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Am Arsch

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(Foto unter CC BY 2.0 von Lisa Campeau)

Eine Bekannte kommt nach einem Jahr, dass sie in Indien in einem Yoga Tempel verbracht hat, wieder. Vorher alles geklärt mit dem Arbeitgeber und so. Der hiesige Kapitalismus gibt so was ja her, wenn man es vorher auf drei oder noch mehr Ebenen organisiert hat. Well. Kapitalismus macht derartigen „Gaukel“ ja möglich. „Spiritualität und so“, das leisten wir uns hier schon mal.

Jetzt, wo sie wieder da ist, erfährt sie, dass das Haus, in dem sie mit ihrem Sohn lange schon wohnt, mittlerweile an einen Schweizer Investor verkauft wurde. Totalsanierung steht an. Totalsanierung ohne Mieter – versteht sich. Man bot ihr 13.000 Euro an, um das hinzunehmen und um weiterzuziehen. Und um die Fresse zu halten. Vor allem um die Fresse zu halten. 13.000 Euro für zwei Leben.

Die kann sie nehmen. Oder sie kann kämpfen. Kämpfen und alle dabei für sie eventuell entstehenden Konsequenzen in Kauf nehmen. Heute kein Wasser, Morgen kein Gas, Übermorgen keine Fenster und nächste Woche keine Dielen mehr. Man kennt das. Sie ist lange schon keine 20 mehr. Eigentlich sollten andere, viel Jüngere, diese Kämpfe stellvertretend für sie kämpfen. Viel zu wenige tun das. Isso!

Die Sache mit dem Job läuft jetzt auch anders als eigentlich wie von ihr als „geklärt“ gedacht. Sie hat noch irgendeinen Job in dem von ihr vor einem Jahr verlassenen Laden, wurde aber zum „Springer“ degradiert. 15 Stunden die Woche hier, 15 Stunden die Woche da. Ihr eigentlicher Job wurde mittlerweile an jemand anderes vergeben. Na klar. Irgendwer muss den ja machen. Sie kotzt trotzdem. Das Geld bekommt sie immer noch. Für die selbe Arbeitszeit. Nicht mehr für die selbe Arbeit. Die hat sie nicht mehr. Ihre jetzige könnte womöglich jeder machen.

Tragisch auch irgendwie.

Da verspricht dir das Leben, dass du auch Dinge machen könntest, die fernab der eigentlichen Norm funktionieren würden. Tut es ja auch. Kapitalismus macht derartigen „Gaukel“ ja möglich, denken sich einige. Wird ihnen ja auch suggeriert. Man kann das naiv finden. Von mir aus auch doof, ja. Ist es vielleicht auch ein bisschen. Naiv. Doof ist es nicht.

Nun ist sie wieder da und steht vor dem persönlichen Nichts. Jahrelang hat sie für Spiritualität gelebt, hat Spiritualität gelebt. Kurse gegeben, Menschen irgendwie – wenn manchmal vielleicht auch nur kurzfristig – glücklich gemacht. Ihre innere Mitte gesucht. Weil ihr Umfeld ihr die Möglichkeit dazu gab, sich das „leisten zu können“. Den „Gaukel“ und so. Mitten im Kapitalismus und so.

Ob sie ihre innere Mitte finden konnte und glücklich mit dem sein kann, was sie dort erwartet hat? Ich weiß es nicht. Sie weiß es nicht. Sie ist fertig mit allem und schon lange keine 20 mehr. Sie sucht jetzt eine stationäre Therapie, die ihr das alles irgendwie erklären kann. Verzweifelt. Ich kann das nicht.

Das alles hier wird eben auch ohne sie weiter „seinen Gang“ gehen. Sie wird, was sie auch vorher schon war, irgendwie Teil des zu gehenden Ganges sein und hoffte vielleicht eigentlich so sehr eher, am Ende dieses Ganges stehen zu können. Kann sie jetzt nicht mehr. Sie ist fertig damit. Fix und fertig.

Vielleicht funktioniert hier das eine im anderen dann ja aber auch doch nicht. Das richtige Leben im Falschen und so. Man kann das naiv finden. Von mir aus auch doof, ja. Ist es vielleicht auch ein bisschen. Naiv. Doof ist es nicht. Am Arsch ist sie trotzdem.

26 Kommentare

  1. civ3110. Oktober 2014 at 23:39

    Scheisse.Scheisse.Scheiss.
    Ich hoffe der Sohn ist nicht davon betroffen! Gehe davon aus, dass er vollährig ist, sonst würde Mutter ja nicht allein nach Indien. Richtig?
    Wie kann man ihr helfen ohne eine Wohnung zu kaufen?

  2. frequenz5211. Oktober 2014 at 01:49

    In all diesem scheinbaren „Leid“ kann auch eine Prüfung ihrer gewonnenen Spiritualität verborgen sein. Laut vedischer Philosophie gibt es für die Seele kein Leid da Leid nur durch Anhaftung an vergängliche materielle Dinge entsteht.
    Ergo geht es ihr doch noch vergleichsweise gut!
    Job ist vorhanden… ja die Wohnung,… hätte der Verkauf durch ihre Anwesenheit verhindert werden können?…Hmmm
    Einfach tun was man tun muss… immer weiter….

  3. dieter11. Oktober 2014 at 06:47

    ronny, gib ihr doch was von deinem internet-geld

  4. Raunech11. Oktober 2014 at 07:04

    …ist wohl auch ein Fall für das Grundeinkommen.

  5. DerBonsai11. Oktober 2014 at 08:40

    Klingt für mich ja irgendwie so als sollte sie statt der jetzt übrig gebliebenen Jobs was anderes machen.
    Yoga-Lehrerin scheint irgendwie passend.

  6. Hans11. Oktober 2014 at 09:33

    Tja Shit Happens… Hat sie eine schriftliche Vereinbarung über das Fortbestehen ihres bisherigen Arbeitsbereichs verfasst oder hatte Sie lediglich die Zusage weiter im Unternehmen arbeiten zu können? Was hat Sie erwartet? Ja das ist Naiv. Weg gehen, zurück kommen und sich wundern das sich die Besitzverhältnisse der Immobilie in der Sie (zur Mietw?) wohnt geändert haben und der neue Besitzer Pläne mit der von ihm erworbenen Immobilie hat… Auch Naiv. Wäre Sie im Yoga Tempel (WTF!) geblieben hätte sie noch Ihre Spiritualität… Einzelschicksal, Shit Happens, viel zu naiv ran gegangen. Case closed

  7. piet11. Oktober 2014 at 09:59

    @Hans – Du bist so ein Vorzeigeempath. Case/Ironie closed.

  8. David11. Oktober 2014 at 10:54

    Da hilft nur Solidarität. Mit den anderen Mietern zusammentun, ebenso mit den Kollegen. Dann klappt das auch mit dem glücklich sein, egal was kommt. Alleine gegen den Kapitalismus, da biste verloren.

  9. Harry11. Oktober 2014 at 16:10

    Hans,

    Was du also sagst ist:
    Selbst schuld wenn du dem Gefasel von der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung im Kapitalismus glaubst. Ist doch naiv zu denken, dass wäre bloße Propaganda die verschleiern soll, dass es eigentlich um knallharte Ausbeutung geht und auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit geschissen ist, wenn es dem Profitinteresse wiederspricht.

    Da würde ich dir sogar prinzipiell zustimmen. Was ich nicht verstehe ist, wie du es schaffst diese Diagnose gegen die Person zu wenden, die davon negativ betroffen ist.
    Du folgerst, man solle halt weniger naiv sein und sich den Gegenbenheiten besser anpassen, notfalls noch auf den letzten Rest individueller Freiheit und individuellem Glück verzichten und sowieso und überhaupt die Schnauze halten, oder wie?

    Wie wäre es statt dessen damit Menschen zu ermutigen sich selbst zu verwirklichen, der Forderung (und Praxis) Strukturen zu schaffen, die einen vor der unmenschlichkeit dieses kapitalistischen Scheißsystems zumindest zum Teil schützen können. Das mindeste wäre es, sich solidarisch mit der betroffenen Person zu erklären und ihr zumindest moralischen Rückhalt zu geben.

    Aber nein: Du trittst sogar noch nach und lässt deinem chauvinismus dabei freien lauf. Vielen Dank dafür!

  10. Hurzi11. Oktober 2014 at 16:34

    Scheint sie ja alles sehr apokalyptisch zu empfunden zu haben. Die Methode für das eigene Leiden externe Einflussfaktoren verantwortlich zu machen, ist ja weitverbreitet. Der böse böse Kapitalismus. Aber ist es nicht auch eine Frage, wie das Individuum damit umzugehen vermag? Wenigstens gibt es in unserer kapitalistischen Scheissgesellschaft ja schonmal solch stationäre Therapien. Und wenn sie hier weiterleben möchte, dann wird das jetzt für sie der richtige Ort sein, um ihre eigenen Einflussmöglichkeiten und Perspektiven zu erkennen und zu steuern. Sie scheint sich selbst als totales Opfer wahrzunehmen. Klar, dass das auch bei ihren Freunden zu Betroffenheit führt. Wenn diese Betroffenheit sich aber darin äußert, dass ihre Freunde sie in ihrer Opferrolle und Apathie und den Hass auf alles Externe nur noch bestärken, wirds ganz blöd, gerade für sie! Mal drüber nachdenken, so an alle, die mit depressiven Freunden zu tun haben. Circulus vitiosus!

  11. Sven11. Oktober 2014 at 16:50

    Tach!
    Ich muss Hans wirklich recht geben. Die Gute war echt zu naiv²! Ich kenne solche Menschen und mag sie auch sehr. Doch leben sie zu sehr in ihrer eigenen Welt (Selbstverwirklichung und so), lassen dabei aber außer Acht, dass wir doch letztendlich von dem gesellschaftlichen Dasein geknechtet sind und das Leben nun mal so funzt. Das nach nem Jahr der Job nichmehr der gleiche is und die Eigentümerverhältnisse der Mietwohnung sich geändert haben is der Lauf der Zeit. Du kannst nich 1 Jahr weggehen, dann wiederkommen und erwarten, die Zeit wäre stehe geblieben. Alles rosarot! Nee, klappt nich. That’s life!
    Außerdem kann sie doch mit 13.000 bestimmt was neues finden. Vielleicht sogar upgraden…
    Und wenn ich das richtig verstanden habe, bekommt sie noch das gleiche geld für weniger Arbeit!!! Die Arme. Fand den Vorschlag mit der Yoga-Lehrerin gut.
    Auf die Gefahr hin, dass ich für meinen Kommentar gleich doppelt einen drauf bekomme, wünsche ich der Yoga-Frau trotzdem alles Gute!

  12. Harry11. Oktober 2014 at 18:41

    Hurzi,

    Sven,

    Ihr habt die Propaganda ja echt gefressen. „So ist das eben!“ „Immer nur die anderen Verantwortlich machen!“ blablabla.
    Dass es mit solchen Scheißhausparolen unmöglich gemacht wird Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu äußern fällt euch anscheinend garnicht auf.
    Klar muss sie damit jetzt irgendwie umgehen. Muss sich überlegen nen andern Job zu machen und in ein anderes Haus zu ziehen.
    Aber das ganze letztlich unter „selber Schuld“ zu verbuchen und so zu tun, als sei es eben Gottgegeben so, dass die Verhältnisse sind wie sie sind und es am besten noch als moralisch verwerflich hinzustellen, Kritik an diesen unmenschlischen Verhältnissen zu formulieren ist doch das letzte.

    Es ist im Gegenteil enorm wichtig genau die Deutungsmuster á la „muss sie halt selber gucken“, „ist sie ja selber Schuld“ und dergleichen, zu durchbrechen und zu sagen, dass es eben nicht ihre Schuld ist. Verantwortlich ist ein ekelhaftes Gesellschaftsystem. Sich dem nicht anzupassen oder zu versuchen innerhalb dessen seine Freiräume zu erkämpfen, kann man niemandem zum Vorwurf machen. Im Gegenteil.

  13. Herr Bert11. Oktober 2014 at 19:46

    ….first world problems.

    Kein Grund, dafür auf die Strasse zu gehen.

  14. mrbassdram11. Oktober 2014 at 23:36

    Wenn man ein Jahr raus ist, ist man eben erstmal raus und muß sich wieder einfinden, egal, in welchem Gesellschaftssystem. Und schuld ist weder sie noch sind es die anderen, das Leben ist in diesem Jahr eben weitergegangen. Reicht nur der Kram mit Wohnung und Arbeit, um so aus der Bahn zu kommen? Dann ist sie vielleicht selbst doch materialistischer geprägt, als sie es sich eingestehen will. Hört sich für mich eher nach persönlicher Krise/Kulturschock an (dafür aber natürlich alles Gute). Denn eigentlich sind die Startbedingungen mit 13000 eur, einer bekannten Arbeitsstelle und vor allem reichlich neuen Erfahrungen in diesem einen Jahr doch nicht die schlechtesten, um hier zu reüssieren.

  15. marc12. Oktober 2014 at 13:22

    Harry,

    Du hast die Wahrheit(TM) ja echt gefressen. Du äusserst hier Deine Kritik an den bestehenden Verhältnissen, erklärst aber im gleichen Atemzug, Sven und Hurzl würden dies unmöglich machen.
    Haben sie es unmöglich gemacht? Nein – sie haben nur eine Meinung, die Dir nicht gefällt, und die Du meinst, ihnen pöbelnd untersagen zu dürfen – schließlich hast Du die Wahrheit(TM)!

    Und ja, naiv war sie. Ich gehe doch nicht ein Jahr weg, ohne mich _schriftlich_abzusichern, wie das mit dem Job weiter geht. Was hat sie erwartet – dass jemand für ein Jahr ihren Job macht und dann wieder verschwindet? Würden wir dann hier auch einen Artikel über die arme Person, die nur dieses eine Jahr befristet dort arbeiten durfte und dann wieder rausgeschmissen wurde, lesen?
    Ich habe ganz sicher nichts übrige für irgendwelche „Investoren“, erst Recht nicht im Wohnbereich – aber wie oben schon jemand gesagt hat: Hätte es irgendwas geändert, wenn sie da gewesen wäre? Und inwieweit ist ihre „Spiritualität“ da relevant? Wäre eine Mitgliedschaft in einem Mieterverein da nicht wichtiger? Ist sie Mitglied und damit tatsächlich solidarisch durch die Zahlung ihres Beitrages- oder dachte sie, wenn sie nur ordentlich OMMM macht, dann wird eh alles gut?
    Es gibt nun einmal Arschlöcher (wie Wohnungsspekulanten) und das hat weniger mit dem System und mehr mit der menschlichen Natur zu tun, und gegen so jemanden muss man bereit sein, sich zu wehren, statt im Tempel Nabelschau zu betreiben.

  16. Harry12. Oktober 2014 at 15:37

    marc,

    wo mache ich denn bitte irgendjemandem seine Meinung untersagt? Das heftigste was ich von mir gegeben hab war meiner Meinung nach, dass mich so eine Einstellung anekelt.
    Das Argument mit der unmöglichen Kritik funktioniert so: Wenn man die Kategorien der beiden, auf die ich geantwortet habe (und anderer) akzeptiert, nimmt man einen Standpunkt ein von dem aus es nciht möglich ist eine Kritik der Verhältnisse zu formulieren. Deshalb, weil diese Verhältnisse von diesem Standpunkt aus betrachtet als scheibar unveränderliche Tatsachen, fast schon gottgegeben oder „natürlich“, erscheinen.
    Das ist meine Meinung zu deren Meinung. Und zu deiner.

    Ich finde es außerdem ziemlich ekelhaft, dass du (und andere hier auch) der Person ohne sie zu kennen einfach mal unterstellst ein „hippie-dummerchen“ zu sein um das mal etwas drastisch auszudrücken. Nicht das ich die Person kennen würde aber das Bild was du zeichnest erinnert eher an überzeichnete Yoga-Kiffen-Nacktsein-Hippies aus Hollywood-Filmen als an echte Menschen, die zwar Yoga machen, aber durchaus mit beiden Beinen im Leben stehen. Mal ne bösartige Unterstellung der Polemik wegen: Sobald im Text die Wörter naiv, Yoga und Spiritualität gefallen sind war für dich doch eh schon klar, war für eine Art von Person das sein muss. Oder wie kommst du sonst zu der Vermutung die Person würde denken, dass mit „ordentlich OMMM machen“ alles gut wird.
    Solche Aussagen finde ich herablassen und chauvinistish. Und sie führen dazu, dass ich deine Meinung nicht ernst nehme.

    PS: Erst was von „Die Wahrheit (TM)“ reden und dann selbst auf „die menschlische Natur“ als Argument zurückgreifen ist ganz schön peinlich.

  17. Sven12. Oktober 2014 at 15:52

    Lieber Harry,

    ja, ich habe die Propaganda gefressen, zum Frühstück. Leider kam sie mir hoch. Habe deshalb zum Mittag ne kräftige Portion Vernunft zu mir genommen. Ich muss sagen, die bekommt mir ganz gut.
    Du sagst selber, dass an dem „ekelhaften Gesellschaftssystem“ liegt, was ich übrigens auch schon gesagt hatte. Falls dir das nich klar sein sollte: wir leben in diesem System. Selbst wenn sie sich ne Freiheit erkämpfen will, bleibt sie immernoch im System. Bloß weil sie ihre inner Mitte gefunden hat, kriegt sie keine Extrawurst! Wenn ich ein Jahr weggehen würde, hätte ich auch nich mehr die Stellung, die ich bis dato inne hab. Das mit der Wohnung is eh Mumptiz, da das Haus auch so aufgekauft hätte würde (Grammatik 6!), auch wenn’se hier geblieben wäre.
    Also, ich mache, entgegen dem was du sagst, der Frau keine Vorwürfe, für das was sie getan hat. Sie jetzt aber als das Opfer hinzustellen finde ich blauäugig.
    Freue mich schon auf deinen niederschmetternden Kommentar (bitte sachlich bleiben!)
    Grüße vom Sven…

  18. MrB12. Oktober 2014 at 23:02

    mrbassdram hat es ganz richtig gesagt: das leben geht weiter, ob mit einem oder ohne einen. warum sollte sie die einzige gewesen sein, deren leben sich im jahr in indien verändert hat? sind bittere nachrichten, hätte es aber nicht vielleicht auch ebenso gut anders kommen können? ich bin mal aus nem baufälligen altbau in berlin ausgezogen, eine woche (!) später winkte der eigentümer mit deutlich besseren alternativwohnungen, da das haus dringend saniert werden musste. klasse für den rest der wg, blöd gelaufen für mich. beim nächsten mal wartet der chef vielleicht händeringend auf ihre rückkehr, weil der nachfolger vorzeitig gekündigt hat. wer weiß das alles schon vorher? ist scheiße, würde da aber wirklich keine grundsatzsache draus machen.

  19. Hurzi12. Oktober 2014 at 23:03

    Harry,

    ich habe nicht ausgeschlossen, dass das System mitverantwortlich ist. Und deine Behauptung, meine Perspektive würde eine Systemkritik ausschließen ist falsch. Ich glaube, man kann sich der Lösung solcher Probleme von beiden Seiten nähern. 1) Was ist am System scheiße? 2) Wie kann das Individuum mit dem System umgehen? Wenn man ausschließlich das System in den Blick nimmt, dann wird man einem Individuum im hier und jetzt kaum helfen können. Man übt Kritik am System, das sich nur extrem langsam verändern lässt, und vernachlässigt dadurch die gerade leidtragende Person. Was sollte es ihr denn jetzt bringen, wenn ihre Freunde das System haten, anstatt sie zu unterstützen und ihr Wege aufzuzeigen, damit umzugehen? Wenn das Individuum leidet, tritt es für mich in den Vordergrund und ist erstmal wichtiger, als eine von mir geplante Revolution. Manchmal habe ich den Eindruck, dass solche Fälle gerne angenommen werden für sone allgemeine Systemkritik, von Gut-Böse-Denkern. Sone Art Märtyrer-Style. Dadurch wird die Frau aber instrumentalisiert für die Abschaffung einer politischen Ideologie (Kapitalismus) und damit als Mensch im hier und jetzt und mit gerade akut zu lösenden Problemen entwertet. Was ich sagen wollte war ja: Freunde solcher Menschen, stärkt lieber das Selbstvertrauen und die Kräfte leidender Menschen, anstatt sie in ihrer Opferrolle zu bestärken. Letzteres wird ihnen nicht helfen. Was ihr dann sonst noch so in eurem Leben macht, wenn ihr mit der jeweiligen Person gerade nichts zu tun habt, das überlasse ich euch. Ich übe gerne Gesellschaftskritik und finde das wichtig. Aber doch nicht gegnüber Personen, um deren Einzelschicksale es gerade geht. Fuck Fundamentalism!

  20. rollinger13. Oktober 2014 at 14:10

    Auch ich stimme eher Hans zu. Ich kenne sehr viel Leute die auch mal davon träumen „Ein Jahr ausklinken“ aber wir denken eben weiter und wissen „In einem Jahr wird sich viel tun und bestimmt nicht zu meinen Gunsten, wenn ich nicht da bin“.
    Deswegen tuen wir es nicht. Kann man Feigling rufen. Ist mir aber lieber als dann zu jammern und zu flennen.
    Wer weiß, vielleicht ist die Person die den Job schlechter dran gewesen. Da würde ich die Selbstfindungsdame auch hinten anstellen.
    Sonst heißt die Schlagzeile „Stelle wird warmgehalten für jemand der durch die Welt tingelt und andere haben deswegen keinen Job“

  21. Harry13. Oktober 2014 at 17:33

    Sven,
    Das ist ja spannend mit deinem Essverhalten. Anscheinend bist du aber einen Etiketenschwindel augesessen oder hast nicht geschaut ob in deiner Vernunft ausd er Dose auch etwas widerspruchsfreiheit enthalten ist.
    Du sagst: Natürlich ist das System schuld. Dann sagst du:Das System existiert aber. Um zu schlussfolgern: Wer sich den Regeln des Systems nicht unterwirft hat eben Pech und sollte sich nicht als Opfer darstellen.
    Damit machst du dann genau das, was du vorher behauptet hast nicht zu tun. Du machst der betroffenen Person einen Vorwurf bzw. gibst ihr die Schuld für ihre Situation. Dein „natürlich ist das System schuld“ ist völlig inhaltsleer.

    Hurzi,

    Aus deinen Ausführungen kann ich also schließen, dass du ein enger Freund der betroffenen Person bist, oder? Warum du dann kluge Ratschläge in Internetkommentarspalten loslässt statt im direkten Gespräch ist mir schleierhaft.
    Ich hingegen bin nicht mal ein entfernter Bekannter der betroffenen Person und mache also genau das, was du vorschlägst: Ich kritisiere das System dafür, dass es solche Schicksale nicht nur zulässt sondern systematisch produziert.
    Aber ein bisschen muss ich dir dann doch widersprechen: Mit betroffenen darüber zu reden, dass das System schuld ist heißt nicht, dass man sie ausschließlich in ihrer Opferrolle bestärkt. Genauso könte ich sagen: Hört auf ihnen kluge Ratschläge zu geben, ihr macht die Person mit eurer Besserwisserei nur fertig, weil ihr ihr allein die Schuld für die Situation gebt. Darüber hinaus sind Ratschläge á la „du hättest dieses und jenes machen müssen“ wenig hilfreich, wenn es um den akuten Umgang mit einer Situation geht.
    Außerdem: Da ich die Person überhaupt nicht kenne oder in irgned einer Weise Einfluss auf ihr Schicksal habe würde ich behaupten, dass es mir überhaupt nicht möglich ist, die Person zu vernachlässigen.

    Was das ganze mit Fundamentalismus zu tun haben soll ist mir auch schleierhaft..

    Für mich ist die ganze Geschichte tatsächlich ein gutes Beispiel dafür, wie der Kapitalismus dir die Fresse einschlägt, wenn du es wagst, dich auch nur ein bisschen außerhalb seiner Spielregeln zu verhalten. Friss oder stirb, um es mal überspitzt zu sagen.
    Ich halte es für unangebracht und auch ein bisschen anmaßend der Person übers Internet kluge Ratschläge geben zu wollen. Dafür kenne ich die Situation und die Person nicht genau genug. Ich gehe davon aus, dass die betroffene Person genug Freunde hat, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen und die das sicherlich ganz wunderbar machen. Deshalb sehe ich auch keinen Sinn darin hier in der Kommentarspalte den Psychiater, Lebensberater, Besserwiser-Macker oder Captain Hindsight zu spielen.

  22. Hurzi13. Oktober 2014 at 19:18

    Harry,

    Ich halte es für anmaßend, das System zu kritisieren. Dafür kenne ich das System, seine Subsysteme und die Dynamiken nicht gut genug. Ich gehe davon aus, dass die Freunde des Systems das ganz wunderbar machen. Deshalb sehe ich auch keinen Sinn darin hier in der Kommentarspalte den Soziologen, Systemskeptiker, Besserwisser-Macker oder Captain Hindsight zu spielen.

    Glaub mir, ich hab Erfahrungen im Umgang mit solchen Schicksalen gemacht. Ein oft gemachter Fehler besteht nunmal darin, dass Freunde solch leidtragende Personen durch ihre gutgemeinte, bestätigende Empathie nur weiter rein reißen. Zudem solltest du nicht per se ausschließen, dass hier Menschen mitlesen, denen es ähnlich geht, wie der betroffenen Person. Deshalb halte ich eine gute Mischung auch hier für angebracht. Systemkritik + Individuelle Perspektive. Es wäre doch schwachsinnig, wenn man im Inet nicht auch darüber reden würde, wie man mit Einzelpersonen am besten (nicht) umgeht. Wenns für den Umgang mit Mitmenschen auf ner ganz allgemeinen Ebene keine Regelmäßigkeiten gäbe, wäre die gesamte psychologische Forschung total sinnfrei. Kein Mensch ist wie der Andere, individuelle Situation blabla. Kommt auf die Abstraktionsebene an. Und meine war bewusst so hoch gewählt, dass sie eigentlich ein Allgemeinplatz sein sollte. Aus eigener Erfahrung sie es aber immernoch nicht.

  23. Harry14. Oktober 2014 at 21:42

    Hurzi,

    auch wenn ich davon ausgehe, dass der erste Absatz nciht ganz ernstgemeint ist: Ich glaube es sind leider nicht die Freunde des Systems, die dieses mit Kritik versorgen. Und Systemkritik soltle auch nicht an (vermeintliche) Expert_Innen ausgelagert werden (die die sich mitdem System, den Subsystemen und der Dynamik „auskennen“).

    Ich halte es durchaus für sehr Sinnvoll einen allgemeinen Austausch darüber zu führen, wie man mit Menschen in seinem Umkreis umgehen kann/soll die einen solchen „schicksals“-Schlag abbekommen haben. Woran ich mich störe sind Kommentare und Kommentator_Innen, die ihren selbstgefälligen Senf zu der Person in dem Post abgegeben haben. Ich hab mir jetzt nicht die muße gemacht, alle deine Kommentare nochmal daraufhin durchzulesen, ob du nun einen allgemeinen Austausch oder einen konkreten Kommentar gemacht hast. Falls ich dich da zu unrecht in einen Topf mit anderen hier geworfen hab tut mir das natürlich leid.
    Natürlich ist es blöd, wenn betroffene mit ihren konkreten Problemen alleine gelassen werden. Das s0llte nicht passieren. Man vermittelt der Person damit nur, dass einem ihr Schicksal letztlich egal ist. Mit warmen Worten allein ist einem in vielen Fällen eben doch cniht geholfen. Das ist tatsächlich ein Allgemeinplatz.
    Darüber hinaus führen solche Geschichten ja aber immer auch dazu, dass man aus ihnen Lehren für das eigene Leben zieht. Sowohl wenn man im unmittelbaren Umfeld einer betroffenen Person ist als auch – bzw. sogar noch viel mehr – wenn man als unbeteiligter davon mitbekommt. Und da halte ich es für wichtig, dass gerade bei einer Situaion wie hier die Moral der Geschichte nicht ist: „Pass dich an und scher ja nicht aus, sonst wirst dus bereuen!“. SOndern vielleicht eher: „Lass dir nicht erzählen, du könntest dich in dieser Gesellschaft tatsächlich selbst verwirklichen. Selbstverwirklichung, die keinen Gewinn bringt wird bestraft“.
    Solche Geschichten sind eben nicht ausschließlich privatangelgenheiten sondern immer auch politisch.

    Aber ich habe das Gefühl, so wirklich uneins sind wir uns da garnicht.

  24. maximilina19. Oktober 2014 at 18:17

    mein vermieter würd mich so direkt rausetzen ohne kohle zubekommen…
    weniger arbeit gleiches geld + 13000 für n neuanfang ? wieviel glück muss man haben….

    das macht ihr indien tripp natürlich kaputt… pfff

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