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Hooligans gegen Dummheit: „Hört auf, so verdammt dämlich zu sein“

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Innerhalb der offenbar nicht homogenen Hools-Szene entwickelt sich Widerstand gegen jene, die wie in Köln marodierend durch die Straßen zogen, um dann mitteilen zu wollen, man möchte nicht als Neonazi wahrgenommen werden. So hat sich eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Hooligans gegen Nazis“ gegründet, die ankündigt, dass sie Verhältnisse wie in Köln nicht einfach hinnehmen wird, sollte es in Hamburg am 15.11. zu der aus dem HoGeSa-Umfeld angemeldeten Demo kommen. Außerdem hat eine andere Gruppierung, die sich wohl den Namen „Hooligans gegen Dummheit“ nennt, auf dem Lower Class Magazine einen offenen Brief veröffentlicht, den man ruhig mal lesen kann.

Nicht Pyros, Steine und ein umgefallener Bullenwagen sind das Problem. Dass ihr nicht im Stande seid, vernünftige Gedanken zu formulieren, macht euch so verdammt unsympathisch. Offener Brief an alle Hools, Ultras und anderen Teilnehmer der HoGeSa-Proteste

Wir haben nichts gegen Hools und Ultras. Im Gegenteil, wir gehen selber ins Stadion und irgendeinen Hippiefimmel für immerwährende Gewaltlosigkeit haben wir auch nicht. Wir sind auch nicht dagegen, dass Fußballfans Politik machen. Im Gegenteil, wir glauben, das ist eine wichtige Sache. Im vergangen Jahr waren in Istanbul vier Millionen Menschen auf der Straße, haben die Bullen vom zentralen Platz in der Stadt vertrieben und den Staat massiv herausgefordert.

Jungs und Mädels aus allen Vereinen gingen gemeinsam auf die Straße, Besiktas, Glatasaray, Fenerbahce, mit einem Schal in allen Farben: Istanbul United. Gegen Korruption, teure Mieten, beschissene Arbeitsbedingungen, die Islamisierung der Gesellschaft und die Unterdrückung von Minderheiten wie Aleviten und Kurden. Vier Millionen Menschen, Straßenschlachten, die über Tage gingen, Tote durch Polizeigewalt – und trotzdem gab es viel Sympathie für die Leute, die da gekämpft haben.

Sagt doch, wo ihr steht

Keine Nazis? Entweder ihr verkauft euch selber für dumm oder denkt, alle anderen sind noch dümmer.
Warum waren die sympathisch und ihr seid es nicht? Weil ihr euch so verdammt dämlich anstellt. Ihr geht auf eine Demonstration, an der Neonazis der Partei „Die Rechte“ teilnehmen, bei der Leute den Hitler-Gruß zeigen, bei der ein Mob „Deutschland den Deutschen. Ausländer raus“ und “Nationaler Sozialismus jetzt” skandiert und ein Typ rumläuft, der sich das Tor des KZ-Buchenwald auf den Schädel tätowieren hat lassen. Und dann beklagt ihr in diversen Internetforen und auf euren schönen Seiten die „Lügenpresse“, die euch Nähe zu Rechten vorwirft. Was erwartet ihr denn? Glaubt ihr, die Menschen sind so dumm, wie ihr sie gern hättet? Jeder Blinde erkennt, was da gespielt wird.

Eure Verteidiger sagen: „Klar, da waren ein paar Neonazis, aber nicht viele.“ Seid ihr so armselig und ungebildet, dass ihr die neonazistische Ideologie nicht kennt? Ihr wollt gegen „Salafisten“ demonstrieren, zumindest angeblich, weil die so inhuman sind. Wo sind denn Nazis humaner? Waren sie humaner, als sie alle, die ihnen nicht gepasst haben, in Massenhinrichtungen erschossen oder in Vernichtungslagern vergast haben? Waren sie humaner, als sie an Menschen medizinische Experimente durchgeführt, sie auf offener Straße erhängt haben? Waren sie humaner, als sie die ganze Welt mit einem Krieg überzogen haben, der in der Geschichte seines Gleichen sucht? Und Leute, die das geil finden, stehen neben euch auf einer Demonstration. Und ihr erwartet, dass man euch nicht Idioten, Rassisten, Rechte nennt? Warum denn, wenn ihr so handelt?

[…]

Hört doch einfach mal auf, so dämlich zu sein

Eure „Argumente“ sind faule Ausreden. Ihr wollt gegen „Salafisten“ sein, aber in Wahrheit hetzt ihr gegen jede Muslimin, jeden Muslimen. Hand aufs Herz. Wer von euch hat sich denn wirklich die Mühe gemacht, zu lesen, welche Strömungen es im Islam gibt? Wer von euch weiß, was Sunniten, was Schiiten, was Aleviten sind? Es ist euch scheissegal. Weil es euch um Hetze gegen „andere“ geht, auf die ihr eure Probleme projiziert, und die euch als Sündenböcke dienen.

Ihr wollt nicht über euren Tellerrand schauen. Ihr seid gefangen in einer wahnhaften Welt, in der ihr euch gegenseitig bestärkt. Ihr könntet anfangen, wie Menschen unter Menschen gegen Kapital und Staat aufzustehen, und eure blödsinnigen Einteilungen der Welt in „Ausländer“ und „Deutscher“ sein lassen. Ihr könntet das tun und damit anfangen, Gedanken zu entwickeln, die aus euch tatsächlich politische Menschen machen und nicht eine Horde Besoffener auf der Jagd nach dem wahren Deutschtum.

Hier der komplette Text.

Und um das alles noch ad absurdum zu führen mischen die Hooligans gegen Hooligans auch noch mit.

2 Kommentare

  1. TrauMichNich29. Oktober 2014 at 10:13

    Meine Fresse was für ein Haufen Schwachmaten. Anstatt „Islamisten“ den Pass zu entziehen sollte man die alle miteinander in die Wüste schicken, eine fette Kuppel drüber, 1000 Baseballschläger reinwerfen und 14 Tage warten. Wer da lebend rauskommt, wird direkt wegen Körperverletzung verurteilt und eingeknastet.

    Nee sorry, echt, für so ne Idioten habe ich kein Verständnis mehr. „Hooligans gegen Dummheit“ ist ein Paradoxon in sich. „Hooligans gegen Hooligans“ macht wenigstens echt SINN, denn genau DARUM geht es diesen Krawallheinis doch. Sollense sich von mir aus gegenseitig die Matschbirne noch weicher kloppen als sie eh schon ist, aber jede Gewalt, die von diesen krakeelenden Vollpfosten ansonsten ausgeht, ist aufs Schäfrste zu verurteilen.

    In meiner düsteren Verschwörungswelt rekrutieren sich diese Trottel leider unter anderem aus Polizei und Verfassungsschutz und deshalb wird gegen die auch nicht vorgegangen, Eine Krähe und das Auge der anderen, ne?

    Deppen. Allesamt.

  2. peter29. Oktober 2014 at 15:14

    kluge Replik:

    „Hört auf, so verdammt naiv zu sein

    „Niemand wählt Nazis oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht, – das Gegenteil ist der Fall; Nazis sind Nazis, weil sie welche sein wollen.“(Wiglaf Droste)

    Offener Brief an Linke, die an das emanzipatorische Potential der größten Nazidemo 2014 appellieren wollen

    Ich habe nichts gegen Fußball. Ich habe auch nichts gegen Choreos, Fangesänge, und ich habe auch nicht unbedingt was dagegen, wenn sich Leute in gegenseitigem Einverständnis auf die Fresse hauen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn linke Fußballfans Politik machen, den Staat angreifen. Wie zum Beispiel in Istanbul.

    Wie man aber auf die Idee kommen kann, diese türkischen Fußballfans mit dem deutschen Nazimob in einem Satz zu erwähnen, bleibt mir schleierhaft. „Warum waren die sympathisch und ihr seid es nicht? Weil ihr euch so verdammt dämlich anstellt.“, gibt der Text darauf als Antwort. Ein rassistischer Mob in Pogromstimmung, der über Stunden Jagd auf alles macht, was in ihr rechtsradikales Feindbild macht, stellt sich also nur ein bisschen dämlich an? „Sagt doch wo ihr steht“, fordert ihr ein, dabei haben diese Leute das doch am Sonntag mehr als eindrücklich gezeigt.

    Hier ist dies passiert, da hat einer ein Hitlergruß gezeigt, dort wurde das gerufen, eigentlich hättet ihr armen kleinen Kartoffeln doch mitbekommen müssen, dass da die Nazis am Werk waren. Nicht so schlimm! Dieser Text bringt euch jetzt mal so richtig zum nachdenken, damit euch sowas nicht nochmal passiert! Und dann klären wir euch noch über den wahren Feind auf! Der erste Gedanke beim Lesen dieses Textes, nämlich die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Flugblatt der linksreaktionären „Sozialistischen Linken Berlin“ (sol-hh.de/?p=302), bleibt auch nach dem Wiederfinden bestehen. „Lassen wir uns nicht spalten, kämpfen und wehren wir uns gemeinsam gegen den wirklichen Feind!“, fordert dieses Flugblatt am Ende. Der Tenor beider Texte ist der gleiche: Wir holen unsere verblendeten Kollegen, seien sie nun die Hellersdorfer Nazis oder die nach Köln verirrten, sich etwas dämlich anstellenden Fußballkollegen, mit denen man sich doch sonst am Wochenende die Stadien teilt, wieder zurück zu den Anständigen, und erklären ihnen gleich mal, wie der Hase so wirklich läuft. Denn, das weiß auch die SoL, „uns eint der gleiche Feind, der uns und sie ausbeutet und schikaniert und sie zur Flucht aus ihrer Heimat zwang: der Imperialismus!“ oder wie die ominösen Hooligans sogar besser als die SoL schreiben können, „Aber wer ist dann „schuld“? Der ausländische Arbeiter, der, um seine Familie zu ernähren, einen Job annimmt? Oder ein wirtschaftliches System, das systematisch Niedriglöhne hervorbringt und einen gleichzeitig zum Arbeiten zwingt, damit man überleben kann, aber keine ausreichend bezahlte und würdevolle Arbeit zur Verfügung stellt? Sollte der ausländische Kollege nicht der erste sein, mit dem ihr Schulter an Schulter steht?“

    „Ihr könntet anfangen, wie Menschen unter Menschen gegen Kapital und Staat aufzustehen, und eure blödsinnigen Einteilungen der Welt in „Ausländer“ und „Deutscher“ sein lassen.“, schlägt der Text am Ende vor. Wie blöd seid ihr eigentlich, einen der faschisiertsten Teile dieser Gesellschaft derart zu addressieren? Deutsch oder nicht-deutsch ist für diese Menschen eine der wichtigsten Kategorien, an denen sie Akzeptanz und Ablehnung messen. Sie sind es, die völlig in ihrer Identität aufgehen, und extra durch ganz Deutschland reisen um mit ihren dumpfdeutschen Freunden mal so richtig auf die Kacke zu hauen. Selbst wenn da Leute nur wegen der Randale dabei waren, käme auch unter anderen Umständen niemand auf die Idee, dass sie dadurch nicht diese Veranstaltung geprägt haben.

    Liebe GenossInnen, hört auf, diese Leute als AdressatInnen zu sehen. Die Seiten sind längst gewählt. Und sie sind nicht auf unserer Seite. Ein Gespräch kann nur über sie und nicht mit ihnen stattfinden.“

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