Ich bin damals nie dort gewesen. Im südlichen Berliner Umland im Schatten der Mauer aufgewachsen, kam ich immer nur mit dem Auto nach Ostberlin. Ein Mal im Monat fuhren meine Alten mit mir dort hin, um H-Milch in Pyramiden-Verpackungen und Werder Ketchup zu kaufen. Oder Ersatzteile für den Trabbi. Dinge, die es außerhalb von Ostberlin in der DDR halt nicht immer oder nicht regelmäßig zu kaufen gab. Dann hieß es ab ins Auto, wir fahren nach Berlin-Adlershof, wo die große Kaufhalle immer ein deutlich besseres Angebot zu haben schien als ihre kleine Schwester in unserem Kaff. Deshalb fuhren wir nie mit der S-Bahn, zumal es bei uns im Ort eh keine diesbezügliche Anbindung gab.
Deshalb sind derartige Szenerien auch mir als Ostler nicht geläufig gewesen und heute noch interessant. An das Grau hingegen kann ich mich sehr wohl erinnern. Das gab es so in Adlershof damals auch.
Der Grenzbahnhof Friedrichstraße war über 28 Jahre lang, Nadelöhr zwischen Ost- und West Berlin. Getrennt durch eine Stahlwand, hatten die Züge aus dem West- und Ostnetz in Friedrichstraße ihren jeweiligen Endpunkt auf der Stadtbahn. Im Zwischengeschoß war die Grenzabfertigung für die Einreise in die Hauptstadt der DDR untergebracht. Vor über 30 Jahren haben wir die unerträgliche Situation festgehalten und Wiederverbindung dokumentiert.

Wie geil! Genauso hab ich das damals 1986 auch erlebt.
Falls es jemanden juckt, hier mal eine Erinnerung, die ein „Dreikäsehoch“ aus der „BRD“ an die DDR hat:
In den Sommerferien 1988 sollte es von NRW nach Italien gehen. Die deutsch-deutsche Grenze lag zwar nicht auf dem Weg, war aber auch nicht all zu weit weg. Also machten wir einen kleinen Umweg „zum Zaun“.
Ich übertreibe nicht, wenn ich den ersten Eindruck von der Grenze (für mich als Grundschüler, der damals noch keine Ahnung von Politik und der deutschen Geschichte hatte) tatsächlich als schockierend beschreibe.
Man fuhr gerade noch durch Felder und Wälder, bog um eine Ecke und stand plötzlich vor einem riesigen Zaun und dahinter war nichts als Ödland.
Stacheldraht, Wachtürme und eine kahle Landschaft.
Die Erklärung meiner Mutter, dass der Zaun dazu da ist, damit die Menschen auf der anderen Seite des Zauns in ihrem Land bleiben, also nicht „abhauen“ und nicht dahin gehen können, wohin sie wollen, dürfte (zusammen mit der Erinnerung an Chernobyl und dem Challenger-Unglück) eine der prägendsten Erinnerungen meiner Kindheit sein, den das machte einfach einen Sinn. Für mich waren Gefängnisse nur für Verbrecher da und nicht für alle Menschen in einem Land…
Daher bleibt für mich, als freiheitsliebender Mensch, das friedliche Überwinden der DDR, eine der großartigsten, deutschen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts.
*es machte KEINEN Sinn ;)
Als West-Berliner hatten wir Familie in Wittenberge. Wir fuhren also 1 bis 2 mal im Jahr mit einem Tagesvisum rüber und daduch kannte ich beide Seiten der Mauer. Es gab viele stark prägende Erinnerungen: Zum einen der pro Kopf Zwangsumtausch von D-Mark in wertlose Ost-Mark und die Kontrolle an der Deutsch-Deutschen-Grenze bei Ein- und Ausreise (kein Transit!) war immer wieder ein Geduldspiel sondergleichen – Aussteigen, Rückbankhochklappen, Motorhaube öffnen, Öl-Kontrolle, Taschen & Koffer raus und öffnen, meine Mickeymaus-Hefte durfte ich einige Male nicht mitnehmen, später dann doch! Wenn wir telefonieren wollten, mussten wir das Gespräch in die DDR anmelden, dann warten, und irgendwann erhielten wir dann einen Anruf wo jedem klar war, das die Stasi alles mithört – was sehr einfach war, weil es nur sehr wenige Telefon-Verbindungen nach West-Berlin gab – in den 70iger Jahren nur 10 Leitungen, selbst später wohl nicht mehr als 20!
Einmal würde direkt ganz genau der Grenze, also direkt bis zur Mauer auf der Ostseite die Strasse erneuert und ich sitze als Kind hinten im Auto und trinke gerade etwas als ich sehe wie die Bauarbeiter arbeiten müssen und 2 Grenzsoldaten mit der Kalaschnikow sehr dicht bei ihnen stehen, damit sie nicht diese 5 Meter in die Freiheit springen … Surreal und vergisst man nie wieder! Ich könnte noch viele Geschichten erzählen, auch welche die ich mit Kindern in meinem Alter in der DDR erlebt habe.
Kleine Ergänzung: Damit man das Tagesvisum für die Einreise DDR voll ausnutzen konnte, musste ich als Kind an solchen Tagen immer um 4 Uhr morgens aufstehen damit wir dann schon gegen 5:30h am Grenzübergang waren. Für die Ein- und Ausreise gab es andere Grenzstellen als für den „normalen Transit-Verkehr“. Eines morgens standen wir dort und regnete es in riesigen Strömen ohne Ende in Sicht, während wir auf die „Bedienung“ warteten. Es war früh morgens, dunkel und kalt, das Wasser dauerplätterte uns aufs Autodach und wir waren das allereinzigste Auto das dort eine Einreise DDR machen wollte. Der Grenzpolizist saß in seinem kleinen Häuschen und laß dort ganz entspannt irgendeine Zeitung, er wußte ganz genau das wir da im Auto warten und das Wetter richig shice war. Jedenfalls verging UNGELOGEN fast eine halbe Stunde, bevor er – weiter in seiner Zeitung blätternd und ohne uns anzugucken – seinen linken Arm benutzte um uns zur Abfertigung heranzuwinken. Wir waren da immer noch die einzigsten die einreisen wollten. Mein Vater fuhr dann die 10 – 15 Meter vor um erneut zu halten und der ganze „Einreise-Zirkus“ konnte endlich beginnen.
Bei einer anderen Gelegenheit fragte mein Vater mal einen der Grepos wieso die sich so verhielten, er sei ja auch deutscher und so … Bumms, schon dauerte die Kontrolle plötzlich 3 mal so lange wie sonst üblich.
Zweite Ergänzung: Durch den Zwangsumtausch hatten wir irgendwann einen Haufen Ostgeld in der DDR angesammelt (mitnehmen durfte man es nicht – obwohl ich später etwas davon zu hause hatte – und unsere Verwandten wollten das auch nicht geschenkt haben). Irgendwann sind wir mal nach Magdeburg gefahren und dort im Zentrum in ein großes Kaufhaus gegangen. Aus West-Berlin war ich natürlich Karstadt gewöhnt und hier gab es nicht einmal 1/10 der Waren, einige Regale waren wirklich leer und bei den Dingen die es dort gab, kaum eine Auswahl. Meine Mutter entschied sich aber von dem ganzen Ostgeld einfach ein paar Kochtöpfe und Pfannen zu kaufen. Also hatten wir dann auf der Rückfahrt nach West-Berlin mindestens 5 Töpfe hinten im Kofferaum dabei. Aber ach! Bei der Ausreise sagte uns der Grepo-Zöllner das seien Produkte der DDR und entweder müssten wir jetzt noch eine Extra-Ausfuhrzoll-Gebühr bezahlen oder die Sachen dort lassen. Auf den Einwand meiner Eltern, dass wir dafür alle Rechnungen dabei haben und das alles ja bereits zwangsumgetauscht haben und jetzt einfach nur etwas von „unserem“ Geld gekauft hätten , wurde überhaupt nicht eingegangen. Lange Rede, kurzer Sinn, wir haben alles wieder ausgepackt und dort an der Grenze zurückgelassen. Meine Mutter, sonst eher ruhig und besonnen, war danach richtig sauer und nie wieder gut auf das Thema DDR zu sprechen…
Nebengeschichte: Wir waren im Magdeburger Ratskeller essen … Ich weiß noch das wir kurz an einem dunkeroten Vorhang auf den Einlasser warten mussten. Die Karte war ungewohnt und ich musste meine Eltern fragen was eine „Sättigungsbeilage“ ist. Außerdem wunderte ich mich über all diese richtig schräg krummen Preise (Bier 31 Pfennige, Sättigungsbeilage 76 Pfennige usw.) und das alles ziemlich „karg und kalt“ ausgestattet war.
„Wessi“-Klassenfahrt nach Usedom (Herbst ’91):
Die Straßen zur Ostsee waren so marode, dass die Busfahrt irgendwann nur noch der Horror war.
Der Zwischenstopp in Berlin, mit den obligatorischen und damals auch noch authentischen Sehenswürdigkeiten, verfehlte seine Wirkung nicht.
Und egal wo man vorbei kam, überall stank es nach verbrannter Braunkohle.
Alles war im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur grau.
Außer den Menschen!
Unsere Herbergseltern waren so lieb, fürsorglich und einfach nur happy, dass wir bei ihnen untergebracht waren, dass wir uns 1. super wohl gefühlt haben und 2. versucht haben, uns nicht wie die, für unser Alter zu erwartenden, Vandalen benommen haben.
Usedom klingt jetzt zwar nicht wirklich spannend für einen Teenager, doch dass ich mich heute noch sehr gut daran erinnern kann, sagt ja schon alles.
Dieses kleine Stückchen Post-DDR noch mitbekommen zu haben war und ist noch heute wichtig für mein Bild vom Osten.
Berlin war, hinsichtlich der Konsumgüterversorgung für die Bevölkerung der DDR, grundsätzlich besser gestellt, als der Rest der Republik. Leipzig zu den Messeterminen natürlich auch. Berlin – Adlershof war noch einmal eine ganze Hausnummer höher, besser, weiter versorgt, weil dort einerseits das Fernsehen der DDR produzierte und andererseits dort der Stab(!) des Wachregiments „Feliks Dzierżyński“ stationiert war, also höchste und hohe Kader des Ministeriums für Staatsicherheit. Tja die Genossen ließen sich nicht lumpen.