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Schlagwort: Syria

Ein 24-Jähriger geht nach Syrien, um eine Doku zu drehen: Syrien – ein schwarzes Loch

Lief vor einigen Tagen im WDR und geht ziemlich tief in die Magengrube. Eine der mich bewegendsten Dokus, die ich seit langem gesehen habe.

„Ihr braucht keinen Gott, ihr braucht was zu essen, aber…“

„Hubertus Koch hat nichts: Keine Kamera, kein Computer, kein Equipment und nicht gerade viel Erfahrung. Aber der 24jährige will Dokumentarfilmer werden und er hat eine Idee: Ein Film über eine Hilfsaktion für Syrien. Von der Abfahrt in Deutschland bis zur Ankunft in Syrien will er die Helfer begleiten. Und tatsächlich: Nur wenige Monate später sitzt Hubertus auf dem Beifahrersitz auf dem Weg nach Syrien. Aber einmal angekommen ist nichts, wie er es sich vorgestellt hat. Nach nur fünf Stunden in Syrien ist Hubi am Ende.

Die Wirklichkeit und das Leid des Krieges treffen ihn mit voller Gewalt. Den Film, so wie er ihn geplant hatte, kann er vergessen. „Syrien ist kein Wochenendurlaub, kein verdammtes Seminar“, sagt er. Und er wird wütend. Wütend auf alle, die nicht hinschauen, wütend auf alle, die Syrien vergessen haben. Er nimmt seine Kamera wieder in die Hand, denn er will erzählen. Erzählen, was er gesehen und erlebt hat. Als ein junger Mann, als einer der Generation Ballerspiel und Komasaufen, dem Syrien im Grunde so egal war, wie allen anderen. Vor diesem Film.“


(Direktlink, via Flausenkopf)

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„Asylschmarotzer“

Tobias Huch hat mal Aufnahmen aus Syrien(?) Kommentaren von deutschen Facebook-Nutzern gegenübergestellt und das spricht in der Summe gänzlich für sich selbst.

"Asylschmarotzer"

"Asylschmarotzer", "Alle gleich erschießen", "Ab in die Gaskammer", "Die wollen nur unser Geld", ….. Flüchtlinge! Zwei Minuten zum Nachdenken über die Realität, ihre Ausblendung und die unglaublichen Reaktionen

Posted by Tobias Huch on Mittwoch, 19. August 2015


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Video-Reportage und Portrait-Serie: Guerrilla Fighters of Kurdistan

Der in New York lebende Fotograf Joseph Anthony Lawrence war im Frühjahr in den kurdischen Gebieten von Syrien und im Irak unterwegs um die dort kurdischen Kämpfer zu fotografieren. Hier seine beeindruckende Potrait-Serie.

In March of 2015, I set off to the Kurdistan region of Iraq and Syria to begin a new personal project. In the beginning, I thought perhaps it would be a still photography trip only. But just as I left the door, I decided to grab my GoPro kit in case anything interesting happened and I could just film it myself. This is that footage.

(Direktlink)

00:00 – Intro, Joey departs NYC
01:31 – Preparation in Sulaymaniyah, Iraqi Kurdistan
02:15 – PKK Guerrillas in Makhmour
05:41 – Crossing the border into Syria, YPG/J Guerrillas in Rojava
07:19 – Interview with YPJ members
09:07 – Daily life on a YPG/J base and photoshoot
10:13 – Clash in Tel Tamer, dead ISIS fighters
12:38 – Interview with American YPG Fighter “Fat Jack” in Tel Tamer
13:44 – Tel Hamis liberation, guerrillas living in abandoned ISIS base
16:38 – Urban exploration of abandoned ISIS base
20:28 – Overview of humanitarian crisis on Sinjar mountain
23:10 – ISIS suicide VBIED attack inside the besieged city of Sinjar
25:14 – Funeral of YBŞ guerrilla fighter in Sinjar
26:23 – Yezidi refugees and Shingal Resistance Unit
28:37 – Outro and closing thoughts
29:19 – Funeral of British YPG soldier Konstandinos Erik Scurfield
30:38 – Credits

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Wenn du aus einem Kriegsgebiet hierher kommst und endlich deine Frau wiedersehen willst

Ein 21-jähriger Flüchtling aus Syrien will gerne seine Frau nach Deutschland „nachholen“, die gerade irgendwo im Libanon festhängt. Das ist ihnen laut aktueller Gesetzeslage erlaubt und nennt sich „Familienzusammenführung“.

Internet gibt es dort im Libanon nicht – die beiden telefonieren alle 14 Tage. Wenn das Leben und die Umstände es gerade gut mit ihnen meinen.

Diese „Familienzusammenführung“ kann man beantragen und mit etwas Glück und Geduld, geht dass dann seinen deutsch-bürokratischen Gang. Um das zu beantragen allerdings benötigt man schon Sprachkenntnisse, die zu erlernen einem nach 18 Monaten Aufenthalt kaum möglich sind. Egal, wie sehr man sich bisher um diese bemüht hat. Also beauftragt der Mann einen arabisch sprechenden Anwalt, der sich darum kümmern soll. Tut der auch, telefoniert ein bisschen, füllt Anträge aus und schreibt 2-5 Briefe in der Sache. Ein paar Wochen später schickt er dem jungen Flüchtling seine Rechnung: 1000+ EURO. Geld, das der Mann nicht hat. Eine Sicherheit darauf, dass das mit seiner Frau, die er seit zwei Jahren nicht gesehen hat, überhaupt klappt, gibt es keine. Er bezieht eine „Sicherung zum Lebensunterhalt“, die kaum der Rede wert ist, und lebt mit seinen vier jüngeren Brüdern (8-17 Jahre) in einem Zimmer. Den Anwalt zu konsultieren war ein Ratschlag der für ihn zuständigen „Integrationsbeauftragten“. Die Rechnung stottert er nun in Raten ab. Er wird weiterhin einen Anwalt brauchen, wenn er seine Frau irgendwann hier mal wiedersehen möchte. Diesen wird er bezahlen müssen.

Und wenn das alles dann irgendwann mal geklappt haben sollte, kann es sein, dass der Mann finanziell vollumfänglich für seine Frau aufkommen muss, weil ihr hier nicht mal die „Sicherung zum Lebensunterhalt“ zusteht. Er hat sie schließlich „nachgeholt“ und muss dann im Zweifelsfall von seiner, nicht der Rede wert seienden „Sicherung zum Lebensunterhalt“, für ihren Lebensunterhalt mitsorgen.

Die Angehörigen in Deutschland müssen unterschreiben, dass sie sämtliche Lebensunterhaltskosten aller Flüchtlinge hier tragen. In den meisten Bundesländern können sich auch Dritte (Freunde, Bekannte, Organisationen) zur Kostenübernahme verpflichten. Die Ausländerbehörden führen eine Bonitätsprüfung durch zum Nachweis, dass die Verpflichtungsgeber über ausreichendes Einkommen für die Familie hier und die nachziehenden Verwandten verfügen.

Und das alles weil sich eine Familie irgendwann dazu entschieden hat, ihre Leben vor einem tödlichen Krieg in Sicherheit zu bringen. Und dann ist Liebe nur noch eine darauf forcierte Angelegenheit der zu zahlenden Summen. Ganz egal von wem, ganz egal an wen.

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Auf Vinyl: CC-Mash Ups syrischer Musik zu Gunsten der Moabiter Flüchtlingshilfe

Das ist nicht nur eine gute Sache, sondern auch kulturell und vor allem musikalisch ziemlich interessant. Die von mir betreuten Flüchtlingskinder aus Syrien jedenfalls finden das ganz geil. Ich auch.

Auf einer Syrienreise fand der Musiker Torky Tork eine Menge Platten, CDs und DVDs mit arabischer Musik, aus denen er 2008 das Beattape „Syria“ bastelte. Ganze Diskographien bekannter und weniger bekannter arabische Künstler wie Fairuz, Rahbani Brothers, Farid Al Atrache und Abdel Halim Hafez fanden sich für 20 Cent auf den Straßen von Damaskus und wurden Bestandteil des Albums.

Die Tracks sind stehen unter CC-Lizenz und kommen jetzt auf Vinyl. Album kaufen, Gutes tun und auch noch guten Sound dabei in den Ohren haben. Vorhören lässt sich „Syria“ hier bei hhv.

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Am 30. Januar 2015 erscheint „Syria“ auf Doppel-Vinyl – einem Artwork mit Fotos aus Syrien und drei verschiedenen Covern zur Auswahl.

Torky und auch das Label HHV.de spenden die Einnahmen aus diesem Album an Moabit hilft. Da es Torky Torks ausdrücklicher Wunsch ist, damit speziell syrische Flüchtlinge auf dem Weg in ihr neues Leben in Berlin zu unterstützen, wird Moabit hilft eine Kontaktgruppe für Flüchtlinge aus Syrien ins Leben rufen. Ziel ist es vor allem, syrischen Flüchtlingen hilfreiche Kontakte zu vermitteln, ihre Rechte zu stärken und ihnen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Die Kontaktgruppe soll Flüchtlingen besonders in den ersten Wochen nach der Ankunft, die häufig von Unübersichtlichkeit und Isolation geprägt sind, eine erste Anlaufstelle bieten. Ein engagiertes und geschultes Team von Flüchtlingsbegleiter_innen mit und ohne eigene Fluchterfahrung leistet dabei praktische Hilfestellung im Alltag. Dazu gehören unter anderem gemeinsame Behördengänge, die Vernetzung mit anderen Flüchtlingen und UnterstützerInnen sowie die Kontaktaufnahme mit juristischen, sozialen und psychosozialen Beratungsstellen.

Mit dem Kauf des „Syria“-Albums von Torky Tork oder einer direkten Spende an das Syrien-Projekt von Moabit hilft können auch Sie Flüchtlinge aus Syrien in Berlin unterstützen. Hier informieren wir Sie laufend über Planungen und Aktivitäten und zeigen, wofür Sie spenden können.

Diesen Freitag findet im Berliner hhv-Store die Record Release Party statt. Ich werde es nicht schaffen, aber vielleicht ja andere, die es nicht ganz so weit haben.

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„Süchtig nach Jihad“ – Eine etwas andere Dokumentation über die Folgen des syrischen Bürgerkriegs und den Terror des IS

süchtig nach jihad

Heute Morgen stolperte ich unter meinen YouTube-Abos über diese neue Dokumentationsreihe des Channels zqnce (gespr. ’sequence‘), der bereits in der Vergangenheit mit der Dokumentationsreihe „Shore, Stein und Papier“, über den ehemaligen Heroinabhängigen ‚$ick‘ Bekanntheit erlangte.
Bereits nach dem ersten Video wird einem klar, dass man es hier nicht mit einer ’normalen‘, objektiven und hoch professionellen Dokumentation, wie die der bekannten Medienanstalten oder Ähnlichem zu tun hat, sondern wirklich mit den persönlichen Berichten und Erfahrungen eines Jugendlichen der „Generation Komasaufen und Killerspiele“.

Der 24-jährige Hubertus Koch reist mit Mahmoud Dahi, welcher 1980 nach Deutschland floh und seit einigen Jahren Hilfsgüter und überlebenswichtige Fahrzeuge in die Krisenregion Syrien transportiert in die Region um Aleppo und berichtet über seine Erlebnisse in der dortigen Region in und um das Flüchtlingslager ‚Bab Al Salameh‘. – Über Menschen, welche seit Jahren grausam unter der Verfolgung des Regiems Bachar al-Assads leiden müssen und nun einer weiteren Bedrohung begegnen, der Bedrohung durch die islamistischen Faschisten des IS.

Hubertus beleuchtet in seiner fünfteiligen Dokumentation viele Aspekte, die in der alltäglichen Berichterstattung untergehen oder nur ungenügend beleuchtet werden, wie die Schikane der türkischen Behörden zur Blockade von Hilfslieferungen, die psychischen und physischen Auswirkungen von Krieg und dem hoffnungslosen Aufenthalt in Flüchtlingslager für Kinder und erwachsene Menschen und die menschenverachtende Situation in ebendiesen, ohne notwendiger medizinischer Versorgung oder humanitärer und psychologischer Hilfe.

 

„Syrien ist ein einziges menschliches Versagen, politisch und humanitär, auf allen Ebenen!“

 

 

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„A Rare View From Inside ISIS Controlled Kobani“

Ich kann hierzu eigentlich weiter keinen Kommentar abgeben, da mir die Mittel fehlen, um zu prüfen, wie authentisch diese Aufnahmen tatsächlich sind. Aber sie wurden wohl, wie hier vermittelt, in Kobani an der Seite von kurdischen Kämpfern gemacht, die sich immer noch gegen die Relegionsfaschisten des ISIS zu wehr setzen. Nur, dass wir das nicht vergessen mögen. Und weil letztens jemand zu mir meinte, „In acht Wochen haben wir das eh alle vergessen.“ Nein. Ich möchte das nicht vergessen. Auf gar keinen Fall.

Und ich finde es mehr als nur bemerkenswert, dass sich da überhaupt noch Menschen hintrauen, um zu berichten, was dort so vor sich geht.

On October 31, 2014, we crossed into Kobani, Syria. An estimated 8,000 ISIS fighters pushed into the city in late September, causing upwards of 200,000 civilians to flee to neighboring Turkey. We were some of the first journalists in as hundreds of Free Syrian Army and Iraqi Peshmerga soldiers joined the YPG (the national army of Syrian Kurdistan) in the battle against ISIS. When we entered, we were told by the FSA that ISIS controlled as much as 70% of the city, and the opposition wasn’t making much progress on any of the frontlines. We personally witnessed airstrikes carried out by the US and Allied forces against known ISIS strongholds. “Are the airstrikes effective?” I asked Colonel Abduljabbar Akaidi, who is leading the FSA on the ground.

“Not at all,” he told me. “The help came too late. They needed to cut off the ISIS convoys from Raqqah.” We spent five days in the embattled city, going to the frontlines and talking to fighters, all of whom said that they needed more help from the West in the form of heavy weaponry. A YPG soldier took us to an ISIS base that had been leveled by an airstrike and pointed out the corpses of ISIS fighters rotting among the rubble. „This man is Chinese,“ he said, motioning to a bloated body sprawled next to a pink rug. “ISIS doesn’t collect their dead,” he told us.

We went to a poorly equipped local field hospital that had been set up in an abandoned home. The doctor there, Mohamed Aref, told us about the grave injuries he sees on a daily basis. Injured civilians and fighters routinely die as he waits for permission for them to cross the border to get adequate medical treatment in Turkish hospitals. We met some of the thousands of civilians left in town and got their horrifying accounts of the day ISIS came to town. We heard about beheadings, kidnappings, and rapes–the unadulterated brutality that has become ISIS’ hallmark.

We got used to the din of war—the Dushka (heavy machine gun) fire, the shelling, and the hum of generators in a city with no other source of electricity. Our most harrowing moment came when we tried to leave Kobani to cross back into Turkey. We were waiting at the border for word that it was safe for us to move when we heard Dushka fire nearby. Then, a mortar hit the building directly across from us. “Shit!” I heard myself saying. Several more hit, and they were getting closer. A dead pigeon fell from the sky next to us, and I saw a faint trace of concern in Colonel Akaidi’s eyes. Some YPG fighters ran across the street to us and ushered us to shelter under a house as ISIS continued to hammer us with shells. Our fixer, Ibrahim Ali, gave me a weak smile. “At least the Assad regime isn’t here,” he said. “We’d be fucked if there were planes dropping barrel bombs!” We laughed. We had to.

Worst case, we figured, the barrage of shells could collapse the walls of the house and trap us for a while. The Colonel made phone calls and paced as we chain-smoked cigarettes and waited. Finally, the shelling stopped, and we ran across the border into a sea of Turkish military.

(Direktlink, via Devour)

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Videoaufnahmen aus dem vom IS besetzten Rakka in Syrien

Eine syrische Studentin hat in Rakka, einem Ort im Nordosten Syriens, diese Videoaufnahmen gemacht. Die Stadt wurde im Jahr 2013 vom IS eingenommen und wird seit dem vom selbigen kontrolliert. Nun hat sie das Video zwei französischen Fernsehsendern übermittelt, die seine Echtheit versichern. SpOn hat dazu diesen Artikel.

A Syrian woman from Raqqa chose to carry a hidden camera to record what life is like inside the northern Syria city after it was taken over by Islamic State almost 18 months ago.

Filmed in February and April this year, the footage shows men – and women – carrying weapons as they go about their business in busy streets. A veiled woman with an AK-47 slung over her shoulder can be seen holding a child’s hand as they enter a playground.

At one point a man in a car pulls up and beckons to the undercover videographer to come forward before berating her for not sufficiently hiding her face under her veil.
The video, which was aired on France 2 this week, also shows French women talking with relatives in France in an internet cafe. They insist they are happy in the city and have no intention of returning, despite their families‘ desperate pleas.
(Telegraph)


(Direktlink)

Hier das Video auf Französisch mit englischen Untertiteln.

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Wenn wir Syrien wären

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Krasser Realitätsableich: die Website „If we were Syrian“ zeigt auf drastische Weise, wie die G7-Staaten aussähen, wenn sie aktuell jene Situation im Land hätten, wie Syrien sie hat. Die taz schreibt:

Schätzungen zufolge hat der Bürgerkrieg in Syrien bereits 160.000 Todesopfer gefordert, über neun Millionen Menschen wurden vertrieben und leben auf der Flucht im In- oder Ausland. Die Internetseite „If we were Syrian“ rechnet diese Zahlen nun in lebensweltliche Einheiten um, damit sie zumindest ansatzweise greifbar werden. Initiiert wurde die Seite von Shannon Gormley und Drew Gough, zwei kanadischen Journalisten, die seit mehreren Jahren über die Syrienkrise berichten.
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Für jeden der G7-Staaten veranschaulicht auf der Homepage ein Schaubild, was es für das jeweilige Land bedeutete, wenn es Syrien wäre. In Großbritannien etwa entsprechen 160.000 Tote einer Stadt wie Reading samt Umland. In Frankreich sind es Cannes und Avignon zusammen. Und wären in den USA über neun Millionen Menschen vertrieben worden: Ganz New York City wäre eine Geisterstadt, dazu noch Buffalo, Albany und sechs weitere Städte.

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