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Schlagwort: Me

Kurze Pause vorbei

Das ist kein Aprilscherz.

Dann gehst du in der Annahme einer Magenschleimhautentzündung zum Arzt und verlässt ein paar Tage später mit der Diagnose Herzinfarkt das Krankenhaus. So kann es gehen. So habe ich also auch das hinter mir, auch wenn ich darauf gerne noch 10 Jahre oder mehr hätte warten können. Dass es irgendwann mal dazu kommen könne, war mir aufgrund der familiären Gesundheitsgeschichte klar. Dass es jetzt schon soweit war, überraschte mich dann doch – und doch ist es überraschend okay für mich. Merke jetzt erst, wie beschissen es mir in den letzten Monaten hin und wieder ging, ohne das zu diesen Zeitpunkten einordnen zu können. Es war halt normal und ich dachte, das müsse wohl so. Nie an Blutdruck, Zucker, Cholesterin, Herzkranz-Gefäße oder ähnliches gedacht – zumindest nie konkret. Ein Fehler, wie sich nun rausstellte.

Ich ging, als in meinem Bewusstsein, gesunder Mensch zum Arzt und gehe nun nach einer Herzkatheteruntersuchung, einem eingesetzten Stent und mit jeder Menge Medikamente, die ich täglich nehmen muss, nach Hause. Aber immerhin habe ich die Möglichkeit, die Medikamente noch nehmen zu können. Es hätte auch ganz anders kommen können, wurde mir gesagt.

Diese „keine Zeit“ für einen Arztbesuch, die eigentlich immer auch eher die Angst vor einer Diagnose war, hätte ich mir als Zeit doch schon früher nehmen sollen, dann hätte ich mir das hier vielleicht ersparen können. Diese Schmerzen, diese Panik, diese Scheißangst. Jetzt muss ich regelmäßig. Jetzt muss ich mein Leben ändern – und das nicht nur ein bisschen. Und ich hab ein bisschen Schiss davor, das so tatsächlich auch konsequent auf die Reihe zu bekommen. Ich könnte anderes behaupten, aber das wäre dann gelogen.

Ein bisschen kürzer treten. Arbeit, Stress, Feierei. Von allem etwas weniger. Weniger von all den Sachen, die bisher soviel Spaß machten. Anders wird es wohl nicht gehen. Und ja, das wird mir nicht sonderlich leicht fallen. Aber ich werde mich bemühen, dem gerecht zu werden. Auch weil ich sehr, sehr gerne lebe und sehr gerne auch noch lange bleiben will, so denn das denn möglich ist. Als trage ich dazu bei, was ich dazu beitragen kann. Im Moment geht es mir wahnsinnig gut und ich will, dass das so bleibt. Das auch deshalb, weil mich ein tolles Team von Ärztin und Pflegekräften betreut hat – muss man ja auch mal sagen.

Was ich noch loswerden will: Bei all dem Hass, der im Netz um- und auch an mir nicht vorbeigeht, wurde mir in den letzten Tagen ausschließlich Liebes zu Teil. Es gab hunderte Kommentare, Nachrichten und Mails, die mir gute Besserung und Genesung wünschten. Hätte ich nicht gedacht – und das macht mich dankbar. Das ist außerordentlich toll. Danke dafür! Da fällt mir dann auf, dass hier ja tatsächlich noch viele Menschen mitlesen und ihr keine Bots seid.

Und geht mal hin und wieder ruhig zur Vorsorgeuntersuchung, auch wenn ihr dafür eigentlich „keine Zeit“ habt. Ich habe die jetzt regelmäßig.

Hier mache ich einfach da weiter, wo ich letzte Woche aufgehört habe. Mögt es oder nicht. Ist ja meins. ;)

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Kurze Pause

Es ging mir die letzten Tage nicht sonderlich gut. Gestern Abend so schlecht, dass ich einen Arzt konsultierte, der mich heute Morgen mit dem Verdacht auf Magenschleimhautentzündung in seine Praxis bat, um einige Tests zu machen.

Darauf folgten 3-4 verschiedene EKG, 6 Blutabnahmen und eine Einweisung ins Krankenhaus. Morgen früh erwartet mich eine Herzkatheteruntersuchung. Wer mich kennt, weiß wie schwer mir das alles fällt, aber es nützt nichts. Vielleicht kommt jetzt dieser „zweite Teil“ des Lebens. Der, in dem andere Sachen Spaß machen sollen.

Ich hoffe, das alles dauert nicht all zu lange und wird nichts allzu kompliziertes. Bleibt mir gewogen – ich melde mich.

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Was ich an meinem eigentlichen Job immer noch sehr liebe

(Ich im Alter meines heutigen Klientels. Das sieht heute besser aus, weil die geilere Kameras haben.)

[Eigentlich sollte das nur ein Tweet werden, der dann aber zu lang wurde, wobei ich einen Thread hätte draus machen müssen, was ich nicht wollte, denn ich habe da ja so ein Blog. Ne.]

All jene, die den Jugendtreff, in dem ich arbeite, besuchen, sind komplett und von Grund auf verschieden. Das ist nicht in allen Clubs so, war mir aber immer wichtig. Ich hab kein „Cliquen-Klientel“ derer, die eh immer zusammenhängen. Hatte und wollte ich nicht nie ausschließlich.

Da sind die Kids aus Syrien, die den Laden seit fünf Jahren fast täglich besuchen und mittlerweile deutscher sind, als alle um sie herum, was mitunter ziemlich anstrengend ist – für mich.

Da sind jene, die draußen „entwicklungsverzögert“ gelabelt und auf ihre Weise alle originell sind, was draußen leider anders und meistens nicht positiv wahrgenommen und dargestellt wird. Dort gelten sie als „gehandycapt“.

Da sind die „Coolen“, die Abitur haben oder gerade daran arbeiten, es zu kriegen, wobei viele von ihnen mit einem – im Verhältnis zu den anderen – goldenen Löffel im Arsch geboren wurden. Brands kaufen, reisen und es sich meistens besser gehen lassen, als die anderen es können. Jene, die ich in ihrem Alter verachtet habe und denen wir als Clique von Working Class-Kids auf ihrem Heimweg damals die Caps abgezogen haben.

Und da sind die leider viel der zu wenigen Mädels, die dort so sind, wie sie sein wollen. Sein können. Ohne Kompromisse eingehen und ohne sich erklären zu müssen.

Sie und mit mir wir treffen uns dort täglich. Reden, spielen, entwickeln Ideen, setzten Projekte um, lachen, streiten, dissen und gegenseitig und manchmal pöbeln wir uns voll. Alle miteinander. Manche gegeneinander.

Und dennoch lacht niemand irgendwen einfach nur mal so aus. Keiner versucht, sich über irgendwen anderen zu erheben. Alle lachen mit- und nicht übereinander.

Ich habe in den letzten 15 Jahren da ziemlich gute Kids erwischt. Vielleicht habe ich auch einfach nicht alles falsch und manches richtig gemacht. Weil ich in meiner Arbeit die Idee eines solchen Treffs grundlegend genau so verankern wollte, damals.

Heute war wieder einer dieser Samstage, an dem all diese jungen Menschen zusammenkamen. Ohne vorher zu wissen, dass sie heute so zusammenkommen würden. Anmeldungen für Derartiges waren das letzte Mal zu Zeiten der SMS verbindlich. Seit WhatsApp geht jegliche Verbindlichkeit sämtliche Bäche runter, aber damit muss man arbeiten. Der Zeitgeist verlangt danach. Ich bemühe mich.

Wir spielten ein Fifa-Turnier. Alle gegeneinander. Wir waren ernsthaft, wollten gewinnen. Wir lachten viel, kochten, sprachen, rauchten (zu viel), und kamen ganz wunderbar in ganz viele Gespräche. Wenig über- aber dafür viel miteinander. Alle.

Und so lange das so bleibt, liebe ich meinen Job und mache ihn gern. Das war ein toller Tag, Kids.

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Liebes Tagebuch,

sehr schönes Wochenende.

Gestern die Besten der Besten hier gehabt. Wintergegrillt. Es gab Schaschlik, russisch, also nur mit Fleisch. Von und am Feuer. Und Gurkensalat, russisch süß-sauer mit jeder Menge Dill. Das alte MacBook Pro aus dem Jahr 2009 ins Jahr 2019 geholt. Fürs Studio. Das nächste Woche kommende Dendemann Album in Dauerschleife gehört – und sich instant darin verliebt. Könnte schon jetzt zu den besten Alben des Jahres 2019 gehören. Viel getrunken, viel gesprochen, viel gelacht.

Jetzt Frikassee nach Oma. Und gebloggt wie vor 13 Jahren.

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13 Tage auf Brač

So. Nach 15 Tagen sind wir dann gestern wieder zu Hause angekommen. Gut 1500 Kilometer, die wir hin und zurück mit dem Auto hinter uns brachten, trennen uns nun von einem wundschönen Urlaubsort auf der kroatischen Insel Brač. Dort hatten wir im letzten Jahr schon ein paar Tage verbracht und währenddessen Internetfreunde besucht, die dort seit ein paar Jahren ihre Sommer verbringen. Sie haben diese charmante Ferienwohnung in dem kleinen, traumhaft schönen Ort Pučišća. Der machte uns beim letztjährigen Besuch so an, dass wir recht schnell entschieden dort auch gerne mal ein paar Tage verbringen zu wollen, was wir nun eben taten. Am Ende blieben wir 13 Tage – so lange wie wir noch nie zuvor an einem Ort urlaubten. Eigentlich bleiben wir seit jeher immer nur 3-4 Tage irgendwo und ziehen dann weiter. Für Pučišća planten wir 10 Tage und blieben ob der dort Ruhe verströmenden Atmosphäre doch noch etwas länger.

Auf dem Hinweg machten wir, wie in den letzten beiden Jahren auch schon, bei einem Freund nähe Graz halt, gingen gemeinsam wieder in einen der dort unzähligen Buschenschanken essen, tranken, redeten und fielen nach 10 Stunden Autofahrt ins Bett.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf den Weg nach Brač, auf dem man durch durchaus karge, steinige und sehr heiße Landschaften Kroatiens fährt, wenn man Slowenien hinter sich gelassen hat. Das zieht sich mitunter. Von Split aus ging es dann mit der Autofähre rüber nach Supetar, dem größten Ort auf der kroatischen Insel Brač, wo wir im letzten Jahr ein paar Tage verbrachten. Runter von der Fähre, rauf auf den Parkplatz und erst mal ins Meer. Das Wasser so klar, wie ich es selten anderswo gesehen habe. Angekommen. Durchatmen. Sonne. Strand. Gin Tonic.

Von Supetar ging es dann im Sonnenuntergang noch mal 40 Minuten ins etwas abgelegene Pučišća, das nach zwei dutzend zu nehmenden Serpentinen aus dem Nichts aufzutauchen scheint. Ab vom Massentourismus liegt das Hafenstädtchen verschlafen in einer windstillen Bucht.

Überhaupt liegen viele der kleinen Städte auf Brac an wunderschönen Buchten. Weißer Kalkstein ziert die alten Fassaden und lässt einen schnell fühlen, dass man im Süden angekommen ist, wo unter alten Kiefern, Oliven- und Feigenbäumen immer etwas mehr Sommer als zu Hause ist.

Ich mag es sehr, auch im Urlaub nicht darauf zu verzichten kochen zu können und so war ich sehr froh, dass in der Ferienwohnung eine Gasgrillplatte zu Verfügung stand, an der ich mich austoben konnte.

Während ich mit Kind 2 endlich mal wieder Netflix guckte, waren die Frauen des Hauses im Stadion bei Hajduk Split. Was die halt so machen bei 35°C im Schatten.

Die Tage vergingen, wie immer im Urlaub, viel zu schnell, ich gewöhnte mich sehr daran, nicht viel mehr zu tun, als zu schlafen, zu baden, zu essen und zu trinken. Das Internet wurde mir von Tag zu Tag egaler, was ich so von mir eher gar nicht kenne. Die Tage und vor allem der ruhige Ort ließen mich förmlich runterfahren. Kurztrips ins überlaufene Bol oder in das noch überlaufenere Makaskar sorgten für nötige Abwechslung, auf die ich im Fall von Makaskar auch gern hätte verzichten können. Der vollste Strand, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Hilfe!

Anders als sonst hatten wir in all den Tagen nicht das Bedürfnis, noch irgendwo anders hinzuwollen. Lesen, entspannen, den Gott einen lieben Mann sein lassen hat uns völlig gereicht und das Gefühl einer echten Erholung aufkommen lassen. Mit einem Tränchen im Auge verabschiedeten wir uns am Dienstag früh von der Insel, nahmen ein letztes Bad im Meer, während wir auf unsere Fähre nach Split warteten, und machten uns auf den Weg nach München, wo Kind 2 sich eigentlich mit einer Internetbekanntschaft treffen wollte, was dann aber irgendwie ausfiel.

Wir nahmen uns vor, noch eine Nacht in Spittal an der Drau in Kärnten zu verbringen, um die Fahrt nach München nicht in einer Tour fahren zu müssen. Alles war gut und wir guter Dinge, bis die Frau des Hauses fragte, wo eigentlich ihr Personalausweis sei.

Eine gute Frage. Eine sehr gute Frage, die leider keiner zu beantworten wusste, was ein bisschen blöd ist, wenn man in den nächsten 24 Stunden vorhat, drei Grenzen zu überqueren. Also hielten wir auf irgendeiner Raststätte auf einem Gebirgspass, wo es keinen Schatten, dafür aber 37°C gab und nahmen auf der Suche nach dem Ausweis das komplette Auto so auseinander, wie man es von früheren Schikanekontrollen an der innerdeutschen Grenze aus Filmen und Berichten kennt. Kein Koffer blieb unausgeräumt, keine Tasche undurchwühlt. Den Ausweis fanden wir nicht. Doof. Immerhin aber wussten wir nach gut 45 Minuten, wie sich ein Spieß im Dönergrill wohl fühlen muss. Die Garstufe medium hatten wir locker erreicht.

Ich informierte mich darüber, was in einem solchen Fall der offiziell zu beschreitende Weg ist. Polizei, Verlustanzeige, Meldung bei der Deutschen Botschaft im Verlustland und von dort dann vorläufige Ersatzpapiere bekommen. Zagreb lag 300 Kilometer weit weg und wir hatten eigentlich beide nicht vor, da jetzt noch irgendwie durchs Land zu tüddeln, um neue Papiere zu besorgen. Also nahmen wir an, dass es mit ein wenig Gesprächswillen und einem Führerschein auch schon so irgendwie klappen würde, über die Grenzen zu kommen. Ist doch EU und alles. Was soll da schon schiefgehen? Die erste Kontrolle führte von Kroatien nach Slowenien und wir gingen beide davon aus, dass das der schwierigste Part werden würde.

Die Zollbeamten sprachen gutes Englisch und wir erklärten, dass wir erst just in diesem Moment festgestellt hatten, dass der Ausweis nicht da sei und fragten auf ganz blöd, ob es denn nicht auch der Führerschein täte. Wohl weißlich, dass dem eigentlich nicht so ist. Der kroatische Zollbeamte zögerte erst und belehrte uns dann darüber, wie wichtig es doch sei, seinen Ausweis immer dabei zu haben. Wir nickten und gaben ihm in allen Punkten allumfänglich Recht. Ich hätte auch genickt, wenn er mir gesagt hätte, dass die Welt eine Scheibe sei. Er winkte uns durch zu seinem slowenischen Kollegen, sprach kurz mit dem, woraufhin auch dieser anfing uns lange zu belehren. Wir nickten wieder brav und versprachen ihm, nie wieder ohne Ausweis an seiner Grenzkontrolle aufzutauchen. Er winkte uns durch. Puh. Geschafft.

An der österreichischen Grenze wurden wir wie fast alle PKW mit deutschem Kennzeichen einfach durch gewunken. Lediglich Autos mit Kennzeichen aus Süd- und Osteuropäischen Ländern wurden genauer geprüft.

In Spittal an der Drau checkten wir im Hotel ein, gingen mexikanisch essen, kurz noch in den Hotelpool und fielen in die besten Betten, in denen wir je geschlafen haben. Zum ersten Mal seit 14 Tagen bei unter 25°C. Traumhaft.

Und dann war der Urlaub auch schon vorbei. Die Sache mit dem Treffen in München zerschlug sich an dem Abend und wir traten auf direktem Weg die Heimreise an, auf der man uns auch an der Deutsch-Österreichischen einfach durchwinkte. Wir standen noch kurz knöcheltief im Chiemsee und sehr lang im Stau bei München. Nach gut 10 Stunden hieß es dann:

Wir haben uns selten so erholt, wie in diesem Urlaub. Einfach mal alles runterfahren, keine Kommentare lesen. Solltet ihr mal Ähnliches machen wollen und Kroatien anpeilen, fahrt nach Brac, meidet Supetar und Bol, sucht euch in einem der kleinen Örtchen ein Zimmer und tiefenentspannt mal. Ich kann mir nur schwer einen besseren Fleck dafür vorstellen.

Ich genieße jetzt noch die Resttage Urlaub und ab nächste Woche läuft die Kiste hier dann wieder nach Plan.

Randnotiz: fast alle der Fotos sind mit dem Huawei P20 Pro gemacht wurden und ich fasse es nur schwer, was Dingen für Fotos rausgibt. Holy moly.

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rbbs Brandenburg aktuell mit icke

Letzte Woche war der rbb bei mir, also zwei von denen. Wir haben uns übers Internet im Allgemeinen und über das Blog hier im Speziellen unterhalten. Außerdem habe ich kandierte Nüsschen sortiert, bevor ich sie gegessen habe, und auf dem Feld ein Loch gegraben. Fragt nicht! Was man als Blogger halt so macht. Dummerweise habe ich vergessen, darauf zu bestehen, dass sie beim Senden „das Blog“ sagen, aber dann vielleicht beim nächsten Mal.

Hier der Link zur Mediathek.

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Betrunkene Mainzerin fährt aus Versehen nach Dresden – kann ich auch, nur in kleiner

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(Regionalbahnhof Borkheide, Endboss)

Ich habe eine ziemlich lange Nacht hinter mir. Ich ging gestern um 22:00 Uhr im Berliner Umland arbeiten. Aufpassen, dass die ortsansässige Jugend eine Techno-Party im Dorf gut übersteht. Um kurz vor 05:00 Uhr heute Morgen machte ich Feierabend und ging zum dortigen Regionalbahnhof. Das Kaff hat wenigstens einen Bahnhof, was 40 Kilometer vor Berlin schon als Privileg durchgeht. Währenddessen quatschte ich mit dem Kollegen und auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig fuhr ein Zug ein und wieder aus. Wir quatschten weiter – war ja der andere Bahnsteig. Der Kollege ging und ich wunderte mich, wo denn nun mein Zug blieb, der eigentlich schon hätte kommen sollen. Kam aber nicht. Ansagen gab es keine und ich dachte, der würde dann wohl ausfallen. Das passiert manchmal da draußen. Manchmal kommt ein Zug halt einfach nicht. Sagt auch keiner was durch. Es war kalt, so um die 0 C°. Fuck. Immerhin hatte ich noch 88% Akku auf dem Phone. Genug, um sich damit ablenken zu können. Ich lass ein paar Artikel zu Fidel Castro und fror. Ich hasste – mal wieder – die Deutsche Bahn, was ich immer tue, wenn im Winter Züge nicht fahren, und fragte mich – mal wieder – wo all die beheizten Wartehallen hin sind, die ich aus meiner Kindheit noch kenne. Die alten Bahnhofsgebäude stehen da neben den Bahnhöfen so rum und hätten solche Räume, weil die genau dafür mal gedacht waren, aber sie vergammeln, diese Bahnhöfe, sind verbarrikadiert und bieten keine wärmende Obhut mehr. Schon lange nicht mehr. Rechnet sich wohl nicht. Ein paar dunkelblaue Schilder, die du nachts ohne Licht kaum sehen kannst – und am Licht spart man auch – und diese Lautsprecher, über die Infos aus irgendeiner, irgendwo sitzenden Zentrale kommen, sollen die alten, damals Wärme schenkenden Bahnhöfe ersetzen. Da stand dann immer noch eine Person hinterm Schalter, verkaufte Fahrscheine und wusste zu informieren.

Kann nicht mal irgendwer eine Fotoserie davon machen, wie all diese Wartesäle von damals heute so aussehen?! Bitte für den Tipp, gerne geschehen.“

Ich lief so auf und ab, fror, hasste die Deutsche Bahn. Dann, eine Stunde später, kam endlich der Zug, mit dem ich dachte fahren zu müssen. Dummerweise musste ich feststellen, dass dieser in genau die andere Richtung fuhr und ich Idiot seit einer Stunde auf dem falschen Bahnsteig auf meinen Zug wartete. Als ich das realisierte, dachte ich so, na dann mal fix auf die andere Seite rüber, dort müsste mein Zug genau jetzt einfahren. Was dann auch passierte. Allerdings schaffte ich es nicht mehr, denn dieser Gedanke überschnitt sich mit dem Einfahren des Zuges, der der meinige gewesen wäre. Als ich auf dem anderen Bahnsteig ankam, war der schon weg. Also noch eine Stunde warten. Ich hatte noch Akku, ich hatte immer noch ungelesene Artikel zu Fidel Castro, die alle irgendwie interessant und auch durchaus kontrovers waren. Ich lief also wieder auf und ab, fror und hasste nicht nur die Deutsche Bahn, sondern in dem Moment irgendwie alles. Dachte über Trump und die AfD nach, was irgendwie auch nichts wärmer machte – es war scheiße kalt. Ich hasste auch kurz die Infrastruktur, die junge Menschen aus Käffern wie diesen treibt, weil dort im Winter um diese Zeit irgendwie alles scheiße ist. Vor allem, wenn du endlich in dein Bett willst!

„Einer der Gründe, warum Kids das Ländliche verlassen: die völlig im Arsch seihende Infrastruktur. Züge fallen einfach mal weg und du musst eine Stunde auf den nächsten Zug in die Stadt warten, der dann vielleicht auch mal nicht kommt. Ohne, dass der bekloppte Lautsprecher auf dem Bahndamm darauf hinweisen würde. Wenn Du Glück hast. Kein Wunder also, dass die alle das Ländliche verlassen wollen, sobald die 18 sind. Weil hier draußen so gar nichts funktioniert und deshalb alles scheiße ist. Es ist so kalt hier draußen gerade.“

40 Minuten später kam dann endlich der Zug, der mich in meine Stadt bringen würde. Landeshauptstadt von Brandenburg, in der um diese Zeit dann schon wieder ein bisschen was fährt. Und wenn nicht – und wenn du Glück hast – bekommst du vielleicht ein Taxi. Ich wähnte mich in weniger als einer Stunde im Bett, stieg in den Zug, laberte den Zugbegleiter bezüglich eines Anschlussfahrscheins voll, den er nicht bezahlt haben wollte, setzte mich auf einen leeren „Vierer“ und genoss die Wärme, die mein Körper dankend aufzunehmen begann. Nach zwei Stunden des Frierens und der Warterei würde ich in 17 Minuten aus dem Zug in eine Straßenbahn steigen, dann an derer Endstation für 7 Minuten in einen Bus und kurz darauf ins Bett gehen können. Sonntag, nichts tun, nicht frieren, arschlecken. Dachte ich.

Gut 50 Minuten später wachte ich auf, als der Zug gerade aus dem Bahnhof Zoo in Berlin rausfuhr. Am Berliner Hauptbahnhof stieg ich aus und hasste alles Alles noch viel mehr als Alles zuvor. Was für eine Scheiße!

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Ich Ticket bis Potsdam gezogen, postwendend zurück in den Regio und nach dorthin gestiegen, wo mich die Frau des Hauses mit einer Wärmflasche und frischen Brötchen empfing. Beste Frau der Welt. Odyssee beendet, mal eben vier Stunden für 40 Kilometer gebraucht. „Doller Morgen“.

Und das alles, nachdem ich gestern erst las, dass eine Studentin in Mainz besoffenen in einen Bus Jusos aus dem Saarland gestiegen ist und erst in Erfurt wieder aufwachte. Ich lachte da sehr drüber und bin am Ende froh darüber, heute Morgen nicht erst in Wünsdorf aufgewacht zu sein, was die Endstation meines Zuges gewesen wäre.

„Morgens um halb acht, etwa vier Stunden später, steuerte der Busfahrer einen Rastplatz in Erfurt an. Hier wollten die Jusos frühstücken, bevor es weiter nach Dresden ging. „Fuck, wo bin ich hier?“, schallte es plötzlich durch den Bus. Die Mainzerin war aufgewacht und merkte, dass sie nicht in ihrem Bett lag, sondern in einem Reisebus, rund 300 Kilometer entfernt davon. „Sie war total verkatert und wusste nicht, was abgeht“, erzählt Brück.“

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(via Karolin)

Dabei war ich nicht mal besoffen! Nur müde, halb erfroren und genervt von allem.

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Über das hier – und icke

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Ich habe mich letzte Woche mit Luise getroffen. Wir hatten Kaffee und eine gute Zeit. Luise schreibt für die MAZ, die meine Eltern im Abo hatten, als sie noch „Märkische Volksstimme“ hieß und von allen „Mäckerstimme“ genannt wurde. Wir sprachen über das, was ich hier so mache: Blog als Schatzkiste und Ventil – Das ist der Kopf hinter „Kraftfuttermischwerk“. Der Text hat zwei-drei Fehler, aber das ist nicht weiter schlimm. Zum einen heißt es bei mir immer noch „das Blog“, zum anderen brauche ich zum Musikmachen nicht „Kopf und Geld“ sondern „Kopf und Zeit“ und auf Facebook moderiere ich anders als hier nichts. Dort blockiere ich jene, die bedrohen und beleidigen. Hier kommen die nicht mehr durch.

Denn ganz am Anfang von „Kraftfuttermischwerk“ stand ein Bandprojekt. Kraak hatte damals noch drei Freunde an Bord, die, wie er auch, in Teltow aufgewachsen sind. Ihrem Projekt wollten sie ein bisschen heimische Identität verleihen und benannten es deshalb nach dem ehemaligen DDR-Kombinat „Kraftfuttermischwerk“, das in Teltow ansässig war. Kraak hatte damals in Teltow eine große Wohnung, die er zum Teil in ein richtiges Studio verwandelte. Dort probten, mixten und improvisierten die Jungs eine Weile ihre House- und Downbeats-Musik. Als das Gemeinschaftsprojekt irgendwann auseinander brach, machte Kraak alleine weiter.

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10 Jahre

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Vor genau 10 Jahren veröffentlichte ich meinen ersten Blogpost. Damals noch auf Blogspot, wie ich hier vor fünf Jahren schonmal ausführlicher schrieb. Ich hatte eigentlich viel vor dafür und dann doch keine Zeit. Ich bin die Tage auch hierfür auf dem Lollapalooza in Berlin unterwegs und komme auch deshalb zu genau gar nichts. Ich hätte gerne 24 Mixe für 24 Stunden gehabt, aber das nicht anleiern können. Zeit fließt und so. Also kürze ich das ab:

Ich liebe den Scheiß, den ich hier täglich mache. Ich hatte damals keine Ahnung, wo das alles mal hinführen würde. Ich habe mich mal über 23 Leser am Tag gefreut. Am Ende macht auch ihr das zudem, was das hier ist. Danke dafür. Und das tägliche Gehate, das ich hier nicht durch die Moderation lasse, nehme ich dafür doch ganz gerne in Kauf. Ihr seht super aus! Fast alle!


(Direktlink)

Wenn es an euch nicht liegt, mache ich hier noch 10 Jahre weiter. Mindestens.

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Was ich nur mal kurz über Tischtennis loswerden wollte, eigentlich

Ich habe in meiner Kindheit/frühen Jugend allerhand Sportarten durchprobiert. In die Schule kamen regelmäßig irgendwelche Trainer in braunen ASV-Trainingsanzügen vorbei und suchten beim Sportunterricht nach fähigem Nachwuchs für die von ihnen trainierten Sportarten.

Zuerst kamen die Fußballtrainer. Fand ich damals schon doof – Fußball war einfach nie mein Sport. Dementsprechend dämlich stellte ich mich bei der Sichtung an. So, dass man mich auf gar keinen Fall fragen würde, ob ich mit den anderen Jungs nicht mal zum Fußballtraining kommen wollen würde. Wollte ich nicht. Da gingen, zumindest damals, nur die Deppen hin, die alles, was auch nur annähernd rund war für einen Fußball hielten und dagegen traten. Die, die ich halt damals nicht ganz so gerne mochte.

Danach kamen die vom Kegeln und vom Schach. Für die machte ich wohl eine annehmbare Figur, so dass die mich beide zum Training einluden. Um „mal zu gucken“ und so. Machte ich. Bei beiden.

Kegeln fand ich okay, fand es aber furchtbar befremdlich, dass dort eine ganze Menge alter Menschen zusammenkamen, die an „ihrem Wurf“ arbeiten wollten. Ich war sieben oder acht und wusste mit denen nicht so wirklich umzugehen – die waren 40 + und somit war das nicht mein Sport.

Schach war super! Schach mag ich bis heute sehr gerne und spiel das auch regelmäßig noch. Dienstlich zumindest. Aber so richtig Sport war das ja auch keiner und imponieren konnte man damit schon mal so gar keinem. Außer vielleicht später im Ferienlager den russischen Komsomolzen. Aber das wusste ich ja vorher nicht und war auch nicht im Sinne von Adam Riese.

Irgendwann kam der Handballtrainer und nahm mich aus dem Stand mit. Handball war großartig. Handball war schnell, es gab viele Tore und man musste nicht ewig über so ein Großfeld hampeln, wie das beim Fußball der Fall war, wo alle schon nach nur einer Halbzeit mit raushängender Zunge in die Kabinen trabten. Also wurde ich Handballer. Am Ende wurde daraus Leistungssport mit 3-4 mal die Woche Training und Punktspiel am Wochenende. Mal Heim- mal Auswärts. In den Ferien Trainingslager und Freundschaftsspiele auf Republikebene. Sieben Jahre lang.

Wir waren für unsere Kleinstadtherkunft eine der besten Mannschaften und nicht wenige Großstädter wollten bei uns spielen, weil sie wussten, dass sie dort Großes erreichen könnten. Wir führten regelmäßig die damalige Kreisliga-Tabelle an – und die Kreise in der DDR waren groß. „Großes erreichen“, hieß in dem Fall, von dort aus auf eine der großen Sportschulen weitergereicht zu werden, um von dort aus wiederum eine Karriere zwischen Sport und Armee anstreben zu können. 1987-1988 konnte ja keiner wissen, dass das politisch alsbald hinter die Binde gekippt werden würde. Also versuchten viele, beim Spiel die beste Figur überhaupt zu machen, und in Brandenburg oder in Frankfurt Oder auf der Sportschule zu landen. Am Ende war ich Torwart. Ein guter auch.

Über die Jahre verlor sich die Idee der „Karriere“. Mich nervte es, freitags nicht „V – Die außerirdischen Besucher kommen“ sehen zu können, weil ich zu der Zeit beim Training im Tor stand. Und überhaupt ging ich nur noch hin, weil vor uns die Mädchen trainierten, was wir uns sehr gerne ansahen. Wobei wir immer über die Fußballer lachten, die in diesen Genuss bei ihrem Training nicht kamen, weil es damals kaum Mädchen gab, die leistungsorientiert Fußball spielten. Die gab es nur bei uns und die spielten qualitativ in der selben Liga wie wir Jungs.

Irgendwann zerknallte ich mir beim Training die Knie, Mädchen wurden auch außerhalb der Hallen wichtiger als Handball und die Wende klopfte schon leise an die gesellschaftliche Tür. Ich ließ das mit dem Leistungssport, der ein paar Monate später im Osten sowieso komplett wegbrechen sollte. Die Mauer war fiel – wer sollte da schon noch an Training denken? Wir hatten jetzt Skateboards.

Irgendwann zwischen diesen Jahren ging ich einmal zum Boxtraining, was mich interessierte, wo mir aber einer, der 20 Zentimeter größer war als ich, dermaßen die Fresse polierte, weil mir die Maske vor die Augen rutschte und ich nichtssehend durch den Ring schwankte, so dass ich daraufhin darauf auch keine Lust mehr haben wollte. Tat ja auch ein bisschen weh.

Beim Tischtennis schaute ich immer dann gerne rein, wenn ich selber mal kein Training hatte. Mit eigener „Soft-Kelle“, wie wir das damals nannten. Ohne Noppen und ohne das Gefühl, mit einem Stullenbrett auf die leichten Bälle zu kloppen. Tischtennis war super. Und ästhetisch, finde ich bis heute. Leistungssport sollte das nicht werden, aber ich spielte auch dann noch regelmäßig Tischtennis, als ich es mit Sport schon lange nicht mehr hatte. Im Schwimmbad, in dem wir kollektiv unsere Sommer verbrachten, in den Wohnvierteln zwischen die Häusern, wo immer Platten aus Beton standen, im Jugendclub. Ja.

Was ich aber eigentlich und viel kürzer schreiben wollte: Warum ich Tischtennis mag.

Darum:


(Direktlink, via reddit)

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