Ein zerstörter Traum

Ich habe seit ein paar Monaten beruflich mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die im November letzten Jahres mit ihren ganzen Familien aus Homs flohen und hier im Süden Berlins Zuflucht fanden. Natürlich sprach keiner von ihnen nur ein Wort Deutsch, sie konnten ja nicht wissen, dass das für sie irgendwann mal sinnvoll sein könnte. Die Kommunikation zwischen uns, die anfänglich täglich stattfand beschränkte sich auf „Hände und Füße“ und auf das Wesentliche. Wir spielten. Billard und an der Konsole hin und wieder. Ich stelle die Computer-Tastaturen auf arabisch um. Dinge eben, für die des keiner Sprache bedarf. Ganz anders wenn es darum ging, sich doch mal verständigen zu müssen. Das Smartphone einrichten, den WLAN-Schlüssel übertragen, Videos auf das Tablet bekommen, ganz alltägliche Fragen zum Einkauf klären, solche Sachen eben. Wir versuchten es mit dem Google Translator, der zwar Vokabeln kann, aber bei Sätzen komplett aussteigt und nur für noch mehr Missverständnisse sorgt.

Dabei entstand bei ihnen hin und wieder Frust. Nicht weil sie sauer waren, nein. Sondern weil eben Tätigkeiten, die bis dorthin in ihrem Leben völlig alltäglich waren, nun für sie ohne Hilfe nicht mehr zu bewerkstelligen waren und wofür sie nicht einmal etwas konnten. Klar, versuchte ich immer auch gerne stundenlang irgendwie mit ihnen diese neuen Herausforderungen auf irgendeine Weise stemmen zu können. Das gelang und gelingt immer noch nicht ganz. Aber es wird besser. Die Kleinen gehen mittlerweile zur Schule, die Großen machen Sprachkurse. Die Kleinen finden ohnehin fast immer einen Weg, sich mit Gleichaltrigen zu verständigen. Auf dem Trampolin oder am Tischtennistisch muss man nicht viel sprechen. Die Großen hingegen wollen schon gerne mal auch einfach nur reden, glaube ich. Ihnen dabei zuzusehen, wie sie nach Monaten das erste Mal mit ihren Freunden skypten – Freunden, die nach wie vor in Homs ausharren und von denen sie nicht mal wissen konnten, ob diese noch leben würden – ging mir tief ins Herz. Sehr tief.

Es handelt sich um zwei Familien. Eine davon hat vier Söhne und zwei Töchter. Der Vater ist Zahnarzt, zumindest war er das, als sie noch in Homs lebten. Die Mutter Lehrerin. Es ging ihnen dort vor dem Krieg wohl verhältnismäßig gut. Sie hatten ein Haus mit sieben Zimmern und einem großen Garten. „Eine sehr schöne Haus“, wie mir der 17-Jährige heute nach seinen ersten Wochen Deutschkurs freudig und auch ein bisschen wehmütig mitteilen konnte. Hier leben sie mit der ganzen Familie in einem kleinen Haus mit vier Zimmern. „Sehr klein Haus“, wie er heute sagte. Er teilt sich sein Zimmer mit seinen drei Brüdern. Der älteste von ihnen kam mit Schussverletzungen, sein jüngster nach einem Beinbruch im Rollstuhl hierher. Beide haben sich zumindest körperlich erholen können. Was in all ihren Seelen vorgeht, kann ich nicht wissen – kann ich nicht womöglich auch nicht mal annähernd erfassen.

Sie sind jeden Tag dankbar und auch ein bisschen glücklich, hier sein zu können. Das äußern sie auf die ihnen und mir mögliche Weise kommunizieren zu können. Ein nicht immer einfaches Unterfangen. Sie sind hier und vergessen hoffentlich vieles von dem, was ihre Eltern dazu brachte, mit ihnen die Flucht zu wagen. Weg von dem Krieg, den Granaten, den Schüssen, den alltäglich tödlichen Gefahren. Was nützt es einem schon, wenn es dir wirtschaftlich verhältnismäßig gut geht, aber dir jeden Tag eine Bombe auf den Kopf fallen kann. Nichts. Gar nichts.

Die Welt sieht auf die Krim, in Syrien tobt nach wie vor ein Bürgerkrieg, an den man sich gewöhnt zu haben scheint. Eine wirkliche Verbesserung für jene, die darunter täglich leiden müssen, ist nicht in Sicht. Das dort ausharren und warten müssen dürfte dem Vorhof zur Hölle ziemlich ähnlich sein.

Und so sehen von hier per YouTube Bilder aus der Stadt, die einst die ihre war. Mir jegliche Möglichkeit, darüber dann auch nur halbwegs angemessen mit ihnen reden zu können, so gerne ich auch möchte. Das wird sich ändern. Der Deutschkurs schreibt seine ersten Erfolge. Der 17-Jährige wollte heute wissen wie alt und ob ich verheiratet sei, ob ich Kinder hätte und wie alt die wären. Man spürt, wie froh er darüber ist, endlich ein paar Sätze wechseln zu können. Er mag die Schule hier, die in Syrien war wohl nicht pralle. Er will als Fleischer arbeiten, das hat er schon in Homs gemacht. Seitdem er elf war, wenn ich das richtig verstanden habe. Damals, als die Stadt in der er aufwuchs, noch eine Stadt und kein Trümmerhaufen war.

Ich wusste nicht viel über Homs, als ich die Kids zum ersten Mal traf. Ich las ein bisschen was darüber, aber den Schrecken, den sie dort wohl erlebt haben müssen, konnte ich nicht mal annähernd realisieren. Natürlich nicht. Eben sah ich dieses Dokumentarfilm. Der macht es kein bisschen besser.

Heute lief diese preisgekrönte Doku auf arte. Talal Derki hat in den Jahren 2011 und 2012 den 19-Jährigen Basset begleitet und darüber diesen mitunter beklemmenden Film gemacht. Jetzt für sieben Tage auf arte+7.

Seit Herbst 2011 kämpfen der damals 19-jährige Baset und seine Kameraden aus Homs gegen Assads Truppen. Aus friedlichen Demonstranten werden bewaffnete Kämpfer, aus jungen Männern, für die Religion kaum eine Rolle spielte, werden im Angesicht des Todes gläubige Moslems. Der Dokumentarfilm wurde beim Sundance Film Festival 2014 ausgezeichnet.


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15 Jahre RBMA: What Difference Does It Make? A Film About Making Music

Man kann von Red Bull halten was man will. Ein durchaus beeindruckendes Netzwerk im Rahmen der elektronischen Musik-Szene haben sie mit ihrer Red Bull Music Academy definitiv aufbauen können und uns damit immer wieder Perlen in die Ohren gelegt.

Nun feiert die RMBA ihren 15. Geburtstag mit einem Film: What Difference Does It Make? A Film About Making Music. Und weil man dort noch nie zu deren gehörte, die sich lumpen lassen würden, bat man den preisgekrönten Regisseur Ralf Schmerberg darum, diesen Film umzusetzen. Hier ist er, wie so vieles was von der RMBA kommt, für jedermann im Netz zu sehen.

Die entstandene Dokumentation zeigt die Herausforderungen, mit denen heutige Musiker in einer modernen Welt konfrontiert werden.

Er wurde während der Red Bull Music Academy 2013 in New York gedreht, und mit dabei sind viele äußerst einflussreiche Musiker wie Lee ‘Scratch’ Perry, Brian Eno, Philip Glass, Giorgio Moroder, Erykah Badu, Nile Rodgers, Rakim, Skream, James Murphy, Debbie Harry, Stephen O’Malley und viele weitere.


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Arte-Doku: Nerd Alarm – Von Gamern, Geeks und großen Brillen

Nerdism als Subkultur. Sehenswerte Doku, die ein wenig albern beginnt, dann aber durchaus sehr interessant weitergeht.

Das Wort „Geek“ stammt aus der amerikanischen Umgangssprache, und seine ursprüngliche Bedeutung von „Streber“ oder „Stubengelehrter“ hat sich im Laufe der letzten 40 Jahre stark verändert. In den 60er- und 70er Jahren wurde das Wort in den Vereinigten Staaten abwertend gebraucht. Es bezeichnete einen zwar sehr intelligenten, aber sozial völlig unbeholfenen Wissenschaftler oder Informatiker.

Unter „Geek“ versteht man im heutigen Sprachgebrauch jemanden, der verrückt ist nach Computern und neuen Technologien. Mit der Entwicklung und massenhaften Verbreitung von Video- und Computerspielen seit Mitte der 70er Jahre, der Adaption ihrer Science-Fiction- und Fantasywelten durch Hollywood und dem Siegeszug des Internets begann für einige bislang belächelte „Geeks“ eine ungeahnte Erfolgsgeschichte. In den USA und Europa haben sich viele Menschen den Begriff „Geek“ zueigen gemacht und bekennen sich dazu. Er kann auf einen Technologie- oder Science-Fiction-Fan angewandt werden, aber sein Sinn wurde erweitert. Ein „Geek“ ist nunmehr jemand, der sich sehr intensiv, manchmal sogar zwanghaft, für irgendein Thema interessiert. Das Wort wird kaum noch im negativen Sinne gebraucht.

Dann gibt es da im Unterschied zum „Geek“ noch den „Nerd“. In den 70er- und 80er Jahren waren diese beiden Wörter fast synonym. Das eine war genauso beleidigend wie das andere. Aber während in den letzten Jahren die „Geeks“ erfolgreich geworden sind und eher bewundert als bedauert werden, blieben die „Nerds“ mit den ursprünglichen negativen Eigenschaften behaftet und gelten weiterhin als zwar hochintelligente, aber kontaktarme Sonderlinge. Manche von ihnen kämpfen dafür, dass beide Ausdrücke weiterhin gleichwertig verwendet werden. Andere, die Wert auf ihren Status als Angehörige einer Minderheit legen, definieren sich selbst lieber als „Nerd“, denn in ihren Augen ist „Geek“ schon zu angepasst.

Der Dokumentarfilm erzählt, wie eine Subkultur aus Informatik, Science-Fiction, Comics und Videospielen sich durchsetzen und zur tonangebenden Kultur werden konnte.


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Graffiti- und Trainsurfer-Doku: Berlin Kidz

Wenn ich das richtig sehe, kam die 90-minütige Underground-Doku „Berlin Kidz – 100% reines Adrenalin“ erst vor ein paar Wochen auf DVD, irgendwer hat sie trotzdem auf Vimeo geladen und sie ist durchaus sehenswert. Wusste gar nicht, dass es heute immer Trainsurfer gibt, ich dachte das sei so was von 90er, in denen das durchaus verdammt viel Spaß gemacht hat.

Jeder der schon mal in Hauptstadt unterwegs war, wird an den riesigen, meist blau-roten, Tags an vielen Hauserfassaden nicht vorbei gekommen sein. Die „Berlin Kidz“ – 100% reines Adrenalin DVD dokumentiert in beeindruckender Weise, die Vorgehensweise und Ausführung dieser waghalsigen und riskanten Aktionen.

Die DVD präsentiert eindrucksvoll die unermüdliche Rastlosigkeit und den Freiheitsdrang der Protagonisten ohne Rücksicht auf Polizei & Verletzungen, immer auf der Suche nach dem nächsten Adrenalin Kick, egal ob beim Sprühen, Zugsurfen oder Parcours.

http://vimeo.com/82701608
(Direktlink, via Just)

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arte Abgedreht! – Punks

Einfach mal kurz aus der vorweihnachtlichen Ruhe brechen, ihr – von mir aus auch – in den Arsch treten. Artes „Abgedreht!“ hat sich aktuell ganz dem Punk gewidmet. Nicht, dass da wirklich viel Neues bei rumkommt, aber sehenswert sind die 45 Minuten allemal. Punk geht schließlich immer. Auch wenn hier einiges ziemlich kurz gefasst ist und das alles vielleicht nicht ganz so ernst nimmt.

Es geht um den britischen Punk, um Anthony Burgess‘ „Clockwork Orange“, Nina Hagen, dem Berliner SO 36 und anderen punkseitigen Themen.


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Doku über das Berliner Watergate: Watergate X

Offenbar hat es sich unter Berliner Clubs etabliert, dass es eine Doku über den Laden geben muss. Der Tresor hat gleich mehrere, die Bar 25 mindestens einen. Das Watergate dachte wohl zum zehnjähriges Jubiläum im letzten Jahr, es wäre an der Zeit es dem gleichzutun. Und so feierten sie ausgiebig die 10 Jahre. Dazu gab es eine „opulente Collectors Box mit Fotobuch, Postern und einem 42-minütigen Film über den Entstehung. Die Dokumentation Watergate X gibt es nun erstmals auch online zu sehen – kostenlos und in voller Länge!“ Schönes Ding.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit — Zeit für nicht enden wollende Nächte, nach denen auch wirklich die Sonne aufgeht. Zeit für House, Zeit für Drum’NBass, vor allem Zeit für wirklich gute Musik. Für Auf- und Umbau, LED, Sound, Künstler, Tänzer und Macher. Drinnen und draußen, Vorhang auf, Vorhang zu. Für Freundschaften, für eine Stadt im Wandel — und wir so mitten drin.

Der Watergate X Film, 2012 auf der „10 Jahre Watergate“ DVD erschienen, zeigt, was wir lieben, und was wir tun, weil wir es lieben. Einige unserer langjährigen Freunde kommen darin zu Wort — jetzt könnt ihr ihn euch online gratis ansehen. Cheers, und auf die nächsten 10 Jahre!


(Direktlink, via Groove)

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Über 200 Leute, die einst auszogen, um eine Insel zu kaufen: Trauminsel revisited

Superinteressante Doku über 200 Deutsche, die Ende der 70er eine Insel in Griechenland zu kaufen gedachten. Über das Glück, Ideale, die Liebe und auch über geplatzte Träume.

“Wir suchen rund 100 Leute, die verrückt genug sind, mit uns eine Insel zu bevölkern, ein eigenes gesellschaftliches Konzept zu entwickeln und zu leben”, hieß es in einem Flugblatt, das im November 1978 in mehreren deutschen Städten kursierte. Der Kölner Künstler Wido Buller hatte mit seiner Idee einen Nerv getroffen. Ganz unterschiedliche Leute fühlten sich “reif für die Insel” und waren bereit, ihre damals in der Bundesrepublik sichere Existenz für das Abenteuer vom alternativen Leben auf einer griechischen Insel aufzugeben.

Man hoffte, 200 zahlende Interessenten zu finden, die jeweils 10.000 Mark in die selbstgegründete GmbH einzahlen sollten. Für eine Million sollte die Insel gekauft werden, von der zweiten Million die Infrastruktur entwickelt, Häuser gebaut und der Unterhalt für drei Jahre gesichert werden. Danach wollten die Bewohner ihr Auskommen aus eigener Kraft bestreiten, mit Ackerbau, Viehzucht, Handwerk und Kunstgewerbe, ohne Chemie und mit alternativen Technologien.

Im Sommer 1979 zogen 200 Leute – darunter nicht nur Hippies und Ökos, sondern auch Drucker und Einschaler, Lehrer und Landschaftsplaner – auf die gemeinsam gekaufte griechische Halbinsel Sarakiniko auf der Odysseus-Insel Ithaka, um ein alternatives, glückliches Leben zu führen. Die Sarakiniko GmbH war eines der größten und spektakulärsten Aussteigerprojekte der 70er Jahre. Und es existiert nach über 30 Jahren immer noch. Von den ursprünglich 200 Mitgliedern sind etwa 50 im gemeinsam erbauten Paradies geblieben.

Thomas Schmitt hatte die aufregenden Anfänge des Projekts 1978/79 in einer Dokumentation begleitet. Nach 30 Jahren hat er die Kommune wieder besucht, um zu erkunden, was von ihren Visionen vom alternativen Leben geblieben ist. Ist auf der griechischen Halbinsel tatsächlich ein “Garten Eden” entstanden? Ist es gelungen, die anfänglichen Widrigkeiten und Konflikte zu überwinden? Und wenn ja, welcher Kraftanstrengungen hat es bedurft und wie viele Opfer hat es gekostet?


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Doku: Als die Mauer fiel – 50 Stunden, die die Welt veränderten

Etwas spät, aber der ganz große Trubel erfasste das Land damals eh erst am 10. November. Enstanden ist die Doku schon vor vier Jahren zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Gesehen hatte ich sie bis eben trotzdem noch nicht.

Berlin, 9. November 1989: Zehntausende Menschen durchbrechen die Grenzübergänge – fassungslos, vor Freude weinend und jubelnd. In der Dokumentation „Als die Mauer fiel – 50 Stunden, die die Welt veränderten“ erfolgt eine minutiöse Rekonstruktion der Ereignisse zwischen dem 9. und 11. November 1989. Was ging in der Führung der SED vor sich? Handelte die SED-Führung auf Anweisung Moskaus oder beruhte alles auf einem Irrtum? Bestand die Absicht, den Fall der Mauer gewaltsam rückgängig zu machen? Welche Maßnahmen traf die Bundesregierung und wie reagierten die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion? Der Film beginnt am Morgen des 9. Novembers und endet am Mittag des 11. Novembers 1989. Er zeigt die historische Situation, die gefährlicher war als sie von den meisten in der Euphorie des Augenblicks erlebt wurde.


(Direktlink, via Sediment Vier)

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Doku: Antisemitismus heute – Wie judenfeindlich ist Deutschland?

Zumindest für mich in absolut keinster Weise nachvollziehbar, aber ganz offenbar auch in der gesellschaftlichen Mitte tiefer verwurzelt, als einige wahr haben wollen: Antisemitismus in Deutschland. Kirsten Esch, Jo Goll und Ahmad Mansour sind durch Deutschland gefahren und haben sich umgehört, wie es um die Juden in Deutschland steht. Erschütternd.

Lief gestern in der ARD, hier in der Mediathek, irgendwer hat die Doku auf YouTube gespiegelt.

„Es gibt inzwischen No-Go-Areas für Juden“, sagt der Berliner Rabbiner Daniel Alter über seine Stadt. Das seien zum Beispiel Teile von Wedding und Neukölln mit einem hohen Anteil arabischer und türkischer Migranten. Er selbst ist vor einem Jahr von arabischen Jugendlichen auf offener Straße brutal angegriffen und verletzt worden.

Am 9. November 2013 jährt sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal: der unheilvolle Auftakt zum Massenmord an europäischen Juden. Wie sieht es heute aus mit der Judenfeindlichkeit in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, begeben sich drei Autoren auf eine Reise durch Deutschland. Sie beleuchten Hintergründe und Motivationen judenfeindlicher Gesinnungen in ganz unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft.

Ahmad Mansour erforscht die Verbreitung des muslimischen Antisemitismus. Mansour, arabischer Israeli, lebt seit neun Jahren in Deutschland. Mit seiner islamistischen Vergangenheit, die von vehementem Antisemitismus geprägt war, hat er lange abgeschlossen. In Gesprächen mit Jugendlichen heute stellt sich heraus, dass in vielen muslimischen Familien bis heute Judenhass vorgelebt wird – häufig gestützt von arabischen Fernsehsendern, die ihre antisemitischen Kampagnen weltweit verbreiten.

Jo Goll, TV-Journalist und Experte für Rechtsextremismus, nimmt das rechtsnationale Lager in den Fokus. „Die Juden sind einfach an allem schuld“, tönt es aus diesen Kreisen. Goll spricht mit Aussteigern aus der rechten Szene und besucht ein koscheres Lokal in Chemnitz, dessen Besitzer von massiven Übergriffen berichtet.

Das Gleiche gilt auch für die Jüdische Gemeinde in Dessau, deren Vorsitzender Alexander Wassermann ist: „Ich traue mich schon lange nicht mehr mit Kippa auf die Straße. Das ist in Dessau einfach zu gefährlich.“

Dokumentarfilmerin Kirsten Esch will wissen, wie viel Antisemitismus in der „Mitte der Gesellschaft“ zu finden ist. Sie spricht mit Experten und mit Menschen auf der Straße und trifft unter anderem eine Linguistin, die über 100.000 E-Mails, Leserbriefe und Texte aus dem Internet mit antisemitischen Inhalten und anti-jüdischen Klischees untersucht hat.

Professor Monika Schwarz-Friesel kommt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass die überwiegende Mehrheit der Verfasser keinem extremen Lager angehört, sondern in der „Mitte der Gesellschaft“ zu finden ist.

Der Bielefelder Professor Andreas Zick, der sich selbst „Vorurteilsforscher“ nennt, warnt: „Antisemitismus, auch wenn er nur latent ist, bleibt immer Wegbereiter vom Wort zur Tat.“


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Der vielleicht erste Skateboard-Film der Welt und einer aus den 70ern Berlins

Diese beiden Skateboard-Perlen kamen beide gestern rein. Zum einen der 17-minütige Kurzfilm “Skaterdater” aus dem Jahr 1965, der wahrscheinlich der erste Film ist, der sich mit dem Skaten beschäftigt.

Der Filmemacher Noel Black hat damit auf dem Cannes Film Festival (1966) sogar die Goldene Palme für den “Best Short Film” abgeräumt und ich bin gerade immer noch ein bisschen beeindruckt, dass diese Footage wirklich vor ca. 50 Jahren entstanden ist.

http://vimeo.com/10767229
(Direktlink, via Flo)

Zum anderen dieser kurze Film über das damals noch recht junge Skater-Volk im Berlin der 70er Jahre. Natürlich etwas unbeholfen, was natürlich, wie so gerne im deutschen, etwas doof und komplett gestellt wirkt. Leider lassen sich dazu keine weiteren Infos finden.


(Direktlink, via reddit)

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