Zum Inhalt springen

Kategorie: Täglicher Sinnwahn

Ein Wort der Vergangenheit: „Festnetz“

Ich habe schon lange kein „Festnetz“-Telefonat mehr geführt, ich könnte auf den Anschluss auch gerne verzichten, wenn da nicht das Internet rauskommen würde. Ich kann also nachvollziehen, dass der Frau Bundeskanzlerin genau dieses Wort während einer Rede auf dem „IT-Gipfel 2014“ nicht einfallen wollte. Festnetz, das ist ja auch was, was im Neuland nichts mehr zu suchen hat. Das kann man schon mal vergessen. Wenn sie das überhaupt in dem von mir damit assoziierten Kontext benutzt hat.


(Direktlink, via SpOn)

5 Kommentare

Ein Punk mit einem Plattenladen im Belfast der 70er Jahre: Terri Hooley

Die RBMA hat gerade ein kurzes Feature über Terri Hooley, einem DJ, der in den 70er Jahren in einem von Straßenkämpfen und Terror geprägten Belfast einen Plattenladen aufmachte und kurz darauf ein Label gründete. Mitten im Epizentrum, eröffnete er den Laden mit dem Namen „Good Vibrations“.

During the 1970’s, Northern Ireland was seen as a musical wasteland. Bands struggled to get recognition and found it difficult to be heard because of geography and politics. There were few outlets for people to go to hear new music and socialise in a worry free environment. Terri Hooley changed all that.

In the late 1970’s Terri opened up the record shop „Good Vibrations“ on the most bombed street in Europe at the time. The record shop was a major focal point for the local music scene. Inspired by the people he met through the shop and the talent he saw in Belfast, he set up a label of the same name. The label went on to release music from numerous bands from the Belfast punk and ska scene.

A self confessed, „terrible businessman“ Terri oversaw the shop open and close 11 times and the label never really generated much income. Despite all that, Terri kept going.

A colossus of the music scene in Northern Ireland, Terri Hooley is a living legend. Without Terri, many punk bands would have remained unheard of during the Troubles. Terri’s bravery and dogged determination ensured that this would not be the case. He sparked a punk revolution that put Belfast back on the musical map.

We spent a weekend with Terri in his beloved city of Belfast. He showed us around some of his old haunts and shed new insights on his life in music. For a 65 year old man, Terri still has the energy and enthusiasm of a young punk.

https://vimeo.com/108885612
(Direktlink, via Joanne Casey)

Er dürfte damit wohl so was wie der John Peel Irlands sein und hat soviel zu erzählen, dass das für einen Film reichte, der in diesem Jahr auf DVD erschien. Die Zeit schreibt darüber:

„Was für ein scheiß Alptraum“. Terri Hooley sitzt mit seinen Eltern vor dem Fernseher und reibt sich entsetzt sein gesundes Auge. Er ist Anfang 20, als die Spannungen zwischen den irisch-nationalistischen Katholiken und den pro-britischen Protestanten in den frühen siebziger Jahren eskalieren. Nach dem Vorbild seiner Eltern hält er sich raus, so gut es geht. Seine Leidenschaft gilt der Musik: Als DJ spielt er in einem Club die neuesten Reggae-Singles. Die friedliebende Message des gerade auf Jamaika entstandenen Reggae saugt er begierig auf. Doch mit den Straßenschlachten und Bombenattentaten erlischt das gesellschaftliche Leben in Belfast. Popmusik und Jugendkultur haben da keinen Platz. Auch Hooleys Club bleibt bald leer.

Und der Deutschlandfunk hatte gerade erst diesen kurzen Beitrag über den Film:

Das „Good Vibrations“ in Belfast war und ist ein Plattenladen und -label für Independent- und Punkrock-Bands. Hier feierten Rudi oder The Undertones ihren Durchbruch. Gründer Terri Hooley gilt bis heute in Nordirland als „Godfather of Punk“. Die Regisseure Lisa Barros D’Sa und Glenn Leyburn haben ihm den Film „Good Vibrations“ gewidmet, der jetzt auf DVD erscheint.

[audio:http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/10/20/dlf_20141020_1511_672ab02e.mp3]
Ein Kommentar

Eine Plakatkampagne für NS-Opfer aus Osteuropa: Ich lebe noch!

Wichtige und gute Kampagne der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die dafür Menschen in Osteuropa besucht hat, die zu den letzten Zeitzeugen der unvorstellbaren Gräueltaten des NS-Regimes zählen dürften. Ich lebe noch! Mit den Geschichten hinter den Bildern, die mit dem Heute und dem Gestern vermischt wurden. Und keiner von uns hat heute eine Vorstellung von dem, was diese Menschen tatsächlich durchmachen mussten.

Auf mehr als 500 Großplakaten an markanten Stellen in der deutschen Hauptstadt wird von diesem Monat in großen Porträts über die Lebens- und Leidensgeschichten hochbetagter NS-Opfer aus Osteuropa berichtet.
(FAZ)

Natalja Wetoschnikowa: Jahrgang 1921, geboren in Sankt Petersburg, Russland. Als junge Frau überlebte sie die 872 Tage währende Blockade Leningrads durch die Deutsche Wehrmacht. Fünf ihrer nahen Verwandten starben an Hunger. Der Belagerung der Stadt fielen geschätzt 1,1 Millionen Zivilisten zum Opfer. Die meisten verhungerten. Als Jugendliche war Wetoschnikowa eine erfolgreiche Tennisspielerin, nach dem Krieg konnte sie an frühere Erfolge nicht anknüpfen. Die Hungerjahre hatten sie geschwächt.“

2 Kommentare

Egotronic feat. Crackhuren-Chor – Die Band der Vollidioten (2014)

Egotronic haben ihren Song vom letzten Jahr noch mal neu aufgelegt und ein neues Video dazu gemacht. Das machen sie nicht ohne Grund, wie ihr Begleittext dazu verlautbaren lässt. Außerdem spielt Valli in dem Video mit und den kenne ich. Und noch außerdem ist die Melodie so wunderbar eingängig, da lässt’s sich so schön mitsingen. Ha!

„Schon wieder diese Deutschrock-Band? Ist nicht alles gesagt worden zum Thema? Jeder konnte sich positionieren und zeigen, dass er oder sie auf der richtigen Seite steht und jetzt kann man doch auch mal wieder weiter zur nächsten Facebook Diskussion ziehen?

In der Tat gibt es gerade wichtigeres als die vier Italiener, die mit der Minderbemitteltheit ihrer Fans Millionen machen und es trotzdem immer noch schaffen, diesen einzureden, dass sie die ausgestoßenen Underdogs sind. Sie bedienen mit ihren Parolen die Vorurteile der Mehrheit, präsentieren sich aber als unterdrückte Minderheit. Spielt man ihnen nicht in ihre Hände, wenn man mit rationalen Argumenten versucht, dem völkischen Wahn, den sie verbreiten, entgegen zu treten?

Etabliert sind sie sowieso schon lange. Man braucht sich nur das Lineup ihres Festivals anzugucken. Das ist nicht der rechte Rand der dort aufspielt. Das ist die Mitte dieser deutschen Gesellschaft. Gerade deswegen finden wir es wichtig, noch mal zu wiederholen, wie gefährlich diese Band ist. Auch wenn nicht sie das Problem ist, sondern der gesellschaftliche Mainstream, auf dem sie jedes Mal entspannt auf Platz Eins der deutschen Charts gleitet.

Es geht nicht nur darum, dass jemand aus der Band mal organisierter Nazi war, es geht nicht nicht nur um das extrem nationalistische Milieu, aus dem die Band kommt und auf das sie sich immer wieder stolz bezieht. Es geht darum, dass sie nach wie vor in ihren Texten offen eine völkische Blut und Boden Ideologie besingen. Wer das toleriert oder verharmlost, sich nicht abgrenzt – oder gar noch versucht, daran Kohle zu verdienen – ist entweder komplett merkbefreit, beschämend skrupellos oder sympathisiert selbst mit diesem rassistischen Weltbild.

Diese Band hat auf coolen Festivals nichts verloren. Die Aktionen von Kraftklub und Jennifer Rostock waren trotzdem richtig. Jede Band und jeder Veranstalter kann sich nur ein Beispiel daran nehmen. Wir dürfen uns mit Rassismus und Nationalismus niemals abfinden.

Der Fuckfinger in Richtung dieser Band ist nicht nur eine Angelegenheit von Zecken, Punks und Antifas, sondern sollte von allen erhoben werden, die noch Anstand und Haltung haben und nicht vergessen haben, wozu dieser völkische Kult um Nation und Ahnentum in Deutschland führen kann. Das würden wir uns wünschen. Und diesen Wunsch – der leider nur ein Wunsch ist, aber noch nicht die Realität – wollten wir in diesem Video zeigen: Menschen quer durch alle gesellschaftlichen Schichten sprechen einen ganz banalen, aber doch wahren Satz aus: Das ist die Band der Vollidioten!“


(Direktlink, via Torsun)

Guter und berechtigter Einwand mit Antwort auf den selbigen.

Bildschirmfoto 2014-10-16 um 22.05.51
2 Kommentare