Ich bin bei Facebook in einer handvoll „geheimer Gruppen“. Der kommunikative Umgang dort unterscheidet sich nicht sonderlich zu dem in jenen Gruppen, denen ich öffentlich angehöre. Meistens geht es in den geschlossenen Gruppen um Themen, die einfach nur wenige Menschen interessieren, oder irgendwie rechtliche Fragen abhandeln. Bei anderen ist das offenbar anders.
Jan Werkener hat sich für den Tagesspiegel über Monate hinweg jetzt mal in Gruppen umgesehen, die von Rechtsextremen für Rechtsextreme administriert werden, geschlossen oder gar geheim sind: Wo Rechtsextreme ungestört zum Mord aufrufen.
Mit der vom Gesetz gedeckten Meinungsfreiheit hat manches an dem dort verbal Erbrochenen nur wenig bis gar nichts zu tun. Facebook unternimmt dagegen – keine Überraschung – wenig bis nichts.
„Es gibt noch eine Steigerung der geschlossenen Gruppen. Sie heißen „geheime Gruppen“ und sind so gut versteckt, dass nicht einmal ihre Existenz über die Suchfunktion feststellbar ist. Somit können Interessierte auch keine Beitrittsanfrage stellen. Sie müssen schlicht darauf hoffen, dass Gruppenmitglieder sie irgendwann kontaktieren und einweihen. Die Inhalte sind hier oft noch expliziter und drastischer.
In den geheimen Gruppen „Wir sind keine Sklaven“ und „Armada Germania“ begrüßen sich die Mitglieder mit „Heil Hitler“. Das Posten von Hakenkreuzen ist Standard. Die führenden Köpfe des Nationalsozialismus werden gepriesen, die erneute Herrschaft der Faschisten herbeigesehnt. Darauf stehen bis zu drei Jahre Haft. Heinrich H., 29, aus Niedersachsen postet das Bild eines halb verhungerten afrikanischen Kindes in einem Slum. Andere Gruppenmitglieder applaudieren und amüsieren sich darüber.
In praktisch jeder dieser Gruppen werden systematisch Straftaten begangen – weitgehend unbeachtet von Polizei, Politik und Facebook selbst.“