Ich habe ja ein ambivalentes Verhältnis zu dem, was angeblich Stil ist in Berlin. Also so die Bekleidungsgewohnheiten der hippen Ultraindividualisten (rofl) im Kinder- und Milchschaumparadies betreffend.
Einerseits sehen Playmobilfrisuren erstmal scheiße aus. Auch Gummistiefel dienen zunächstmal der Gartenarbeit und nicht dem Clubbesuch. Und wieso Omas Nachthemd über der Jeans getragen werden muss (wieso wird Omas Nachthemd überhaupt außerhalb Omas Schlafzimmer getragen???), ist mir auch noch nicht letztgültig dargelegt worden. Bei den allerallermeisten Kleidungsstücken, die ihren Weg in die Altkleidersammlung fanden, hatte das gute Gründe. Und: Die 80er des vergangenen Jahrhunderts haben kulturell zwar viel Gutes gebracht. Die damalige Klamotten- und Frisurenmode allerdings ist davon explizit ausgenommen. Neongelbe Stulpen und schwarzweiß-gestreifte Tops an rosalackiertem Gürtel verstoßen gegen die Haager Landkriegsordnung. Echt jetzt, das ist Folter.
Andererseits kenne ich ja durchaus liebe Menschen, die so herumlaufen (Deine Gummistiefel sind echt süß, Anne) und hab mich nach der ein oder anderen interessanten Schaufensterpuppe aus Prenzlauer Berg selbst schon mit Sabber im Mundwinkel umgedreht.
Auch geht mir an Moden grundsätzlich ihr elitäres Getue auf die Nerven. Fast immer bedeutet Hipness, dass mensch dazu extraschön sein muss, sonst sieht es nach billigem Hinterherlaufen aus, wenn sich der nicht ganz so perfekte Körper in die angesagten Schnitte und Stoffe presst.
Nicht so beim Berlin-Stil. Da ist hässlich das neue schön und das ist extrem demokratisch.
Scheiße aussehen können alle, niemand muss sich ausgegrenzt fühlen.

