Zum Inhalt springen

Ukraine

(Foto: Katatonia)

Ich war gestern auf ein Glas Wein bei einem Freund, wir saßen in der Küche und redeten. Auch über das, was gerade in der Ukraine passiert. Ich bin da wahrlich alles andere als ein Experte, halte Krieg allerdings generell für die beschissenste aller Möglichkeiten. Ich sagte ihm, dass ich nicht glaube, dass Putin die Ukraine überfallen würde. Ich halte ihn für durchgeknallt, aber für so durchgeknallt halte ich ihn nicht. Heute Morgen wurde ich eines Besseren belehrt; Russland hat die Ukraine angegriffen. Es gab Tote, Verletzte, ängstige Menschen, die sich in U-Bahnhöfen sammelten. Staus, die Autos von Menschen zeigen, die aus ihren Städten flüchten. Fotos von Menschen in Schützengräben und rollenden Panzern. Wie gesagt, ich habe nicht daran geglaubt.

Der Freund meinte, dass er die Umstände für besorgniserregend halte und sogar Angst hätte, dass dieser Krieg deutlich größer, wenn nicht sogar international werden könnte. Ich verneinte das, weil ich eben dachte, dass es diesen Krieg so tatsächlich nicht geben würde. Jetzt ist er da und ich bin fassungslos. Auch weil davon auszugehen ist, dass der so schnell nicht enden wird – und ich befürchte, dass das wie auch immer gelagerte Konsequenzen nach sich ziehen könnte, die uns alle betreffen könnten. Und ich meine wahrlich keine guten.

Ich habe zu wenig Ahnung von diesem wahrscheinlich komplexen Thema, weshalb ich auch keine abschließende Meinung darüber habe, wer da jetzt die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind, aber ich bin mit dem Bewusstsein aufgewachsen, das Krieg einfach immer falsch sein muss. Weil Menschen dabei sterben werden, Menschen zur Flucht zwingt, ganze Leben zerreißt. Russland hat der Ukraine heute einen flächendeckenden Angriffskrieg aufgezwungen. In meinen Augen ist da erst mal recht eindeutig, wer da auf der Seite der Arschlöcher steht.

20 Kommentare

  1. anton24. Februar 2022 at 14:26

    Krieg ist wie du schreibst die beschissenste aller Möglichkeiten.
    Dieser Krieg herrscht aber seit 8 Jahren schon und hat nicht heute erst begonnen.
    Aus russischer Sicht wird die russische Minderheit in der Ostukraine seit 8 Jahren
    systematisch ausgelöscht und das Ziel Putins ist die Demilitarisierung dieser Region.

    • Falo24. Februar 2022 at 15:24

      Na Moment, dann aber bitte korrekt: Putin behauptet, dass sein Ziel die Demilitarisierung dieser Region ist. Wobei auch das schon falsch ist: laut seiner eigenen Aussage ist die Demilitarisierung der Ukraine. Und was wirklich sein Ziel ist, weiß nur er…

    • Falo24. Februar 2022 at 15:53

      … und ob es die „russische Sicht“ ist, dass die russische Minderheit (oder russischsprachige?) in der Ostukraine systematisch „ausgelöscht“ wird (wofür es keinerlei Belege gibt), bezweifle ich. Ich denke nicht dass das eine Sicht ist, die die Mehrzahl der Einwohner Russlands teilt. In der Bevölkerung scheint der Rückhalt für diesen Krieg nicht sehr hoch zu sein (anders als bei der Annektierung der Krim).
      So „minder“ ist der russische Anteil der Bevölkerung in der Ostukraine übrigens nicht: rusischschprachig sind 50-75%, „ethnisch“ Russisch etwa 39 %…

  2. Blueyo24. Februar 2022 at 16:52

    Ich bin bei dir; Und wahrscheinlich brauchen wir noch ein paar Gläser Wein … zumindest macht es verlangen nach nicht-fühlen!

  3. Robert24. Februar 2022 at 17:34

    Krieg ist so richtig Scheiße. Hoffen wir mal alle niemals selbst einen solchen miterleben zu müssen. Hatte eigentlich gedacht, dass uns das in Europa nicht mehr passieren wird und das „moderne“ Kriege heutzutage nicht mehr unbedingt mit Waffen sondern mit Technik, Ökonomie und viel Geld ausgetragen werden. Habe mich wohl geirrt!
    Ohne Partei beziehen zu wollen kommen mir mindestens 4 Dinge in der Berichterstattung zum aktuellen Konflikt viel zu kurz:
    1. Im 2+4-Vertrag hatte man Russland in der Tat versprochen, das es eine Nato-Osterweiterung nicht geben wird. https://cdn.prod.www.spiegel.de/images/b5696dc1-3860-4e4c-b363-f3fb0452fb60_w718_r6.9153674832962135_fpx28.6_fpy49.89.jpg
    2. Russland wollte – unter Putin – im Jahr 200 der Nato beitreten und das hat man damals abgelehnt. Jetzt aber darf sich jedes Land (Ukraine) frei entscheiden.
    3. Macron war in Moskau, hat Putin 6 Stunden lang belabert. Unser Baerböckchen traf sich mit dem Außenminister. Sogar Scholz persönlich war bei Putin… und der hat sich sicherlich alles geduldig angehört, was die so zu sagen hatten. All das hat man uns dann hier in den Medien als großen diplomatischen Erfolg verkauft. Und erst jetzt sehen wir, wie dermaßen „fucking bad diese, unsere, EU-Nato-„Diplomaten“ wohl NICHT verhandelt haben. Das sind für mich die echten Vollversagerdeppen! Und wer weiß, vielleicht hätte Merkel den Karren noch rechtzeitig aus dem Dreck gezogen?
    4. Und dann habe ich den starken Eindruck, das man uns (dem Publikum) bei diesem Nordstream 2 Ding nicht die ganze Wahrheit erzählt. Was zum WTF haben denn die Amis da mitzureden oder gar mit zu entscheiden? Das stinkt irgendwie ganz besonders komisch.

    • Juhuu24. Februar 2022 at 21:12

      Was soll die Verniedlichung mit „unser Baerböckchen“? Natürlich kommt das von einem Typen – typisch

    • Lars24. Februar 2022 at 21:45

      Zu 1: Das Bild / Zitat ist ganz kunstvoll aus dem Zusammenhang gerissen:
      Im 2+4 Vertrag geht es einzig um Deutschland. Der ganze Vertrag geht die Baltischen Staaten und Ungarn ungefähr soviel an wie Taka-Tuka-Land. Aber warum dann Elbe und nicht die, in dem Zusammenhang deutlich sinnvollere Oder-Neiße Linie?
      Weil es in dem Punkt darum ging, dass auf dem Gebiet der ehemaligen DDR keine Nato Truppen stationiert wurden und daran hat sich meines wissens die Nato auch gehalten. In Rostock ist zwar ab und zu mal ein Britisches oder ein Ami-Flugzeug zu Besuch aber von einer Stationierung kann man da nun echt nicht sprechen.

      Zu 2: Das mit Russlands Nato Beitritt ist ja wohl einer der großartigsten und durchsichtigsten Trollversuche ever gewesen.

      Zu 3: Putin ist, da müssen wir nicht lange um den heißen Brei reden, ein Diktator kurz vor der Abschlussprüfung. Außerdem ist seine Vita sehr präsent mit Geheimdienstzeiten voll gestopft. Eines wird der also garantiert nicht machen: Jedem ganz offen alles zu erzählen, was Wladimir so mit seinen untergebenen Oligarchen-Bütteln vor hat. Da Europa in dem Punkt ziemlich geschlossen einen Gegenpol zu Putin aufbaut, waren die Besuche von Scholz und Baerbock nach Marcon nur ein weiterer Versuch, dass Putin evtl. nochmal aufwacht, bevor ihm ganz locker die Hälfte seiner Wirtschaft den Bach runtergeht. Denn soviel kann die EU quasi remote steuern, indem die einfach nur sagt: Ihr kommt mit eurem Zeug hier nicht mehr rein.
      Die Moskauer Börse hat das ja heute sehr SEHR eindrücklich realisiert, dass das Land jetzt wirtschaftlich im Eimer ist.

      Zu 4: Das ist eines der Dinge, die man als ganz wunderbare diplomatische gelbe Karte sehen kann, bei der die Amis übrigens unter dem Strich gar keine Rolle spielen. Erstmal das hier angucken:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Nord_Stream#/media/Datei:Major_russian_gas_pipelines_to_europe.png
      Wie du siehst ist ohne die Ostseeleitungen immer entweder Weissrussland oder die Ukraine mit im Boot und da „verdunstet“ so einiges an Gas. Daher wollte Russland ja die Ostseeleitung, damit man das umgeht.
      Deutschland weiß das und wenn die von hier aus einen Korken in die Leitung drücken, muss Russland seine vertraglichen Zusagen weiterhin mit herben Verlusten hier her liefern. Der Deal war also folgender: Du lässt die Ukraine in Frieden und dafür lassen wir die Ostseeleitung laufen. Du fässt die Ukraine an und du wirst weiterhin Unmengen an Gas gratis an die Parasiten an der Leitung verlieren.
      Dass die Amis da seitlich reingrätschen wollten, hat denen der deutsche ja mal ganz schnell ausgetrieben. Schließlich hat ja Biden quasi direkt nach einem Staatsbesuch sehr schnell auf die deutsche Linie umgeschwenkt.

      • Falo25. Februar 2022 at 08:01

        Danke!

      • Robert25. Februar 2022 at 11:46

        Zu 1: Sorry, aber das ist Quatsch. Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts, hat man die Nato !! 5 mal !! erweitert: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung Und dann vergleich mal bitte kurz, wo die Nato-Truppen früher standen und wo sie heute stehen.
        Zu 2: Kann man so sehen, muss man nicht. Immerhin pflegt Russland seine Kontakte mit der Nato https://de.wikipedia.org/wiki/Partnerschaft_f%C3%BCr_den_Frieden
        https://en.wikipedia.org/wiki/Russia%E2%80%93NATO_relations
        Und was ist Dir lieber oder findest Du besser: Jemanden Ausschließen oder Miteinbeziehen?
        Zu 3: Stimmt. Ja, Putin ist ein Diktator! Das mit den Geheimdiensten ist aber nichts besonderes: Der 43. US-Präsident George H. W. Bush war von 1976 bis 1977 Direktor der CIA. Und später wurde dann sein Sohn Präsident, als wenn man das Amt wie ein König vererben kann. Alles voll demokratisch – ein Schelm, wer böses denkt.
        zu 4: So so, die Amis spielen da also gar keine Rolle: https://twitter.com/townhallcom/status/1490791554088321024
        Und das war, bevor es eskaliert ist. Das stand für den also schon fest!
        Nochmal: Ich verurteile was Putin gerade tut, aber ich finde die Berichterstattung und die Diskussionsgrundlagen sehr einseitig.

  4. Martin24. Februar 2022 at 22:41

    Ein Lichtblick waren für mich heute Abend die Bilder der mutigen Menschen, die in St. Petersburg auf die Strasse gegangen sind. Respect!

  5. ich24. Februar 2022 at 22:47

    Öhm, nur mal so eine Frage: Seit einiger Zeit gibt es keine weiteren (öffentlichen) Kommentare zu diesem Thema. Gibst du die einzeln frei? Nach welchen Kriterien?

    Hab schon ein paar mal hier geposted….

    • Ronny25. Februar 2022 at 00:03

      Ich gebe hier eigentlich alle Kommentare frei. Dauert manchmal etwas länger, weil ich neben dem hier ja auch noch ein Leben habe. ;)

      • daMax25. Februar 2022 at 11:07

        Was fällt dir ein!? Ein Leben neben dem Blog?!? Purer Luxus! :-D

        BTT: danke für den Post. Ich weiß selber gerade gar nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Das überfordert mich alles.

  6. AG25. Februar 2022 at 09:02

    Wunderbar geschrieben Ronny. Dann hoffen wir mal, dass in den nächsten Wochen und Monaten nicht die falschen Entscheidungen getroffen werden und die ukrainische Bevölkerung – mit welchem Ausgang auch immer – einigermaßen glimpflich durch diese Kacksituation kommt.
    Falls es wer noch nicht gesehen hat: Ich lasse mal dieses bewegende Interview mit Klitschko hier:
    https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Dieser-Krieg-wird-weiter-nach-Europa-gehen-article23152215.html

  7. Gurkenmensch25. Februar 2022 at 10:30

    Xi Jinping solidarisiert sich öffentlich mit Putin. China stellt sich damit auf eine Linie mit den russischen Aggressoren.
    Hier geht es nicht um territoriale Interessen, was viele augenscheinlich glauben mögen. Es geht um eine Diskursverschiebung. Russland und China werden in den nächsten Jahren die Grenzen des Machbaren so lange austesten, bis der Westen sie stoppt oder es die Welt wie wir sie kennen nicht mehr gibt.
    Mir macht das alles sehr große Sorgen. Regeln und Verträge, die im Europa post 2. WK lange als unantastbare Grundlage des Zusammenlebens galten, werden nicht Mal hinterfragt – sie werden einfach gebrochen. Und der Westen sieht zu und plant „harte“ Sanktionen. Wie hart die ausfallen werden wird man sehen, wenn Geld Mal wieder mehr wert ist als Menschenleben.
    In Gedanken bin ich bei den Menschen in der Ukraine die mit diesem Konflikt rein gar nichts zu tun haben und einfach nur ein gutes Leben führen wollen. Hoffentlich überleben sie es unbeschadet.

  8. Magnus25. Februar 2022 at 19:38

    Ich dachte auch, heutzutage geht es mehr um Menschen als um Grenzen. Bin total geschockt, dass es noch so antiquiertes, territoriales Denken gibt und dass man ein anderes Land überfällt. Was passiert eigentlich, wenn in 2 Wochen die Ukraine zu Russland gehört. Die polnische Regierung könnte Putins Truppen gegen Subventionsersatz durchwinken, wie Belarus es getan hat. Dann stehen die Russen an der D-Grenze, 90 km vor Berlin. Hört sich schräg an? Bis vor ein paar Wochen hätte ich die Idee von einem Krieg in Europa auch noch eine schräge Idee gefunden.

  9. Micha27. Februar 2022 at 17:02

    Ich finde das Argument mit der NATO-Ost-Erweiterung ist Kokolores, das Putin nur als Vorwand für eine Invasion nutzt, ebenso wie die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine. Weiterhin ist die NATO ja nicht mit Beitrittgesuchen hausieren gegangen, sondern vielmehr haben osteuropäische Staaten wegen der aggressiven Außenpolitik und vermehrt kriegerischen Handlungen Russlands die Staaten um Schutz im NATO-Bündnis ersucht (man stelle sich mal vor, wie sich das kleine Lettland mit ein paar tausend Soldaten gegen eine militärische Großmacht wie Russland zur Wehr setzen soll?!) Gegenwärtig stehen russische Truppen in der Republik Moldau, in Georgien und in der Ukraine. Ich finde es bemerkenswert, dass so viele Putinversteher sich letztlich doch geirrt haben, weil sich doch im Grunde keine rationale Erklärung für das Handeln Putins findet.

    • Falo28. Februar 2022 at 12:14

      Ich finde vor allem auch, dass sich jegliche Argumente Putins und jedwedes Verständnis in Luft auflösen (müssen) aufgrund des Regierungssystems. Ganz banal. Verschweigen westlich-demokratische Ländern ihren Bürger:innen Dinge? Selbstverständlich. Gibt es Selbstbereicherung und Korruption? Sicherlich. Lassen sich offizielle Meldungen 100%ig verifizieren? Schwierig. Aber durch Gewaltenteilung, (mehr oder minder) freier Presse, das Recht auf freie Meinungsäußerung, keine Angst haben zu müssen wenn ich die Regierung offen und öffentlich kritisiere, ergibt sich doch ein immenser Vertrauensvorsprung gegenüber dem russischen System. Dort gibt es keine Gewaltenteilung, die Presse wird (fast) vollständig kontrolliert und ich werde abgeführt wenn ich eine Tüte mit der Aufschrift „no war“ spazieren trage. Allein dadurch muss ich doch der westlichen Deutung mehr glauben schenken als der russischen. 100% wissen kann ich nix auf dieser Welt, aber eine Erzählung gewinnt schon deutlich mehrere Glaubwürdigkeit wenn dutzende, teilweise in anderen Dingen konkurrierende, Stimmen diese erzählen als nur eine einzige…

  10. Hans28. Februar 2022 at 13:01

    Ich zitiere:

    „… weshalb ich auch keine abschließende Meinung darüber habe, wer da jetzt die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind …“

    Uhm… ich hoffe, Dein Kompass hat sich seit dem Schreiben dieser Zeilen ein bisschen justiert und Du erkennst es jetzt auch, was los ist.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.