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Kategorie: Täglicher Sinnwahn

Headline-Wandel bei der Welt

News, auch wenn sie sich erstmal nur auf Gerüchte stützen, wollen heutzutage sofort verbreitet werden. Das weiß man auch bei Springers Welt. Warum also warten bis aus diesen Gerüchten echte Fakten werden, wenn man mit Panik verbreitenden Überschriften schon mal ordentlich Klicks abgreifen kann und die Meldung erstmal die Runde durchs Netz machen kann?

Die Richtigstellung liest drei Stunden später dann keine Sau mehr, weil das ja keine Panik verbreitende Überschrift ist. Und ein paar Tage später argumentieren die Besorgten dann, dass die Terroristen als Flüchtlinge einreisen würden. Hatte man so ja lesen können.

Ein bisschen mehr Verantwortung von Seiten der Journalisten wäre in diesen Fällen mehr als angebracht. Vielleicht auch einfach einmal durchatmen vorm Veröffentlichen, eine rauchen gehen, Tee trinken.

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(von Bildblog, via Christian)

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Beethoven singen gegen die AfD in Mainz = Strafanzeige

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(Foto: Kandschwar, CC BY-SA 3.0)

Vor dem Staatstheater in Mainz hat vor drei Tagen eine Demonstration der AfD stattgefunden. Motto: „Gegen das Asylchaos“. Im Staatstheater selber haben sich zur selben Zeit 120 Mitarbeiter eben jenes Theaters hingestellt und gemeinsam Beethovens „Ode an die Freude“ intoniert. Bei geöffneten Fenstern. Die dafür eigentlich angedachte PA musste vorher leider auf Anweisung der Polizei abgebaut werden. Also sangen die halt ohne elektronische Verstärkung.

Allerdings sangen sie dann immer noch so laut, dass die AfD-Knüppel draußen das von der Bühne Gespbrochene nur wenig bis gar nicht verstehen konnten. Dafür kassierte das Mainzer Staatstheaters jetzt eine Anzeige. Von der Polizei – wegen Störung der AfD-Demonstration.

„Das ist ein formaler Verstoß, das ist ganz klar geregelt“, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Mainz. Nach Paragraph 21 des Versammlungsgesetzes wird, wer „in der Absicht, nichtverbotene Versammlungen oder Aufzüge zu verhindern oder zu sprengen grobe Störungen verursacht, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Die Sänger seien drei- oder viermal von der Polizei angesprochen und verwarnt worden, was ihnen drohe. Sie hätten weitergemacht, also habe die Polizei Anzeige erstattet.

Den Intendanten des Theaters ficht das nicht an: „Wenn man dafür eine Anzeige bekommt, dann ist das eben so“, sagt Intendant Markus Müller. Recht so. Weiter machen.

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Lehrer in Hessen zu Schadenersatz verurteilt, weil er Hakenkreuze an Schulen übersprühte

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Kann man sich nicht ausdenken, nach deutschem Recht aber scheinbar so gegeben: Im hessischen Limburg übersprüht ein Lehrer Hakenkreuze an Schulen, weil die Stadt/das Schulamt/die Schulen/wer auch immer nicht in der Lage dazu sind, diesen Scheiß zu entfernen. Darauf hin verklagt ihn die Stadt auf 1000 Euro für die Reinigung. Erst gab das Amtsgericht der Stadt Recht, nun auch das Landgericht. Begründet wird das damit, dass er die Hakenkreuze ja hätte auch überkleben können, was dann nach gängigem Recht keine Sachbeschädigung gewesen wäre. Anders als das Übersprühen. Was zum Fick?!

Die Reinigungsrechnung will der Lehrer keinesfalls bezahlen, jedenfalls vorerst nicht. Wenn es rechtlich möglich sein sollte – die schriftliche Urteilsbegründung liege noch nicht vor -, werde er mit seinem Fall bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Er würde auch nicht zahlen wollen, wenn es nur um einen Cent ginge: „Das wäre ein Schuldeingeständnis. Und ich trage keine Schuld. Ich habe nur versucht, ein großes Unrecht abzuwehren.“

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Lutz Bachmann, jetzt Fürsprecher Xavier Naidoos, im Jahr 2013 – über Xavier Naidoo

Lutz Bachmann, seines Zeichens Pegida-Führer, hat gestern beim wöchentlichen Pegida-Ringelpietz sein Herz und sein Engagement für Xavier Naidoo entdeckt. Er möge die Musik zwar nicht, aber verteidigen wollte er ihn trotzdem, irgendwie. Passt ja auch gut ins Thema.

Vor zwei Jahren noch ritt er in dem Kontext ein anderes Pferd. Aber die Leute vergessen ja so schnell.

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(via Michael Bittner)

Später in seiner Rede macht er Pegida verbal gleich mit den Freunden Xaidoos, den Schweigers und den Mitterweiers weil die Pegidödels ja das schon lange erleben würden, was jetzt ihr Freund Xavier abbekommt. Nämlich, dass wenn du redest wie ein Rechtspopulist, man dich auch so nennen würde. Tja.

Zwei dazu noch lesenswerte Artikel. Micky Beisenherz schreibt im Stern, dass ihm das alles zuviel des Shitstorms werden würde: Der Facebook-Galgen. Ich teile das so nicht, finde ab, dass man das gelesen haben kann.

Anders sieht es Viola Funk bei Noisy – und ich bin da ziemlich nahe bei ihr, wenn sie schreibt:

„Nun, wir kennen Xavier nicht persönlich. Dennoch ist es der Presse und auch jeder Person, die im Internet ihre Meinung kundtun möchte, erlaubt, eine öffentliche Person aufgrund seiner öffentlichen Auftritte und Aussagen zu hinterfragen. Wenn eine öffentliche Person seine Popularität dafür nutzt, „Wahrheiten zu verkünden“, muss er auch damit klarkommen, dass eben wegen seiner Popularität diese Wahrheiten infrage gestellt werden. Auch seine Freunde müssen damit klarkommen. Niemand spricht Xavier ab, eine nette Person zu sein und mit Sicherheit kann er auch ein guter Freund sein, wenn er das möchte.

Mit Sicherheit können aber auch der nette Opa, der nie ganz verkraftet hat, dass Hitler verteufelt wurde, die harmlose Arbeitskollegin, die Schwarze unter Generalverdacht stellt, und der liebenswerte Onkel auf der Straße in Dresden, der einfach nur Angst davor hat, dass die Moslems ihm seine Rente wegnehmen, gute Freunde sein. Wir möchten Xavier nicht mit diesen Menschen gleichstellen, sondern lediglich darauf hinweisen, worum es in der Diskussion eigentlich geht. Die meisten Menschen, die Xavier treffen und mit ihm nicht über Politik und die Deutschland GmbH diskutieren, fänden ihn vermutlich auch nett und sympathisch. Nur geht es hier nicht um einen Kaffeeklatsch, in dem derjenige, der die nettesten christlichen Worte hat, gewinnt, sondern um eine internationale Veranstaltung, die, auch wenn das bisweilen bestritten wird, durchaus ein Politikum ist.

Selbst wenn der Eurovision Songcontest in der Presse und auf Twitter schon seit Jahren jegliche Relevanz abgesprochen wird und seit gefühlten Ewigkeiten kein relevanter deutscher Musiker mehr teilgenommen hat, ist das noch lange kein Grund oder eine Rechtfertigung dafür, die fragwürdigste Person auf die Bühne stellen, die Musikdeutschland so zu bieten hat. Hier geht es schlicht und einfach um das Signal, das gesendet wird. Worüber werden alle europäischen Medien berichten, wenn sie sich zu dem deutschen Kandidaten äußern? Darüber, dass er mal in „Adriano“ mitgesungen hat? Wohl kaum, dafür ist das Reichsbürger-Kapitel dann doch zu spannend.“

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Snowden-Doku „Citizenfour“ online

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„Citizenfour“, der oscarprämierte Dokumentarfilm von Laura Poitras über den US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden und die durch ihn aufgedeckte globale Überwachungs- und Spionageaffäre, läuft gerade noch im Ersten, ist aber auch in der Mediathek zu sehen, wo ich ihn gerade gestartet habe. Besonders interessant für jene, die immer nichts zu verbergen haben.

„Als Edward Snowden seine erste verschlüsselte E-Mail unter dem Namen „Citizenfour“ im Januar 2013 an Laura Poitras schickt, arbeitet die Regisseurin bereits an einem Film über die Praxis der Massenüberwachung, dem dritten Teil ihrer Trilogie über die USA nach 9/11. Snowden hatte Poitras nicht zuletzt deshalb als Kontaktperson gewählt, weil sie seit Jahren selbst eine Zielperson der Geheimdienste war, die bei der Einreise oder Ausreise in den USA regelmäßig aufgehalten und verhört wurde. „Citizenfour“ wurde mit dem Oscar, der Lola und dem Emmy ausgezeichnet.“

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