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Holocaust-Doku: Night Will Fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen

Bildschirmfoto 2015-01-27 um 14.39.06

Vorhin schrieb ich: „Letzte Nacht lief im Ersten eine Doku über “Night Will Fall”, einem Film-Projekt Alfred Hitchcocks, mit dem er versuchen wollte, die unbegreiflichen Grausamkeiten des Holocaust irgendwie darzustellen. Ich habe die gesehen und sowohl mein Magen als auch mein Herz wollten mich danach nur schwer schlafen lassen.“

Nun ist die Doku doch online und kann hier noch bis zum 03.02.2015 in der ARD Mediathek gesehen werden. Sie lief allerdings neulich schon auf arte und wird dort übermorgen, Donnerstag, 29. Januar um 01:25 Uhr, noch mal wiederholt. [Triggerwarnung: Alles!]

Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen

Bei ihrem Vorstoß über Europa entdecken die Alliierten 1945 die ersten Konzentrationslager. Aus dem Entsetzen über das Bild der Grausamkeiten entsteht das Bedürfnis, alles zu dokumentieren. Britische, amerikanische und russische Kamerateams beginnen mit ihren Aufnahmen. Renommierte Regisseure wie Alfred Hitchcock und Billy Wilder werden beauftragt, aus dem Rohmaterial schonungslose Dokumente der Todeslager zu erschaffen. Als Teil der Psychologischen Kriegsführung sollen die Filme der deutschen Bevölkerung gezeigt werden.

Doch während die Amerikaner rasch mit einem kurzen Film an die Öffentlichkeit gehen, verzögert sich die Fertigstellung des britischen Films von Alfred Hitchcock. Und es ändern sich die politischen Vorzeichen. Unter dem Eindruck des beginnenden Kalten Krieges und der Wiederaufbaupläne für die westdeutschen Sektoren scheint es plötzlich nicht mehr opportun, die westdeutsche Bevölkerung nachhaltig mit ihren eigenen Verfehlungen zu konfrontieren. Der Film landet unvollständig in den Archiven, eine Filmrolle gilt bald als gänzlich verschollen.

Nach jahrelangen Recherchen und neu aufgetauchtem Material ist es dem Imperial War Museum nun gelungen, den Hitchcock-Film vollständig zu rekonstruieren. Er wurde im Rahmen der Berlinale 2014 erstmals öffentlich in Deutschland aufgeführt. Der Dokumentarfilm „Night Will Fall“ zeigt die Wiederherstellung des Hitchcock-Films mit den verantwortlichen Experten – und rekonstruiert zugleich mit Hilfe von Zeitzeugen – ehemaligen Lagerinsassen ebenso wie ehemaligen Soldaten und Kameraleuten – die Befreiung der Konzentrationslager 1944/45: Ungesehene Bilder und unerzählte Geschichten über eines der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts.
(Arte)

12 Kommentare

  1. Marco27. Januar 2015 at 15:23

    Ich habe sie auch gesehen und mit dem schlafen war dit ooch so eene Sache.Im Osten wurde man ja schon als Kind damit bombadiert.Die Bilder machen mich trotzdem immer noch traurig und wütend.
    Don´t forget!

  2. Andreas27. Januar 2015 at 15:24

    Habe nur kurz einen Ausschnitt sehen können – schon dieser hatte es in sich. Das kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen – zumindest nicht hier.
    Gut, dass das immer wieder thematisiert wird, diese Untaten dürfen nie in Vergessenheit geraten!

    Deutschland war der IS des 20. Jahrhunderts, das kann man ruhig so sagen…

  3. Dubs27. Januar 2015 at 16:47

    pure horror
    Neben den ohnehin schon unglaublichen Bildern, ist es auch wirklich hart die Interviewpartner, die das Filmmaterial zusammen getragen haben zu sehen, wie sie – bis heute – mit den Tränen kämpfen und kaum oder auch gar nicht darüber reden können.
    Der Grund, warum der Film dann doch nicht fertiggestellt und gezeigt werden sollte, ist vielleicht noch für damals begründet, aber heutzutage? Von dem Hitchcock Material kam doch vor ein paar Jahren einmal was. Hat das irgendjemand komplett?

  4. Blah Blahson28. Januar 2015 at 01:06

    Andreas,

    der IS mag morden, plündern, vergewaltigen und Weltherrschaftsansprüche hegen, aber bei der industriellen Vernichtung menschlichen Lebens sind sie dort glaube ich noch nicht angekommen. Die Verbrechen der Deutschen nehmen in ihrer Qualität und ihrem Ausmaß eine Sonderstellung ein. Ich begrüße große Vorsicht mit solchen Vergleichen.
    Kein Vergeben, kein Vergessen!

  5. Andreas28. Januar 2015 at 10:58

    Blah Blahson,

    Nunja, wenn man jeden Vergleich auf die Goldwaage legen würde…
    Ich mag solche Wortklauberei und Spitzfindigkeit nicht, da sie jeden Diskurs im Keim ersticken kann. Und der IS ist nunmal in seiner Wirkung, Ideologie und Brutalität sehr nah dran am Deutschen Reich.

    Letztlich geht es doch aber darum, dass alle die, die jetzt so laut gegen den Islamismus wettern, nicht vergessen sollten, dass Deutschland vor nicht allzulanger Zeit eine ähnlich finstere Rolle gespielt hat. Und da ausgerechnet aus diesen Reihen die Relativierer und Möchtegernvergesser kommen drängt sich einem dieser Vergleich doch geradezu auf.

  6. mal kucken (28.01.2015) | framerate28. Januar 2015 at 13:59

    […] >text holocaust-doku: night will fall – hitchcocks lehrfilm für die deutschen und dieser teil unserer geschichte ist in seiner abartigkeit so einzigartig, dass er gar nicht vergessen werden kann (das kfmw) […]

  7. Regine Heidorn28. Januar 2015 at 22:22

    Mich haben die Bilder ehrlich gesagt nur bedingt mitgenommen, das mag daher kommen, daß ich mich seit meiner Jugend nicht viel, aber intensiv damit beschäftige, um das begreifen zu können. Und da waren keine Bilder, die ich nicht vorher schon gesehen hatte (dabei wurde mir beim ersten mal übel).

    Mitgenommen hat mich zum Beispiel ein Besuch in Sachsenhausen, von dem ich mich 3 Tage nicht erholen konnte. Als ich dann Bilder aus Sachsenhausen in einem Film sah, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten.

    Direkt nach Night Will Fall habe ich mir Claude Lanzmanns Shoah angeschaut, kann ich nur jedem an’s Herz legen. Der Film enthält keinerlei Arichvmaterial, beleuchtet die Abläufe jedoch in verschiedenen Zeugenaussagen (auch Täter, teilweise geheim gefilmt, und Mitläufer, die Frau, die als Siedlerin ins Wartheland (Treblinka) zog, deren Mann der Nazi-Dorflehrer war, widerte mich unglaublich an).

    Interessant an Night Will Fall fand ich jedoch die beabsichtigte Machart des Films, um Manipulationsvorwürfen vorzubeugen.

  8. bono bo29. Januar 2015 at 19:35

    wer von euch,ich glaub ich bin doch cool,oder ich bin sonst nicht so mainstreem,brainwashed bugs,wer von euch war damalls dort….keiner …..also !!!!!!

  9. Seiffert7. Februar 2015 at 22:21

    Hey, schon erschreckend wie manche hier mit dem Thema umgehen. SOllte der Film nicht für alle zugänglich gemacht werden? Irgendwie findet man nichtmal einen Stream mehr.

  10. Wolfgang Mäder30. Januar 2017 at 13:06

    Auch ich habe es gesehen. Auch wenn wir „in der DDR bombardiert“ wurden. Solche Filme sollten offen gezeigt werden! In Weimar wurde der Farbfilm gezeigt, wo viele in Ohnmacht vielen.
    Heute ist Buchenwald ja „harmlos“ – zitiere Herrn Knigge „Ich will die Greueldaten nicht schmälern, aber Buchenwald war ja keine Vernichtungslager“
    Ob dieser Direktor der Gedenkstätte die Orginalberichte kennt!?
    Ich schäme mich für solche Äuserungen!

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