Als Kind war ich fasziniert von der Idee, eine kleine Schatulle zu besitzen, die nur ich hätte öffnen können. Da hätte ich dann all das drin versteckt, was mir damals wichtig war. Meine doch recht stattliche Sammlung von Abziehbildern zum Beispiel. Aber ich bekam so eine Schatulle nie und aus Mangel daran packte ich all mein Zeug in eine Alu-Box mit Klappdeckel. Diese vergrub ich dann mit 13 im Garten meines Vaters. Später wurde der verkauft und immer wenn ich in der Nähe bin, denke ich kurz darüber nach, ob meine Schatulle von damals wohl noch in der Erde dieses Gartens steckt, aber darum soll es ja nicht gehen.
Sondern eher um diese kleine Sammlung von Trickboxen, die beweisen, dass ich mit meiner einstigen Faszination dafür nicht alleine war. Das dritte Exponat ist ein Knaller!
Jopp, ich gestehe, ich bin nicht mehr allzu weit vom dreißigsten Lebensjahr entfernt und spiele immer noch Computerspiele. Schrecklich infantil, ich weiß.
Gründe für meine doch recht späte Begeisterung für Computerspiele gibt es einige, der vermutlich ausschlaggebendste wird sein, dass ich keineswegs ein Digital-Native bin, der erste internetfähige Rechner stand erst nach meinem 18. Lebensjahr im Haus meiner Eltern, dementsprechend war viel nachzuholen und ich bin halt immer noch dabei…
In den letzten Tagen fiel mir dann aber ein Spiel auf, was aus der Reihe der Taktik-Shootern, von Patriotismus und Kriegsverherrlichung strotzenden Ego-Shootern, immer gleich bleibenden und trotzdem millionenfach verkauften Sportsimulationen auszubrechen scheint.
Die Rede ist von ‚Valiant Hearts – The Great War‚, einem Spiel was anlässlich des 100. Jahrestags des Beginns des 1.Weltkriegs veröffentlicht wurde. Auch wenn der Titel zunächst jedes bellizistische geneigte Herz höher schlagen lässt, es geht diesem Spiel keineswegs darum mit Gewehr- und Granateneinsatz zu begeistern und mal wieder einen der historischen Kriege für die gewählte Seite zu entscheiden. Es geht vor allem darum ‚dem Krieg alles Glorreiche‘ zu nehmen, wie der Spiegel titelt. Die Macher dieses Spiels möchten dem Spieler, grafisch inszeniert wie eine Graphic-Novel, deutlich machen, dass Krieg mal echt nicht so geil ist.
So schlüpft man im Spiel in die Rolle des französischen Zivilisten, aber schon bald Soldaten Emile, der sich mit seinem treuen Begleiter, Hund Walt und dem amerikanischen Fremdenlegionär Freddie, auf die Suche gibt nach seinem im Kriegsgewirr verlorenen Schwiegersohn Karl begibt. Die gesamte Story wird getragen durch Informationen von Zeitzeugen oder Briefen von den Fronten, Historiker beteiligten sich an der Entwicklung und so schaffte man es eine verschreckende, aufklärerische und zeitgleich unterhaltsame Verbindung zwischen einem fiktiven, kindlich erscheinenden Computerspiel und den wahren Begebenheiten, Schrecken und vielen Verlusten des ersten Weltkriegs zu knüpfen.
„Am Ende von „Valiant Hearts“ hofft man nur noch, dass dieser Wahnsinn aufhört. Wie immer wieder im Spiel möchte man an der Menschheit verzweifeln, aus dem Grund, dass sie so etwas wie den Ersten Weltkrieg zugelassen hat. Ganz naiv und ganz unmittelbar wirkt „Valiant Hearts“ dann. Doch die Kriegsmaschine läuft weiter, will gefüttert werden mit dem Leben von Hunderttausenden.“
Ich für meinen Teil war von dem bisher gesehenen dieses Spiels doch recht begeistert und freue mich darüber endlich mal wieder etwas ‚Anderes‘ auf Monitor oder TV zu sehen, woran ich euch hiermit teilhaben lassen wollte.
Nachtrag:
Gerade eben bin ich noch über einen weiteren Trailer gestolpert, der sogar in deutscher Sprache daher kommt:
Für all die Leute, die letztes Wochenende auf der Fusion waren und eventuell immer noch ein wenig unter den Nachwirkungen des gelebten Hedonismus zu leiden haben, gibt es vom netten Mr. Forthright ein kleines Tutorial-Video, wie ihr diesen weltlichen Genüssen am besten widerstehen könnt. Bei mir hat es geholfen.
Tagtäglich stolpert man über etliche dieser Botschaften, untermalt mit einer Momentaufnahme aus Film und Fernsehen. Welche Filme, Serien und welche exakten Szenen für die bunten und oftmals recht amüsanten Bildchen verwendet wurden zeigt dieses informative Video. ;-)
Ich breche mir immer tierisch einen ab, wenn ich eine Torte mache. Also mit der Creme obendrauf und an den Seiten und so. So richtig geil will das bei mir nie aussehen und das obwohl mein Vater gelernter Bäcker war. Ich jedenfalls kriege das immer nur so lala hin. Umso derber beeindruckt war ich heute, als ich dieses Video von Liu Wan Fei sah. Das hat schon fast meditative Wirkung – zumindest für den Zuschauer. Ein Herz fürs Handwerk.
Scheint es auch tatsächlich nur auf Facebook zu geben. Leider.
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