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Web-Doku: Goa Hippy Tribe – und ein Mix zum Fliegen

Als ich heute diesen Kasetten DJ verbloggte, schickte mir Adrian diesen Link zu einem Artikel, was er mit der Frage verband, ob ich denn wüsste, dass die ersten DJs in Goa auch mit Tapes auflegten. Ja, das wusste ich, für den Artikel war ich dennoch sehr dankbar.

Ich habe einige Zeit meines Lebens mit diesem Sound und in der Szene verbracht, der bzw. die sich „Goa“ nannte. Es war eine sehr schöne, eine sehr intensive Zeit und weil ich schon immer auch vernarrt darin war, alle erdenklichen Hintergründe über das zu erfahren, auf was ich so feiern ging, wühlte ich mich auch immer durch alle mir zur Verfügung stehenden Informationen. Das hat gerade bei diesem Thema bis heute nicht nachgelassen, was wohl der allgegenwärtigen Präsenz von Utopien und Idealen geschuldet ist. Ich mag das. Auch heute noch. Leider scheinen sich die über die Jahre zumindest hierzulande verflüchtigt zu haben, was die Szene für mich nicht mehr ganz so liebevoll macht. Außerdem hat mich die Musik irgendwann nicht mehr mitgenommen, aber das ist ein ganz anderes Thema.

In dem Artikel beschreibt Dave Mothersole wie er Ende der 80er nach Goa kam und wie sich dadurch sein Leben veränderte. Er erinnert sich zurück, denkt dabei an Partys, an die revolutionäre Stimmung, an Drogen und all das. Toller Artikel, der außerdem noch noch einen Podcast und einige Videos aus Goa Anfang der 90er hat.

It was like stepping into another world. UV pictures of blacksploitation babes and leather clad joy boys hung from the walls as the speakers pumped out these dark, synthetic beats. Wild eyed loons in flip flops and rags leapt about next to girls who looked like they had just walked in off some Milanese cat walk. An American kid in his late teens dressed in a Mickey Mouse tracksuit and sporting the best Billy Idol haircut I’d ever seen, walked up and offered us some liquid acid. “Full trip or half trip” he leered, pulling out a whacking great needle-less syringe and gesturing at us to hold out our hands for a dose. “Could change your life” he said with a sly chemical grin and an air of overbearing superiority. I went for half, holding out my nervously clenched fist in a mixture of curiosity and fear.

[…]
Far from showing them what it was all about, we looked on in a mixture of horror, fascination and wide eyed disbelief. Passive observes who’d stumbled across this weird bacchanalian scene. In a church, at the end of a dirt track. A few thousand miles from where we from, but a million miles from anything we knew. As defining year zero moments go, this was a major one for me. I’d expected to find a few burnt out pot heads singing Bob Marley songs around a campfire. Not this. That American kid was right – life was never quite the same again.

In diesem Artikel fand ich einen Link zu Goa Hippy Tribe. Einer webbasierten Doku, die eigentlich den Möglichkeiten geschuldet ist, die ausgerechnet Facebook heute bietet.

Der australische Filmemacher Darius Devas nämlich brachte seinen Vater, der in den 1960ern zu den Pionieren in Goa gehörte, über Facebook mit seinen alten Mitstreitern zusammen. Die haben sich im Laufe der Jahre größtenteils aus den Augen verloren, nun tauschten sie über FB Erinnerungen aus, erzählten alte Geschichte und sie teilten ihre alten privaten Fotos in der Gruppe. Diese eigens dafür gegründete Facebook-Seite wurde zum Kommunikationszentrum der Alt-Hippies. 2010 gab es dann für viele ein Wiedersehen in Goa, Darius Devas machte daraufhin diesen Film. Die Aufnahmen sind gemeinsam mit der Facebook-Seite die Basis für die Webdoku. Diese kann man auf dieser wirklich toll gemachten Flash-Seite ansehen, die natürlich komplett die Facebook-Seite implemitiert, was man nicht mögen muss. Das technisch so umzusetzen allerdings zeigt, was man heute alles so machen kann, wenn man die Idee hat und diese dann verdammt gelungen umsetzt.

Natürlich gibt es die einzelnen Teil der Doku auch in einem eigenen YouTube-Channel. Ich aber habe sie auf der Seite gesehen, habe nebenbei auf diverse Zusatzinformationen geklickt und mir die Facebook-Kommentare angesehen. Lustig auch: fast alle der Hippies finden Facebook evil, trotzdem sind sie irgendwie dankbar dafür, was ihnen dadurch möglich wurde. Ein tolles Projekt, exzellent umgesetzt. Davon würde ich gerne mehr sehen. Mittlerweile bemüht man sich in der Gruppe, auch die aktuellen Veränderungen zu dokumentieren. Denn dieses mystische Bedürfnis nach Goa zu fahren, steckt immer noch in vielen jungen Menschen. Nicht wenige geben sich diesem hin.

Und weil ich da jetzt gerade irgendwie so drin stecke, hier noch ein Mix, der einzig aus Tracks besteht, die so Mitte der 90er für das standen, was man damals eben Goa nannte. Wenn ihr Kopfhörer aufsetzt, könnt ihr die Töne wandern hören und das Licht tanzen sehen. Hach, was war das schön.


(Direktlink)

Tracklist:
1 Trip Tonite / Etnica
2 Spiritual Transgression / Encens
3 Enlightened Evolution (Remix) / Astral Projection
4 Freakshow / Cydonia
5 Back To Earth / Satori
6 Slick Witch / Slinky Wizard
7 2-07 / Mudra Banda
8 1-02 / Camaro Kanitou
9 Trommelmaschine (Voodo Remix) / Der Dritte Raum
10 Astral Voyage / Electric Universe
11 The Rezwalker (London Live Mix) / Transwave
12 Mahadeva / Astral Projection

36 Kommentare

  1. roflcopta10. Januar 2013 at 23:52

    Also für mich, der Goa erst seit ca. 5 Jahren hört, kommt mir dieser 90er Goa irgendwie dunkler/mysteriöser/aggressiver vor. Aber ist ja nur meine Meinung/Gefühl. Und auf keinen Fall schlecht!

  2. Paddy11. Januar 2013 at 00:11

    Nur wo damit anfangen? In mir?In dir? An mir?An dir?

  3. sonne11. Januar 2013 at 00:57

    eigentlich wollte ich pennen gehen, da kommt er hier damit…. verschieb ich das mit dem ins bett gehen dann wohl doch nochmal. danke ronny! :)

  4. nappel211. Januar 2013 at 08:44

    jetzt muss ich ans Disco-Valley denken, seufz….

  5. nappel211. Januar 2013 at 09:15

    Ist das Goa Gil auf dem ersten Bild vorne links?

  6. Jackie11. Januar 2013 at 09:59

    @Elektrosandy

    Ja, der Marcos hat mich damals maßgeblich geprägt mit seinem Sound und die Soundgarden/BlueMoon-Mixe aus jenen Tagen bleiben für mich zeitlos. Der Freitagabend jedenfalls war Pflicht. Unvergessen seine Abschiedshow.

    Schade, dass die Szene sich in jüngerer Vergangenheit derart zurück entwickelt hat (Stichwort Offbeat).

    PS @ Ronny: Danke danke danke für diesen Post und deine Worte. Selten genug erlebt man in dieser rasanten Zeit, dass man ob eines Artikels/Beitrag derart verweilt und eintaucht. Gänsehautloop inklusive. Der passende Classics-Mix ist ein – um beim Marcos zu bleiben – „absoluter Hirndurchficker“… ;)

  7. adrian11. Januar 2013 at 11:44

    @nappel2:
    viel wichtiger ist der kurzhaarige herr am mixer neben gil:dj laurent!

  8. andre11. Januar 2013 at 13:13

    ich erinnere mich auch gern an die schönen bunten tage von damals zurück, wo die welt noch ein bißchen schöner war. ein sound der mich damals sehr geprägt hat und auch noch bis heute begleitet und ich heute teilweise die sounds und töne von damals einfach vermisse. auch die entwicklung, die es in der szene gab ist teilweise höchst bedenklich. da trifft man auf leute, die man lieber nicht im dunkeln treffen möchte oder wo man denkt, ok mit deiner politsch gesellschaftlichen gesinnung bist du hier warscheinlich nicht so ganz richtig. aber gut die szene ist ja schon immer offen gewesen und von daher sollte man da auch nicht zu sehr an dem alten festhalten. aber hin und wieder eine rückbesinnung und dabei in den farben und klängen zu schwelgen ist doch schön. danke für dieses stück rückbesinnung und einen gruß vom meinem roland 303 der sich über diese töne sehr gefreut hat ;-)

  9. ixa11. Januar 2013 at 14:27

    das waren die zeiten der 12 stunden sets – auf dem dancefloor. wären nicht ab und an mal ein paar freunde mit ner wasserflasche vorbei gekommen, man wäre wohl vollends dehydriert. unvergessen auch die Partys 1993 im Mr. Pomermeroy, im Voila und 1994, 1995 im Hamburger „Gaswerk“ – von denen ich leider keinerlei erinnerungsstücke im Netz finde …

  10. Ronny11. Januar 2013 at 14:33

    @ixa
    Bzgl der Gaswerk Partys habe selbst ich Erinnerungslücken. Aber toll war es. Immer. Soviel weiß ich noch. ;)

  11. adrian11. Januar 2013 at 14:39
  12. adrian11. Januar 2013 at 14:50

    voov 91: johann bley+ollie wisdom on the floor…unter anderem :)

  13. ixa11. Januar 2013 at 15:24

    @adrian: cool, die 91er Sprötze Videos kannte ich noch nicht – und 92 war meine erste „GOA“. Da kam ich aber nicht zum tanzen, vor lauter glotzen und staunen. voll gesmashed.

    den flyer vom mr. pomeroy (1993) hab ich selbst noch zu hause. – die knaller party für mich war damals im Voila – Antaro hatte geladen und so Tribal-Trommler engagiert, die (nach meiner Erinnerung) durchgehend den sound begleitet haben. – sowas von auweia.

    @ronny: Erinnerungslücken ;-) Übrig geblieben sind – bei mir – eher Fetzen der Erinnerung. Sätze wie: „als wir kamen sahst du aus wie 18, jetzt würde ich dich so auf ca. 50 schätzen“ – oder Momente / Blicke auf der Tanzfläche – Soundschnipsel von „Killer-Tracks“ die ich heute noch im Ohr habe … So viel Kraft/Energie beim Tanzen verspürt, dass man die gar nicht rausschüttel konnte … AHHHHHHH.

    leider hab ich von den gaswerk partys noch nicht mal mehr nen flyer.

  14. adrian11. Januar 2013 at 15:40

    und 96 im gaswerk dann live mit etnica …

  15. ixa11. Januar 2013 at 16:07

    wo wir grad dabei sind: noch irgendwelche Erinnerungsstücke von der ersten Sylvester-Party im Theater-Rohling in Norderstedt ?

  16. adrian11. Januar 2013 at 16:13

    die free form party? ich weiß noch das cosmix mit der platte den ausnahmezustand ausgelöst hat:

  17. ixa11. Januar 2013 at 16:28

    Ja, genau. Mit Sangeet & Tapesh usw. M.E. haben auch Feuerhake bzw. Klangstrahler (Gero & Stefan) aufgelegt.

  18. noname11. Januar 2013 at 18:41

    alter die musik geht mal überhaupt nicht,da muss ich immer an tiefergelegte golf 4 fahrer mit heckscheiben aufkleber „thunderdome“ denken ;). die doku guck ich mir aber trotzdem aus neugier mal an.

  19. Jackie11. Januar 2013 at 20:36

    @noname
    Da verwechselst du aber Äpfel mit Birnen! Oder so… ;)

    @all

    Ich kann mich gerade nicht satt sehen und hören (Brainbug!) an all dem Input hier! Weiter! Bitte! Danke!

  20. Sebastian12. Januar 2013 at 09:18

    so, werd mal in den Keller gehen und den Karton aus der Zeit herausholen, danke!

  21. Anonymous12. Januar 2013 at 17:47

    30!
    Dreißig Kommentare zum Thema psychodelische Nostalgie!
    Vielen Dank dafür, jetzt verfluche ich mein junges Alter.

  22. sVn13. Januar 2013 at 17:39

    Man könnte sich auch 2013 nochmalig zum „gemeinsamen Müllsammeln“ auf der Insel Poel treffen ;-) …dann aber gerne mit dem Sound der (Mitte-)Neunziger.

  23. ixa13. Januar 2013 at 19:46

    @sVn: bin ich dabei :-) – Von Poel halten noch diverse (private) Fotos meine Erinnerungen frisch.

  24. sVn13. Januar 2013 at 20:25

    @ixa, ja, da hätte ich auch noch einige. Allerdings analoge. :)

  25. Inspiration | kopfueber14. Januar 2013 at 10:34

    […] sitzt und lernt man, die Zeit wo man über die tollsten Dinge stolpert… Zum Beispiel über die Geschichte von Goa und tolle […]

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