Zum Inhalt springen

Fleisch aus der Petrischale kommt in den Handel

(Foto: JUST)

In Singapur hat ein US-amerikanisches Start Up die Zulassung erhalten, Hühnerfleisch aus dem Labor für den menschlichen Verzehr anbieten zu können und ich habe da heute doch recht häufig drüber gesprochen. Wenn das alles gut läuft, könnte das die Fleischherstellungsindustrie auf immer verändern. Zumindest dann, wenn am Ende der Preis stimmen würde, was bisher noch nicht absehbar ist, weil halt immer noch sehr teuer.

Gezüchtetes Fleisch entsteht meist auf ähnliche Weise: Tieren werden Zellen entnommen, oft über eine Biopsie oder aus einer bestehenden Tierzell-Linie. Diese bekommen eine Nährlösung und werden in einem Bioreaktor untergebracht, in dem sie sich vermehren, bis es genügend von ihnen für die Ernte für Fleischbällchen oder Chicken-Nuggets gibt. Eine Reihe von Start-Ups verfolgt Variationen dieses Ansatzes, in der Hoffnung, dass gezüchtetes Fleisch attraktiv für Flexitarier ist, also für Menschen, die aus ethischen oder ökologischen Gründen weniger Fleisch essen, aber nicht ganz darauf verzichten wollen.

Am Ende auch nichts für Vegetarier und/oder Veganer, aber klimabilanztechnisch schon ein Weg in die richtige Richtung, finde ich.

5 Kommentare

  1. Heinz Latte10. Dezember 2020 at 00:31

    Lass mal 3 Systeme postulieren:
    A) Dieses Laborfleisch hier
    B) Fleisch aus bester artgerechter Nur-Weide-Fütterung
    C) Fleisch aus Massentierhaltung mit Soja, Mais, Feldfrüchte aus Naturzerstörung

    Ob A klimatechnisch so dolle ist, kann man nur nach ordentlich untersuchter CO2-Bilanz im Vergleich zu B sagen. Da bin ich mir ehrlich gesagt nicht so sicher, ob A da besser ist. Aber ich weiß ja nix. Außerdem gibts bei A noch einen Entwicklungsfortschritt.
    In dem Moment, wo A eine relevante Markt-Konkurrenz zu B und C wird, wird vermutlich zuerst B Probleme bekommen. Denn die Produktion von B (wie Biofleisch) ist nun mal teurer und Laborfleisch A kommt auch mit einem Preis von oben, der allmählich niedriger wird. Also zunächst Konkurrenz A und B.
    Wer wird Laborfleisch A auf dem Markt am längsten die Stirn bieten können? Das Fleisch, das am billigsten produziert werden kann, also C. Und bedenke, dass die Fleischproduktion C zu so billigen Preisen passiert, dass die teilweise über viele Jahre ein Minusgeschäft ist, die von den Bauern durch andere Betriebszweige querfinanziert wird. (EU-Fördergelder gar nicht gerechnet). Und diese Bauern ertragen auch ein Leben, dass wirklich menschenunwürdig ist – jedenfalls so menschenunwürdig, dass fraglich ist, ob die Laborfleischer-Gewerkschaft das mitmachten würde. Das heißt, dass dadurch zunächst einmal Billigfleisch einen Wettbewerbsvorteil bekommen könnte. Denn das stärkste Argument im Laden ist nun mal der Preis. Wenn A und B sich streiten/konkurieren, freut sich C. Jedenfalls über eine längeren Zeitraum hinweg. Es könnte dadurch also schlimmer werden, bevor es besser wird.

    • Alfred10. Dezember 2020 at 10:35

      Dem würde ich widersprechen. Zunächst der Aussage “bester artgerechter Nur-Weide-Fütterung”. Ich würde behaupten, dass dieses Fleisch in Deutschland fast nicht zu bekommen ist. Das was im Geschäft als Biofleisch verkauft wird, sind immer noch Tiere die eingepfercht im Stall stehen – mit dem Unterschied, dass sie akzeptabel mehr Platz haben um sich zu bewegen. “Nur-Weide-Fütterung” ist eine utopische Vorstellung die es einem ermöglicht zu rechtfertigen warum es ok ist dieses Fleisch zu kaufen (Quelle: ich war in solchen “BIO-Ställen”).
      Wo ich auch widersprechen würde, ist dass B vor C in Konkurrenz geraten würde. Ich glaube ein Großteil der B-essenden Bevölkerung würde weiterhin B konsumieren weil es “natürlich” ist. Aber ja, für C zählt wohl hauptsächlich der Preis.
      Und ich würde noch Kategorie D einführen, Vegetarier. Ich glaube dass auch ein nicht unerheblicher Teil von Vegetarier:innen das Fleisch zumindest probieren würde. Immerhin stirbt das Tier nicht und die Entnahme der Zuchtzellen könnte sogar weitestgehend schmerzfrei bleiben, aber ich weiß nicht wie es tatsächlich praktiziert wird. Jedenfalls würde das den Preis ziemlich schnell nach unten treiben.

      • Schmocktopus13. Dezember 2020 at 17:08

        Die Klimabilanz von Rindfleisch aus bester artgerechter Nur-Weide-Fütterung ist nicht logischerweise besser als die von Rindfleisch aus fieser Massentierhaltung. Natürlich muss man verschiedene Faktoren wie etwa den Zusammenhang zwischen Futtermittelanbau und Abholzung mit einberechnen, aber eben auch die Lebenszeit der Tiere. Eine Kuh, die lange lebt, produziert auch entsprechend viele Treibhausgase. Meiner Meinung nach kaufen Leute Ökofleisch sowieso nicht unbedingt nur aus Ökogründen, sondern weil es als hochwertigeres Lebensmittel gilt (dass es natürlicher ist wurde schon gesagt, es hat meist auch mehr Geschmack und ist meist auch gesünder). Ich glaube nicht, dass die Käufer stattdessen zu Labor-Chicken-Nuggets wechseln würden, ich erinnere nur mal an Sarah Wieners Sojamilch-Rant vor ein paar Jahren. Ich sehe Laborfleisch eher in Konkurrenz zu all den Fleischersatzprodukten, die in den letzten paar Jahren aufgekommen sind (Beyond Beef usw.)

  2. seven10. Dezember 2020 at 10:26

    Interessante Überlegung, die ich gut nachvollziehen kann.
    Jedoch ist ein entscheidender Faktor nicht berücksichtigt, der -vor allem über die Zeit- einen großen Einfluss haben dürfte: Das Mindset des Verbrauchers.
    In immer größer werdenden Kreisen ist billig-Fleisch aus Qualhaltung einfach ein no-go, da kann es so billig sein wie es will. Dann gibts halt Broccoli, so what.
    Höchstwahrscheinlich eher eine Haltung, die vor allem in einem gewissen Klientel vorhanden ist, die aber durchaus in andere “Millieus” diffundieren könnte bzw. über die jüngeren Generationen verstärkt zum Tragen kommt.

    “Denn das stärkste Argument im Laden ist nun mal der Preis” – das Argument dürfte prinzipiell (noch) stimmen, kann aber durch andere Faktoren leicht beeinflusst oder überlagert werden. Sonst würde niemand Coca Cola kaufen oder VW fahren, obwohl es River und Skoda (oder Seat) gibt.

  3. Thomas10. Dezember 2020 at 22:43

    Das andere interessante ist dass man sich dabei nicht auf Hühner beschränken muss: also erst Mal ein paar Fasanen-nuggets knuspern und sich dann eine Seeadler-bulette reinhauen! Preislich sollte es so gut wie keinen Unterschied machen.

Schreibe einen Kommentar zu Thomas Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.