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Prinzipien

Ich bekam heute einen Anruf. Einen dienstlichen Anruf. Und das, obwohl ich im Urlaub bin. Das ist nicht weiter schlimm, ich bin da nicht so. Wenn sowas passiert, ist es meistens wichtig. Sehr wichtig. Es wurde eine Bitte an mich herangetragen, die zu erfüllen mir es so einiges an innerer Überwindungskunst kosten sollte.

Es gibt so Prinzipien die man sich im Leben selber auferlegt, um damit durchzukommen. Manche überwirft man, man wird ja älter, und ja, auch vernüftiger. An anderen hält man fest. Sehr fest. Weil sie zu einem gehören, weil sie einem zu dem machen, was man glaubt zu sein. Nicht in Diskotheken zu spielen zum Beispiel ist so ein Prinzip, was ich niemals nicht brechen werde. Sowas ist kulturlos, ohne jeglichen Reiz und generell etwas verdepptes. Sowas ziehmt sich einfach nicht. Auch wenn man weiß, dass es Leute gibt, die dieses Prinzip nicht haben. Das ist okay, das ist das Leben. Aber man selber muss ja da nicht zugehören. Das man als Gast in so einen Laden nicht gehen muss, erklärt sich von selber. Kultur impliziert auch immer Kunst, Subkultur und im besten Falle noch einen Tick Underground, aber das ist ein andere Kiste. Andere bisher nicht zu brechende Prinzipien sind eher pädagogischer Natur und gehören hier nicht hin.

Eines aber meiner festesten Prinzipien ever war immer die Baumblüte in Werder so lange nicht zu besuchen, bis ich unter irgendeinem Baum vergraben werde. Von mir aus auch namenlos. Das ist Dorfbums pur. Zugegeben ein großer Dorfbums, der selbst jede Menge Großstädter anzieht, die offenbar auf der Suche nach einem klassischem Dorfbumserlebnis sein müssen. Wohl eher die zugereiste Fraktion, aber immerhin. Das ist Faschotreffen, Komasaufen, Gepöbel bis zum Umfallen und Ostrock von längst Totgeglaubten, die dennoch Jahr für Jahr auf irgendeinem Friedhof wieder ausgegraben werden, um dann auf die Bühne gestellt zu werden. Nebenbei gibt es dort Wein, der diesen Namen nicht verdient hat, jede Menge Neonazis aus den Ostdeutschen Gefilden, die dort ihre Kameradschaftstreffen abhalten, aber das erwähnte ich ja schon. Außerdem jede Menge Teenager, die sich die Rübe mit allem zuknallen, was sie da in die Hände bekommen. Es ist ein wenig so, wie das Oktoberfest in Brandenburg. Nur eben im Frühjahr. Zur Baumblüte. Und was soll ich sagen? Ich werde da in diesem Jahr arbeiten. Rein dienstlich versteht sich. Ich werde alt. Älter, als mir lieb sein kann…

9 Kommentare

  1. trulli27. März 2008 at 08:41

    …Finger weg von der Flasche! Augen zu und durch…. Det schaffst de schon.

  2. miss sophie28. März 2008 at 02:17

    offenbar ist 2008 das jahr des „öfter mal was neues“. ich werde da dieses jahr auch das erste mal anwesend. ich habe bislang ähnlich über die veranstaltung gedacht und guck mir das jetzt mal von nahem an.
    ich hab übrigens keine so gute ausrede wie du. bei mir war’s der rhababerwein, den es dort geben soll… wie war das gleich noch mit den weinen, die den namen nicht verdienen ;)

  3. Saint28. März 2008 at 09:03

    „rhababerwein“? Ja, das wäre so einer von denen. Hehe.

  4. camillo28. März 2008 at 15:28

    ich schmeiß ma wech…haha
    viel spaß ;-)

  5. le_fu29. März 2008 at 08:41

    brauchst du Hilfe?

  6. augi29. März 2008 at 19:33

    ich bin zugereiste… vielleicht ist es verwerflich: aber ich war schon mal da – und ich muss sagen, dass es oben in den gärten der omis, die ihren selbstgekelterten wein aus eigenem gartenobst verkaufen, ganz „nett“ ist. vielleicht ist entschuldbar, dass man sich als zugereiste/r sowas mal angucken muss, um sich ein bild machen zu können. aber es ist wahr: es ist ein volkstümliches fest, und die haben leider fast immer einen rechtspatriotischen anstrich. wenn du dich irgendwann mal bei einer veranstaltung à la „hitparade der volksmusik“ wiederfindest (rein dienstlich, versteht sich), bist du schon mehr als tot – fürchte ich!!!

  7. Das Kraftfuttermischwerk24. April 2008 at 12:50

    […] den Einfall gehabt, mir die Haare abschneiden zu lassen. Glatze wäre im Hinblick auf meinen Arbeitstag am 1.Mai irgendwie praktisch. Gedanken schnell wieder verworfen, aber die Grundidee bleibt erst […]

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