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Schlagwort: Feature

Feature: Rio Reiser 1988 in Ostberlin

Kurzer Nachtrag zum 70. Geburtstag von Rio Reiser: ein Feature über die beiden Konzerte, die Rio im Oktober 1988 in der Ostberliner Werner-Seelenbinder-Halle gegeben hat. Der einstige Ton Steine Scherben Frontmann in der DDR. Da wäre ich so was von gerne dabei gewesen, war aber schlichtweg noch zu jung, um abends auf Konzerte zu gehen. So blieb mir später nur das Doppelalbum, das bis heute zu den wichtigsten zählt, die ich je gekauft habe. Immer noch und immer wieder Gänsehaut. Was für unbeschreibliche Momente, die die Menschen dort geteilt haben dürften. Wahnsinn.

Und dann, nach der Umbaupause, endlich: Grüner Nebel, blaue Scheinwerfer, und heraus tritt lächelnd ein schmaler Mann in Röhrenjeans und Sakko, eine Schiebermütze auf dem Kopf: Rio Reiser! Links neben ihm im weißen Hemd, Strohhut und Gitarre: Lanrue. Die beiden, die das Herz von „Ton, Steine, Scherben“ gewesen waren, die „Keine Macht für niemand“ und „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ gesungen hatten, hier in der piefigen Republik der alten Männer! Die Fans singen jede Zeile mit, tanzen, manche mit Tränen in den Augen, schwenken schwarz-rote Anarcho-Fahnen. Rio beginnt mit „Alles Lüge“. Ein Spaßsong, gewiss, aber in der DDR ist nichts nur Spaß, hier kann man nicht „Alles Lüge“ singen, ohne dass sich das Publikum seinen Teil dazu denkt.

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Radio-Feature: Punks – No Future?

(Foto: Geoff Beattie)

Kurzes Feature, das Stefan Rheinbay für WDR 5 gemacht und dafür mit gealterten Punks gesprochen hat, die heute schon fast das Rentenalter erreicht haben.

Eine anhand von 100 Lebensläufen von teilweise noch aktiven Punkmusikern am Kölner Institut für Musikwissenschaft erstellte Studie hat ihre Lebenssituation untersucht. Abgesehen von den wenigen Mitgliedern erfolgreicher Bands wie „Extrabreit“ oder den „Toten Hosen“ geht es den meisten Alt-Punks nicht besonders gut. Dem Motto „No Future“ folgend schloss ein Großteil weder ein Studium noch eine Berufsausbildung ab. Von Auftritten oder Tonträgerverkäufen können nur die Allerwenigsten leben. Viele halten sich mit Gelegenheitsjobs beispielsweise als DJ, Umzugshelfer oder Hundebetreuer über Wasser. Viele sind aber zusätzlich angewiesen auf Transferleistungen.


(Direkt-MP3, via Robert)

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WDR5 Radiofeature zu Chris Blackwell: Der Mann, der Reggae in die Welt brachte

(Foto: Dan VieiraCC BY-SA 2.0)

WDR5 über das Leben und die Arbeit von Chris Blackwell, der vor allem als Gründer von Island Records Berühmtheit erlangt hat und als Entdecker von Bob Marley gelten dürfte. Außerdem hat er dem Reggae den Weg in die Welt geebnet. Perfektes Hörmaterial für den Sonntagnachmittag.

Bob Marley war abgebrannt, als er den weißen Jamaikaner traf: Chris Blackwell, der Mann, der Reggae bekannt machte als Plattenproduzent, nahm Marley unter Vertrag. „Catch a Fire“, hieß das Album, dem viele folgten.

Es mag wie eine Ironie der Geschichte klingen: Chris Blackwell, der die schwarze Musik Jamaikas in die Welt brachte, stammt aus der kolonialen weißen Oberschicht der Insel. Seine Eltern waren reich geworden durch Bananenplantagen, sie schickten ihren Sohn im Alter von neun Jahren nach England in ein Internat, um ihm mit bester Bildung beste Chancen im United Kingdom zu verschaffen.

[audio:http://podcast-ww.wdr.de/medp/fsk0/140/1400977/wdr5neugiergenuegtdasfeature_2017-06-22_catchafiredermannderreggaeindieweltbrachte_wdr5.mp3]
(Direkt-MP3, via Johannes)

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Eine Stunde über Marcus Wiebusch: Vom Punk zum Labelchef

Foto: Pixabay

Ich mag das, was Marcus Wiebusch macht seit jeher sehr gerne. Nicht nur was mit „…But Alive“ kam. Ganz besonders aber mag ich das, was er mit Kettcar geschaffen hat. Kettcar hören ist immer so, als würde man mal wieder mit alten Kumpels sprechen, die man lange nicht gesehen hat und mit denen man sich immer noch gänzlich versteht. Noch dazu ganz großartige Musik, gerade der Texte wegen.

Anja Buchmann hat für den Deutschlandfunk aktuell ein einstündiges Feature mit dem Heidelberger, der mittlerweile zum Hamburger wurde.

„Wir waren eine sehr zornige Band,“ sagt Marcus Wiebusch über seine Punkformation „…But Alive“, die er Anfang der 1990er Jahre gegründet hat – unter anderem mit Schlagzeuger Frank Tirado-Rosales, der auch zu Beginn von „Kettcar“ dabei war. Mit „…But Alive“ brachte er zwischen 1993 und 1999 vier Alben heraus, von denen insbesondere die ersten drei musikalisch und textlich vor allem eins waren: wütend und politisch.

„Gerade auch aus heutiger Sicht, wenn ich mir auch die ganzen alten Sachen durchlese und die Texte vergegenwärtige – die sind schon sehr im selbstgerechten Zorn auch geschrieben worden. Muss man sagen. Aber es war auch eine Zeit, ich sag mal, als wir gegründet haben 1993, Rostock, Hoyerswerda, die Übergriffe auf Asylbewerberheime, das war schon auch prägend auf eine Weise. Dass man gesagt hat, das kann nicht sein, dass ich in einem Land lebe, mit der Geschichte, wo in Rostock auf einmal ein Mob ein Asylbewerberheim anzündet.“

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