Wenn sich die GEMA und YouTube kloppen und die GEMA gegen die Sperrtafeln von YouTube gerichtlich vorgehen will

Das sind ja die Momente, in denen einem immer zu wenig Popcorn in der Küche scheint.

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Folgendes: In Kiew brennen gerade die Straßen, es werden via Youtube Livestreams gestartet, die dann im schlechtesten Fall hierzulande nicht zu sehen sind. Natürlich nicht. Youtube kassiert die Dinger. Nicht weil sie diese zensieren wollen würden oder die GEMA tatsächlich Rechte daran anmeldem würde oder so. Nein, nur weil es aber durchaus sein könnte, dass die GEMA aus irgendwelchen Gründen daran mal tatsächlich irgendwelche Rechte einräumen könnte. So, wie das bei 3649 Videos der Fall ist, die ihr jeden Tag nicht auf Youtube sehen könnt. Youtube begründet das dann gerne immer mal mit „Wir würden euch die Videos ja gerne zeigen, aber die GEMA lässt uns nicht.“, was natürlich Bullshit ist, wie mittlerweile hoffentlich viele wissen.

Aber die GEMA drängt, anders als von Youtube suggeriert, in wohl fast all dieser 3649 Beispielen Youtube nicht dazu. Das tut sie in lediglich 12 konkreten Fällen, die aufgrund eines Musterverfahrens durch die GEMA auf Youtube gesperrt worden sind. Sagt die GEMA. Und ich glaube das sogar. Also, dass es mehr tatsächlich nicht sind.

Nur wenn ich Youtube wäre und schon ein Musterverfahren von der GEMA am Arsch hätte, würde ich hier und dort auch prophylaktisch eingreifen und sperren lassen. Das nächste Verfahren kommt bestimmt. Ganz bestimmt. Da ist es gut, dem Kläger nicht all zu viel Futter zu bieten.

Also sperrt Youtube uns munter den Content weg und verweist auf die GEMA. Die GEMA findet das irgendwie gar nicht fair. Weil so böse wollen die eigentlich gar nicht sein. Können sie allerdings auch nicht, wenn Youtube den etwaig relevanten Content schon im Vorfeld mit Verweis auf die GEMA wegfischt. Die GEMA wirft Youtube in diesem taz-Interview nun vor, das aus rein propagandistischen Gründen genau so zu handhaben.

Die von Youtube eingeblendeten Sperrtafeln suggerieren fälschlicherweise, die GEMA wäre für die Sperrung der Videos verantwortlich. Das stimmt nicht.

Auch das glaube ich sogar. Teilweise. Aber eben auch immer mit dem Hinblick darauf, dass die GEMA durchaus Inhalte im Rahmen von kommenden Verfahren sperren würde, würde das Youtube nicht mit dem Verweis auf die GEMA ohnehin schon tun.

Die GEMA meint nun, Youtube betreibe da reine Stimmungsmache und die GEMA will sowieso immer nur das Beste für die Rechteinhaber. Auf auf voll fairer Ebene für alle, versteht sich.

Das mit den Sperrtafeln hat Youtube clever gemacht. Ich weiß nicht, welcher Algorithmus dem zugrunde liegt, ob die Sperrungen zufällig erfolgen oder bei Themen, die besonders viel Stimmung machen. Aber es führt ja zum Erfolg. Es ist gelungen, der Gema den Schwarzen Peter zuzuschieben. Leute wettern gegen die Gema, die niemals eine Rechnung von uns bekommen würden. Wir haben mit der privaten Nutzung von Musik nichts zu tun. Durch die Sperrtafeln hat Youtube es geschafft, die Gema doch im Privatleben der Menschen auftauchen zu lassen. Wir sind die, die ihnen den Genuss verwehren. Die Gema ist die Böse. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem wir „Nein“ sagen. Deswegen gehen wir jetzt auch gerichtlich gegen die Sperrtafeln vor.

[…]

Mit den Sperrtafeln wird die Öffentlichkeit seitdem bewusst in die Irre geführt und die Gema zum Sündenbock der Nation.

[…]

Youtube beeinflusst damit die öffentliche Meinung. So können sie mit dem Finger auf uns zeigen und sagen: „Wir würden euch die Videos ja gerne zeigen, aber die Gema lässt uns nicht.“ Das ist eine geschickte Marketing-Aktion. Dass sie gelingt, sieht man ja an den Hass-Nachrichten, die wir bekommen…

Mir kommen fast die Tränen, liebe GEMA. Aber wart Ihr es nicht, die selbst Weihnachtslieder in Kindertagesstätten und auf Weihnachtsmärkten zu Geld machen wolltet? Wart Ihr es nicht, die selbst für Veranstaltungen kassieren wolltet, auf denen einzig Creative Commons lizenzierte Musik lief? Wart Ihr es nicht, die die mittlerweile völlig verstaubte GEMA-Vermutung auf keinen Fall aufgeben wolltet, weil sie nach eurem Gutdünken immer noch die selbe Gültigkeit wie vor 30 Jahren hat? Und wart Ihr es nicht, die jetzt auch noch für das Einbetten von Videos kassieren wolltet, die Leute auf ihre Seiten per Youtube einbinden? Nicht? Dann bin ich bei euch. Aber dem ist leider so nicht. Ich reiche euch mein Taschentuch zum Tränen trocknen.

YouTube ist nicht weniger ein kapitalistischer den Boden zerfressender Schaufelbagger als die GEMA – machen wir uns nichts vor. Nur wenn ich mich für einen Sitz auf diesen Baggern entscheiden müsste, würde ich wohl auf dem von Team Youtube sitzen. Und dafür trägt eben nun nicht mal Google die Verantwortung. Etwa weil sie soviel dafür getan hätten, dass dem so ist, sondern eher die GEMA, weil sie immer noch soviel so wenig dafür tut, dass überhaupt auch nur irgendwer außer Dieter Bohlen und Christian Anders sich in ihrem Team wähnen würde.

Wie auch immer. Ich mach mal Popcorn warm.

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Kommentare: 11

  1. Thomas 19. Februar 2014 at 23:21  zitieren  antworten

    „Leute wettern gegen die Gema, die niemals eine Rechnung von uns bekommen würden“

    Ne, ne Rechnung bekomm ich natürlich nicht. Die GEMA-Gebühr ist ja bereits in den Preis von Leer-DVDs, Festplatten, Smartphones, SD-Karten, MP3-Playern, USB-Sticks usw eingepreist, so dass man im Normalfall gar nicht merkt wieviel Geld man der GEMA so tagtäglich in den Rachen wirft. Haben die Aasgeier schon geschickt eingerichtet.

  2. Ronny 19. Februar 2014 at 23:26  zitieren  antworten

    Thomas,

    Sehr guter Punkt! Ganz vergessen, aber kann ja auch nicht an jeden Worst Case der GEMA denken. ;)

  3. piet 19. Februar 2014 at 23:57  zitieren  antworten

    Die GEMA versucht bei mir für gemafreie Kabarettisten, die selbstgeschriebene Stücke vortragen, wider besseren Wissens, weil vom Künstler im dutzend angemahnt, abzukassieren. Sie versuchen das auch für Kabarett gänzlich ohne Musik und kabarettistische Benefizveranstaltungen für Straßenkinder in Lateinamerika und Benefiz Konzerte für´s Kinderhospiz. Die haben allen „Hass“ verdient.

  4. Simom 20. Februar 2014 at 00:11  zitieren  antworten

    Thomas,

    … oha.
    Das wusste ich nichtmal.

  5. […] sollte man den Dukatenscheißer Google nicht allzusehr in Schutz nehmen, aber wie Ronny denke ich, dass die GEMA der digitalen Kulturweit mehr Schaden zugefügt hat, als Youtube/Google. […]

  6. Alex M. 20. Februar 2014 at 09:06  zitieren  antworten

    Gut gesprochen, Ronny. Mögen sich diese Säcke an den Euros, die sie sich unverdient einverleiben, verschlucken.

  7. […] >text wenn sich die gema und youtube kloppen und die gema gegen die sperrtafeln von youtube gerichtlich vo… (das kfmw) und gema verklagt youtube wegen-sperrtafeln (nerdcore) […]

  8. Max 20. Februar 2014 at 15:10  zitieren  antworten

    Ich möchte 2 Punkte ergänzen:
    1. Es gibt seit letztem Jahr eine Alternative zur GEMA : https://www.c3s.cc/
    2. Warum prügelt eigentlich niemand auf die Künstler selbst ein? Niemand wird zu Majorlabel-Deals gezwungen. Auch nicht zur GEMA Mitgliedschaft. Eigenes Vertriebsnetz mit kleinem Label tut’s auch.

  9. […] Die öffentliche Erregung über die GEMA-Service-Politik scheint bislang keine Früchte zu tragen […]

  10. DaMan 20. Februar 2014 at 17:33  zitieren  antworten

    Solche Sperrtafel waren vor den Videos eine japansichen Post-Punk Band – da frag ich mich was die Gema mit denen am Hut hat bzw. haben soll

  11. Sebastian 20. Februar 2014 at 23:33  zitieren  antworten

    DaMan,

    Da gibt’s gegenseitige Abkommen… Die GEMA treibt in Deutschland auch das Geld für die Verwertungsgesellschaften anderer Länder ein. Ich vermute mal, auch für Japan.

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