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Das Kraftfuttermischwerk Beiträge

Sechs Stunden Tanzschmalz aus dem Gemüseladen

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(Symbolfoto unter CC von Sludge G)

Es gab damals diesen ganr nicht so kleinen Obst- und Gemüseladen. In Kleinmachnow. Direkt vor der Kaserne meines Vaters. Der hatte ein unglaublich gutes Verhältnis zu Uschi, der Betreiberin des Ladens. Ein- zweimal die Woche ging er zu ihr und schnackte mit ihr, holte ein paar Salzgurken, hin und wieder Likörchen, im Winter die Kartoffeln, im Sommer Most, Beeren und andere Früchte, die nicht im eigenen Garten wuchsen. Dieser Laden war quasi sein Fachgeschäft für Obst und Gemüse. Über Jahre hinweg. So ergab sich etwas, was man im Osten „Vitamin B“ nannte. „B“ für Beziehungen, die zu haben immer wichtig und auch gar nicht unpraktisch war. So stellte ihm Uschi immer ein Kiste mit Kubaorangen zur Seite, wenn sie welche reinbekam. Das selbe tat sie mit Bananen. So waren zumindest wir immer relativ gut mit dem versorgt, was sich „Südfrüchte“ nannte.

Neben dem Vitamin B, was meinen Vater somit zum Obst und Gemüse aufgebaut hatte, pflegte er ein ähnliches Verhältnis zum Fischer. Auch in Kleinmachnow. Und Wenn Uschi mal unbedingt einen Karpfen oder einen Aal haben wollte, vermittelte mein Vater zwischen den beiden. Dann bekam der Fischer etwas von den rationierten Orangen und Uschi ihren Aal, den mein Alter dann gerne noch in seinem Garten für sie räucherte. So war das damals. Nämlich.

Der Gemüseladen stand jetzt ewig leer – die Kaserne dahinter wurde schon vor langer Zeit abgerissen und es wurden Wohnhäuser gebaut, was ja auch besser ist. Der Laden allerdings blieb und immer wenn daran mal, vorbeifuhr dachte ich mir so, „Wie lange der hier wohl noch stehen wird? Der kommt bestimmt auch bald weg.“ Dachte ich seit Jahren. Aber nein.

Irgendwer hat dem alten Laden jetzt wieder Leben eingehaucht und am Freitag einfach mal eine Nacht fürs flotte Sohle aufs Parkett legen initiiert. Der Kollege Mogreens als Kleinmachnower Urgestein packte mit Joszef und Karl noch zwei dieser Originale ein und sie führten dann dort musikalisch durch die Nacht. Tanzschmalz im Gemüseladen. Mit jeder Menge altem Soul, noch mehr Jazz, ollen Funk und den schmalzigen Melodien, die man aus den US-Serien der 70er Jahre so kennt. Außerdem – wie sollte es anders sein – kommt hin und wieder der Latino in Mogreens durch. Sechs ganze Stunden hat der Mitschnitt und ist mitunter nicht ganz leicht zu verdauen. Meiner Frau geht er hier gerade ein bisschen auf den Saque. Aber wer hat gesagt, dass Musik immer nur gefällig sein soll?


(Direktlink)

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Shit Bushido Says

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Ein Tumblr, welches sich einzig den Hirn-Mund-Blähungen des Abiturabbrechers aus dem bronxigen Ghetto Tempelhofs widmet.

Ich könnte mit „Opfer“ auf viele seiner „Lines“ antworten, finde „Volltrottel“ allerdings sehr viel passender. Ein Volltrottel aus Tempelhof, der jetzt in das mondäne Kleinmachnow gezogen ist, um von dort aus mit „Für dich ist die Bonzengegend so was wie die Bronx gewesen“ andere anpissen zu wollen. Haha, was für eine Pfeife!

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Fotos einer Dorfdisco der DDR in den späten 70er Jahren und ein Buch darüber

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(Foto: © Thomas Kläber)

Ich bin dann doch etwas zu jung, als das ich mir in der DDR die Nächte in irgendwelchen Tanzschuppen um die Ohren hätte schlagen können. Das begann bei mir erst kurz nach dem Fall der Mauer und hätte ganz sicher auch einige spannende Bilder gegeben, aber darum soll es nicht gehen.

Thomas Kläber, der bis heute als Fotograf tätig ist, war Ende der 70er schon alt genug, um mit seiner Praktica MTL die Disco seines Dorfes besuchen zu können, die eigentlich eine Kneipe war. „Die Dorfdisco war nun mal ein Teil des Landlebens.“, sagt er. Und so sahen es wohl viele der damals Tanzlüstigen im Südbrandenburgischen. Man traf sich dann eben in jener Kneipe in Beyern um das Wochenende gebührend zu betanzen. Was junge Leute halt so machten, heute noch so machen, wenn auch anders – womöglich.

Dabei konnte Kläber Fotos machen, die einen Alltag wiederzugeben vermögen, wie man sie heute nur sehr selten zu sehen bekommt. Das ganz normale Leben aufm Dorf. Am Wochenende. Mit Bier, mit Schnaps, mit Musik, mit Kumpels, mit Liebe und mit all dem, was da eben zu gehört. Mit viel weniger Stock im Arsch, als das all die Fotos zeigen, die man heute aus den Diskotheken zu sehen bekommt. Platz für Fratzengeballer gab es damals keinen, dafür aber Authentizität. Genau diese hat Kläber auf seine Fotos gebannt. Tanzen aufm Dorf. Einestages hat neben einer superschönen Fotostrecke, die sich eigentlich erst in ihrer Gesamtheit zu einem Bild zusammensetzen mag, auch einige lesenswerte Statements des damaligen, vielleicht eher unfreiwilligen Chronisten.

„Es sind Bilder wie von einem Film-Set. Einem Film, der in der DDR spielt. Schwarzweiß. Irgendwo, tief in der Provinz. In einer Kneipe mit Sprelacart-Tischen und Mustertapeten im blassen Licht von Leuchtstoffröhren. Es ist Ende der siebziger Jahre. Die Männer tragen strähnige Langhaarfrisuren, karierte Hemden, Jeansjacken; die Frauen kurzärmelige Strickpullis oder weiße Blusen zu frisch geföhnter Dauerwelle, die Wirtin trägt Kittelschürze. Jedes Foto zeigt eine Szene, jedes Bild scheint eine Geschichte zu erzählen. Zugleich wirken sogar Details wie selbstverständlich, zufällig, authentisch – wohl deshalb, weil es gar keine Bilder aus einem Film sind. Was hier zu sehen ist, ist das echte Leben.“

Dorfdisco_Beyern_1978-80


(Foto: © Thomas Kläber)

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Thomas Kläber hat seine Erinnerungen in Form von allerhand Aufnahmen aus den Jahren 1978 – 1980 jetzt in ein Buch binden lassen, welches beim Expose Verlag erschienen ist und den ausdrucksstarken Namen „Tanz“ trägt.

„Festivität, Dorffest, Schwof – so könnte es in den 1970ern in einem kleinen Ort in Irland, Belgien oder dem Ruhrgebiet stattgefunden haben. Tatsächlich liegt der Schauplatz in Beyern in der DDR, was aber sonst von geringer Bedeutung ist.

Ein Panorama menschlicher Emotionen tut sich auf und verdichtet sich zu einer mitreissenden Bilderzählung, in die wir dank der hautnahen Präsenz des Fotografen eintauchen können, um uns dann verwundert zu fragen, ob auch wir jemals so berührend/beglückend menschliche Nähe erfahren haben. Eine Ballade aus vergangener Zeit!“

Da würde ich wirklich nur allzu gerne mal drin schmökern wollen.

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detektor.fm-Plattenkoffer mit Robot Koch

[Update] Ray weißt gerade darauf hin, dass dieser Mix genau jener ist, den es vor ein paar Tagen erst im Ucon Mixcast gab. Und das stimmt leider. Schade. Ich hatte das in der Euphorie gar nicht mitbekommen. Mhmmm.

Soll mal keiner sagen, die Macher da bei detektor.fm würden für ihren Plattenkoffer kleine Brötchen backen. Wohl auch deshalb packen sie mit der neusten Ausgabe ein extra üppiges Krustenbrot auf den Tisch. Robot Koch heißt der Gast und spielt Platten, die seine musikalische Sozialisation mit ausgemacht haben. Genau das Richtige um entspannt in ein Wochenende zu gleiten. Klasse!

Im Plattenkoffer ist diesen Monat niemand Geringeres als Robot Koch. Der gilt schon seit vielen Jahren als Europas Vorzeigeproduzent für fortschrittliche elektronische Musik rund um den großen Nenner Hip-Hop. Neben vielen eigenen Veröffentlichungen hat Koch in der Vergangenheit auch als Remixer und Produzent für Künstler wie Casper oder D E N A gearbeitet.


(Direktlink)

Tracklist:
1. Laura Veirs – July Flame
2. El Michels Affair – Incarcerated Scarfaces
3. El Michels Affair – Duel Of The Iron Mics
4. The Caretaker – In The Deep And Dark Hours Of The Night
5. The XX – Angels
6. BINKBEATS Beats Unraveled #3 – Without You by Lapalux
7. Max Richter – Organum
8. Linda Perhacs – Hey, Who Really Cares?
9. Jessy Lanza – Kathy Lee
10. Robot Koch x Kuhn – Sludge
11. London Grammar – In For The Kill
12. Robot Koch – Calle Tierra
13. Hiroshi Matsumoto & Hideo Ichikawa Quartet – Serenade To A Dimly Lit Street
14. Fela Ransome Kuti & The Afrika 70 ‎– Gentleman
15. David Axelrod – The Sick Rose

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Die neuen Sperrtafeln auf YouTube: „GEMA“ bleibt im Text

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Letztens ging noch dieser leicht überspitzte Entwurf für die neuen Sperrtafeln von YouTube rum. Ich fand den eigentlich ganz witzig und ging davon aus, dass das nur Quatsch sei. Nun hat YouTube tatsächlich auf das Urteil des Landgerichts München reagiert und seine Begründungen für das Geo-Geficke an dieses angepasst. Und, ja nun, auf den GEMA-Verweis, der der GEMA ja so auf den Saque ging, will man im Hause YouTube wohl dennoch nicht verzichten. Ob der GEMA das nun so recht ist, ist bisher nicht bekannt. Der von ihr gefeierte Sieg allerdings geht zumindest ansatzweise flöten – das hatte man sich bestimmt anders vorgestellt.
(via Blogrebellen)

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