:'( | stackenblochen
Kryptisch wie so oft macht Holgi gestern Nacht einen Eintrag, bei dem man sich viel denken aber nichts wissen kann. Heute Morgen schiebt er dann „Die Welt war Klein“ nach und es trifft mich wie ein Schlag in den Nacken – einen mit der harten Handkante, denn das – davon gehe ich aus – bedeutet auf kurz oder lang, dass er seinen montäglichen Blue Moon auf Radio Fritz abgeben muss. Und das geht mir echt nahe. Nicht weil er es war, der „Am Wolkenberg“ oder den EFTB-Remix von mir regelmäßig in öffentlich-rechtliche Radio brachte, sondern weil ich seine Sendung schon immer sehr mochte bevor wir uns dann auf merkwürdige Umwege mal in meiner Küche trafen und er meinte, er würde den Geruch von gebratenen Zwiebeln mit Speck lieben – ich könne den Fisch dann auch ruhig weglassen.
Ich höre so gut wie kein Radio mehr. Wenn ich es dann doch mal anmachte, war es eigentlich nur um den Stream seiner Sendung zu hören. Er machte wirklich außergewöhnlichen Sprechfunk. So außergewöhnlich, dass ich mich nicht selten fragte, wie ein Sender derlei Aussagen eines Moderators wohl hinnehmen könnte. Das war mitunter die pure verbal-subversive Anarchie – manchmal auch konkret subversiv. Deswegen hörte ich das. Holgi bewies in seinen Aussagen nur all zu oft, dass Meinungs- und Redefreiheit zu einer Demokratie gehören. Auch im Radio. Gerade im Radio! Gerade im staatlich-rechtlichen Radio sollte ein Moderator sagen können, was er denkt, wie er sich im Moment in dem Land fühlt, in dem er lebt. Das hat er getan. Immer. Und das hat mir immer tiefsten Respekt abverlangt.
Ich gehe fest davon aus, dass er nicht deshalb geht, weil er eben genau so seine Sendungen gestaltet hat wie oben beschrieben. Er wusste, dass er irgendwann zu alt für einen Jugendsender sein würde. Vielleicht ist das der Grund, dass seine Sendezeit an jemanden anderen geht. Wahrscheinlich sogar. Aber das spielt für mich gar keine Rolle. Mit Holgis Blue Monn geht für mich der letzte Grund Radio zu hören. Es waren tolle Jahre mit ihm, seiner Schnauze, seiner mitunter von anderen als solche wahrgenommen „unsäglichen Arroganz“, seines Selbtbildes eines Wessis im Osten und seiner Denke, die mir im Kontext zu seiner Person (fast) immer imponierte.