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Das kalte Grausen

Immer wenn ich übers Land etwas tiefer in den Osten hineinfahre, stelle ich mit Erschrecken fest, wieviel dort an Bauten zerfällt und sich offenbar keiner drum kümmert. Nicht kümmern kann, nicht kümmern will. In Richtung Norden hat sich das in den letzten Jahren etwas gefangen, zeichnet aber immer noch traurige Bilder des Zerfalls. Als ich heute die östlichste Gemeinde Deutschlands anfuhr, das von Cottbus nur noch per Landstraße, ereilte mich in fast jeder Gemeinde das naive Gefühl, dass man da doch mal was machen müsste, dass man da was retten könnte. Grausig stellte ich fest, dass das wahrscheinlich aber nicht den geringsten Sinn machen würde, denn dort würde auch ich nicht mal tot über dem Zaun hängen wollen. Wer das Unglück hat, dort hin geboren zu werden, will sicher nur noch eins: Weg. Alles grau, alles desolat. Wie in der Kindheit, der eigenen.

5 Kommentare

  1. Björn Grau12. Mai 2008 at 23:00

    Und das Tragische ist: Der Bevölkerungschwund wird in den kommenden Jahrzehnten dazu führen, dass das noch viel schlimmer und in noch mehr Gegenden so sein wird. Wenn unsere Kinder alt sind, wird es jede Menge Geisterstädte in Deutschland geben. Spooky.

  2. Saint12. Mai 2008 at 23:20

    Recht hast Du.
    In dem Dorf, in dem mein Paps einst groß wurde (Meck-Pomm) und was die zum Dorf definierenden 3 K´s für Kirche, Kneipe, Konsum hatte, gab es damals jede Menge Leben. Heute steht fast jedes zweite Haus leer. Ich kenne fast jedes davon auch von innen, auch mit Leben.

    Jetzt aber: alle weg. Keine Ahnung, wohin. Die 3 K´s gibt es nicht mehr nur noch einen Friedhof.
    Selbst die vor Jahren angereiste Suchtklinik ist wieder weg… Grußelig.

  3. thebestpianoplayeroftheworld13. Mai 2008 at 22:05

    Ich war beruflich mal irgendwo zwischen Berlin und Potsdam unterwegs und habe mich dort erst verfahren. Was ich da sah, war das deprimierendste und heruntergekommenste, das mir je untergekommen ist. Häuser mit eingefallenen Dächern, ohne Fenster, alles kaputt. Straßen, die nur Kopfsteinpflaster-Flickwerk waren, keine Gehwege (Sand, wie bei einem Western im TV!), kaum Menschen, wenn dann nur alte, die einen verstohlen anblicken. Eine Kneipe, gammlig, geschlossen.

    Das wirklich Absurde an dem Ganzen: dort war eine Bushaltestelle mit einer digitalen Anzeigetafel, auf der zu lesen war, wann welche Linie fährt. Das Teil leuchtete einen schon von weitem an, poliert und sauber und echt ein krasser Gegensatz zu dem Verfall ringsherum. Ich möchte wetten, mehr als eine Buslinie, die einmal am Tag fährt, gibt es dort gar nicht. Später, auf der Heimfahrt, überlegte ich, wie dieser Widerspruch wohl zustande gekommen ist. Vermutlich waren es fehlgeleitete Vördermittel. Wahrscheinlich ist das Teil der ganze Stolz dieses Ortes.

  4. thebestpianoplayeroftheworld13. Mai 2008 at 22:07

    edit: Fördermittel … ähem ;)

  5. Saint13. Mai 2008 at 22:18

    Ich hatte sogar an so einen Bushalte angehalten. Montag bis Freitag 5.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Einmal die Stunde. Ob die Linie stark frequentiert wird, weiß ich nicht.

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