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Das Kraftfuttermischwerk Beiträge

O, wie sehr ich sie nicht mag

Zugegeben, „nicht mögen“ wäre in diesem Zusammenhang ziemlich tiefgestapelt, eher empfinde ich immer so eine ungesunde Mischung aus Miss, – und Verachtung, wenn ich Eltern sehe, die mit ihren Kindern so reden, als sollte aus denen mal Soldaten werden, als wären die schon als US-Marines geboren worden, so reden, als seien sie die Befehlsgeber und die Kinder nicht mehr als Empfänger für die Anweisungen, die die Alten ihnen entgegen bellen. Ganz so als hätten die Kinder keinen eigenen Kopf zu haben, der ihnen die Richtung in die sie gehen wollen vorzugeben vermag. Komm her! Geh weg! Steh mir nicht im Weg rum! Setz dich! Steh auf! Sei leise! Geb Ruhe! Sag guten Tag! Halt die Klappe! Wenn ich dir sage! Hör auf! Mach Platz! Geh mir aus dem Weg! Hörst du schlecht? Bist du Taub? Mach den Mund zu! Komm mit! Bleib hier! Leg dich hin! Iss! Iss ordentlich! Iss alles auf! Mach das weg! Räum auf! Mach aus! Mach an!…

Diese Liste kann unendlich weitergeführt werden. Es ist als fehlen da einige Wörter im Stammwortschatz, als fehle etwas Erinnerung an die eigene Kindheit und daran, wie sehr man es selber gehasst hat, wenn die Alten einen verbal umher geschubst haben. So als verstehe man als Kind nur die wenigen Worte, die Befehle – so wie ein Hund.

Derlei Triaden hatte heute Morgen eine Mutter für ihre beiden Mädchen in der Bahn über. Hat sie immer. Mehr nicht. Kein Lächeln, kein liebes Wort immer nur Befehle. Der Gipfel war die Ansage, dass man nicht haut! Sprach es und versetzte der Kleinen einen Schlag auf den Po.

Und so als wolle die Mutter auch wirklich kein gängiges Berlin-Marzahn-Klischee auslassen, hießen ihre Kinder „Lucien“ und „Chayenne“. Wenn doch Namen alleine glücklich machen könnten… Das wäre fein.

Ganz tief könnte ich mir den Finger in den Hals stecken, wenn ich so etwas miterleben muss. Ganz tief… Um dann zu kotzen.

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Revolution nicht ohne Ticket

Sie muss Mitte dreizig sein und sitzt in der Haltestelle genau neben mir. Aus ihren guten, offenen Sennheiser-Kopfhörern ballert „Kopfüber in die Hölle“:

„Revolution – stand auf unseren Fahnen
Revolution – stand uns im Gesicht
Wir haben erlebt – was andere nicht mal ahnen
Revolution- weniger wollten wir nicht.“

So wie sie sich zurecht gemacht hat, könnte es sein, dass sie zu die Ärzte in die Wuhlheide will, die ab heute drei Abende am Stück die Wuhlheide in ein Pulverfass verwandeln wollen. Wie ich die kenne, wird ihnen das ohne weiteres gelingen.

„Revolution – wir wollten weg von der Masse
kopfüber in die Hölle und zurück
Heute stehst du – bei Herti an der Kasse
da ist keine Sehnsucht mehr in deinem Blick
du sagst man tut halt was man kann
und dir gehts gut du kotzt mich an!“

Die Tram fährt ein, alle Wartenden steigen ein. Sie verschwindet mit anderen im hinteren Teil des Wagons, dort gibt es die Tickets am Automaten. Die alten Damen, die von genau dort kommen, setzen sich gelassen, sehen aus den Fenstern. Sie setzt sich nervös in den vorderen Teil der Tram und dreht ihren Kopf noch nervöser zwischen Fahrerkabine und Ticketautomat hin und her. Nach zwei Stationen hält es sie nicht mehr auf dem Sitz und klopft an die Fahrerkabine: „Äh, hallo, ich würde mir ja gerne ein Ticket kaufen wollen, aber der Automat ist kaputt, wissen Sie? Was soll ich denn jetzt machen?“

Batsch.

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Ich mag es sehr, über Netaudio for free vs. althergebrachte Vertriebsformen zu debattieren. Ich hoffe, ich werde recht behalten auch wenn ich mitunter nur schwer daran glauben kann.

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Druff, druff, druff, druff, druff

Das Kind singt lauthals mit. Nicht nur den Refrain, auch der Rest des „Textes“ sitzt fast ausnahmslos. Überlege, was mir statt dessen lieber wäre und welchen Radiosender man sonst hören sollte könnte.

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Doku: Pink Floyd – Making Of: The Dark Side Of The Moon

In der englischen Originalfassung und very интересно. Ich habe ja schwer was übrig für Floyd, aber das nur am Rande.

The Dark Side OF the Moon is often called best skirt album of music history It kept itself altogether 741 weeks long in the Billboard Charts. With 40 million it belongs to sold clay/tone carriers to the usually-sold albums world-wide (The album appeared to 24. March 1973)

(©)

Teil 1:

(DirektDarkside)

Teil 2:

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Das Kraftfuttermischwerk – downunder the moon


Dank deepgoa habe ich eben mitbekommen, dass das polnische Netlabel Qunabu den Sampler „Sgt Peppers Lonely Hearts Dub Band 2“ nun ins Netz gepumpt hat. Mit drauf ist von uns der Track „downunder the moon“, der mal neue Wege gehen soll und vielleicht etwas anders klingt als wir bisher. Gezeichnet ist die Compi unter „dub techno“ und verspricht eine Runde Sache zu sein, wenn man liest, wer da alles mit an Board ist: Dubsuite, Biodub, Dubatech und – huihuihui- Dubjack, was mich außerordentlich freut.

We are proud to announce the release of long-awaited consecutive part of the leading Qunabu dub-label compilation – „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Dub Band 2“. This time it’s a set of 12 tracks made by artists from all over the world, namely from Canada, Turkey, Argentina, France, Portugal, Croatia, Germany, Italy and Poland. Expressly for this occasion premiere pieces were made by artists like Das Kraftfuttermischwerk, Segue, Peak or Echo_TM. Assorted dub artists have created tracks especially for the occasion, perfectly conveying the big idea behind the label: to present dub music in the broadest understanding of the term. Like the previous edition, this record aims to show the whole spectrum of minimal-dub-techno phenomenon, inspired by sounds from Berlin and Detroit. This one is a must for all lovers of smoky, technical, post-jamaican vibes.

Ich dachte schon, dass Projekt verläuft im Sande und bin froh, dass dem nicht so ist. Auf der Qunabu-Page ist davon zwar noch nichts zu sehen, dafür gibt es die ganze Kiste schonmal auf Archive.org.

[audio:http://ia311304.us.archive.org/1/items/qnb007_va-sgt_peppers_lonely_hearts_dub_band_2/qnb007_03-das_kraftfuttermischwerk-downunder_the_moon_vbr.mp3]
Das Kraftfuttermischwerk – downunder the moon

Tolle Compi!

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Die dicke Birgit

Sie war schwer krank, dachten wir damals, hatte viel mehr Freunde als ihr gut taten und war sowieso immer sehr gut drauf. Außerdem sah sie so anders aus als alle anderen. Wie ich heute weiß, wurde sie mit Trisomie 21 geboren und ihre Eltern konnten damit nicht umgehen, sie gaben sie ins Heim, hielten aber dennoch steten Kontakt zu ihr. Vielmehr versorgten sie sie regelmäßig mit Geld, Westgeld auch. Man sagte, ihre Eltern wären Millionäre, dem man, wenn man sah, wie Birgit mit Geld umging auch durchaus Glauben schenken konnte. Ihre 18 Jahre sah man ihr nicht an, im Gegenteil, sie sah immer irgendwie älter aus.

Wenn ein Rummel in der Stadt war, war sie immer die erste, die den Platz betrat, und auch die letzte, die wieder ging. Man konnte meinen, sie lebte nur für diese kleinen Schaustellergruppen, die regelmäßig auf dem Platz vor ihrem Heim gastierten. Dann lud sie alle ein, die sie darum baten, soff wie ein Loch und vergnügte sich bis zum Umfallen. Birgit liebte die Autoscooterfahrten, die Karusells, diese Schaukeln, die man aus eigener Muskelkraft herraus zum Schwingen bringen musste. Einige Männer liebten sie. Der Grund dafür dürfte klar sein. Sie war das, was man „leicht zu haben“ nennt und sie machte keinen Hehl daraus. Das sie so viele „Freunde“ hatte, lag primär daran, dass ihr das Geld immer locker in der Tasche saß. Jeder, der nur irgend konnte, nutze sie aus, um auf ihre Kosten nette Abende zu verbringen. Ich war damals zu jung für so was, wäre aber wahrscheinlich sonst auch einer derer gewesen, wie ich zugeben muss. Alle dachten immer, Birgit merkte das nicht, die btw Wert darauf lag, dass man sie „dicke Birgit“ nannte. Sie war eine immerfrohe Seele.

Im Sommer, wenn das Schwimmbad öffnete, war sie auch dort, die erste die kam, und im Herbst, die letzte, die die Becken dort verließ. Sie sprang wie alle anderen gänzlich ohne Angst vom Dreier und haute für jeden, der sie darum bat, Pommes und Bier rein. Irgendwann wurde ihr dann von Seiten des Heimes das Geld rationiert, weil die sich -klar- nicht erklären konnten, wie Birgit es schaffte, am Tag 50 Mark kleinzukriegen. Ab da hatte sie weniger, von denen sie dachte, es wären Freunde. Oft saß sie dann allein am Beckenrand und schaute traurig drein. Sie konnte einem leid tun, die dicke Birgit, sprang kaum noch vom Dreier und lachte auch fast nicht mehr. Irgendwann dann sah man sie nicht mehr und jeden den man fragte, konnte keine Auskunft darüber geben, was denn wohl aus Birgit geworden ist.

Vorhin in der Tram sah ich sie, dachte ich kurz. Sie war es nicht. Ich musste trotzdem darüber nachdenken, was sie wohl heute macht, ob sie lebt?

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