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Berliner Bäckerin (82) sucht Nachfolger

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(Symbolfoto: Pixabay)

Mein Vater hat einst den Beruf des Bäckers gelernt und dann dennoch (leider) nicht in diesem gearbeitet. Genau genommen hatte er seit dem auch nie wieder wirklich gebacken. Zu wissen aber, dass er diesen Beruf mal gelernt hatte, hat in mir das Bewusstsein fürs Handwerk geweckt, weshalb ich auch mal eine Handwerkerausbildung zum Maler/Lackierer in meinen Lebenslauf packte. Ein Bewusstsein, das heute vielen Menschen total abgeht. Handwerk heißt meistens leider: unbequeme, körperliche Arbeit zu Frühaufsteherzeiten, die zu dem noch beschissen bezahlt wird. Fast keiner der vielen jungen Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, denken über eine handwerkliche Arbeit nach. Klar, mit der lässt sich nun mal leider eine Familie selten gut ernähren. Versteh ich. Heute wollen alle was mit Medien machen und dabei für so wenig Aufwand wie nötig so viel Geld wie möglich verdienen.

Dabei sind gerade Handwerksberufe nicht unwichtig. Wer schon kann sich selber eine komplette Heizungsanlage installieren? Die Stromversorgung komplett selber klemmen? Eine Decke auf Stoß tapezieren?! Richtig… Kaum wer. Geht ja schon beim Brötchenbacken los.

Waltraud Balzer arbeitet seit über 30 Jahren in ihrer Bäckerei in Berlin Mitte. Nun würde sie verständlicher Weise gerne mal in Rente gehen und ihren Laden in die Hände des Nachwuchses legen wollen. Allein, sie findet keinen jungen Bäckermeister, der ihren gut laufenden Laden und vor allem ihre Rezepte übernehmen wollen würde (Link zu Springer). Und so wird aus guter, alter Handwerkskunst eben „schnell mal Brötchen vom Zulieferer in der Bahnhofsbäckerei aufbacken und als frisch verkaufen“.

In der Familie gibt es niemanden, der die Tradition weiterführen könnte. „Ich war durch meinen Beruf so eingespannt, dass ich nie eine Familie gegründet habe“, sagt Balzer. Wer die Bäckerei übernimmt, bekommt auch ihre „Schatzkiste“, eine Pappschachtel mit Rezepten. „Das ist uralt Lavendel“, sagt Balzer im Berliner Slang. Aber eigentlich ist ihr Geheimnis einfach: „Keine Chemie und dafür ein Pfund Butter mehr in den Teig.“

15 Kommentare

  1. Annika26. Juli 2016 at 22:04

    Irgendein Ali wird sich schon finden, der die Rezepte natürlich NICHT übernimmt und dort irgendwelches Fladenbrot für seine Leute backen wird.

  2. Ronny26. Juli 2016 at 22:13

    Okay, Annika, Ich hau Dich und deine xenophobe Kackscheiße jetzt hier mal raus. Such Dir einfach einen anderen Spielplatz zum Trollen. Bye.

  3. Photoshop Philip26. Juli 2016 at 22:15

    Ich mach was mit Medien und würde nicht gerade sagen dass man dort so gut bezahlt um problemlos eine Familie zu ernähren… weswegen ich bis jetzt noch keine Kinder in die Welt gesetzt habe… vermutlich verdient man als Handwerker sogar mehr wenn ich sehe was ein Elektriker die Stunde kostet und was die Leute bereit sind zu zahlen für eine Stunde „design“. Und by the way.. ich backe sehr viel und auch regelmäßig am Wochenende frische Brötchen… nur ich wohne nicht in Berlin… sonst wär ich ja schon versucht meinen schlecht bezahlten Job einzutauschen gegen „seelenfrieden“

  4. Ali26. Juli 2016 at 22:19

    Was ist das denn für ein Hirnriss?
    Hier über Ali und Fladenbrote meckern, aber an der nächsten Ecke nen Döner verdrücken. Ja ne ist klar :)

  5. Photoshop Philip26. Juli 2016 at 22:27

    Ronny… gern!

  6. Bunsen Brenner27. Juli 2016 at 04:02

    Das Problem ist, dass der Nachfolger wohl schon Probleme damit haben wird, die Miete aufzubringen, die er dann dort zahlen soll! Ich kenne den Laden schon lange, noch aus einer Zeit, als Mitte noch nicht „hip“ war… Ich wette, beim Wechsel schlägt der Vermieter ordentlich zu und dann ist Sense mit „Handwerkskunst“ und „Tradition“… Wenn die Frau aufhört, dann kommt dort eben der einmillionste Shop für Poser, Touris und Selbstdarsteller mit Kohle hin. „Alte Handwerkskunst“ interessiert doch einen Immobilienentwickler oder Investor einen Dreck, der sieht: „Sophienstrasse! Mitte! Kohle!!!“…

  7. Johanna27. Juli 2016 at 08:21

    Auch im Handwerk gibt es Licht und Schatten … Maurer und Friseure, aber auch Schreiner und Elektriker. „Handwerk hat goldenen Boden“ – und wer ein wenig im Kopf hat (nicht nur in den Händen oder Beinen), kann sehr viel daraus machen. Also bei der Nachfrage/Knappheit an wirklichen Könnern kann ich zumindest ich sehr wohl ableiten, dass Handwerk a) wertgeschätzt und b) verdammt gut bezahlt wird. Als jemand der „was mit Medien“ macht, aber auch ein altes Handwerk in der siebten Generation in der Familie hat kann ich sagen: Ein jeder Beruf lebt von der eingebrachten Leidenschaft. Jammern über das vermeintliche eigene Elend hat noch keinen weitergebracht.

  8. teekay27. Juli 2016 at 10:48

    Ich glaube, dass es um mehr geht als ‚wo verdient man mehr Geld‘; jeder Beruf, jede Industrie hat ihre Routinen, schon klar, aber es gibt neben körperlicher Arbeit und ‚frueh aufstehen‘ eben auch noch die Gefahr von Monotonie-was machste, wenn du nach ein paar Jahren die Kniffe raushast? Trotzdem 6-7 Tage raus und die gleichen 3 Brote backen, dass 37. Waschbecken installieren und die 63. Kueche fliesen. Sicher, es gibt den Spezialschreiner der ueber’s Internet seine Handwerkskunst anbieten kann, aber es gibt auch die ’normalen‘ Handwerker, die ueber Vergleichswebseiten in Konkurrenz stehen-immer bereit und flexibel-und schön wenig verlangen. Es sagt sich einfach zu jungen Leuten die mit schnellen Abwechslungen und ‚instant Gratification‘ aufgewachsen sind-‚mach‘ mal 3 Jahre Lehre, arbeite 5 Jahre als Geselle und dann kannste ja einen Meisterbetrieb aufmachen‘ wenn Geld, ‚Sexyness‘ und Abwechslung scheinbar in anderen Bereichen sind. Und machen wir uns nichts vor: ‚Oma’s Rezepte‘ sind gut und schön, aber in Mitte muessen eben 17 Allergien und 14 Essgewohnheiten einbezogen werden. ‚Einfach mehr Butter‘-ist halt nicht mehr 1977…

  9. Bunsen Brenner27. Juli 2016 at 13:10

    teekay:
    …Und machen wir uns nichts vor: ‚Oma’s Rezepte‘ sind gut und schön, aber in Mitte muessen eben 17 Allergien und 14 Essgewohnheiten einbezogen werden. ‚Einfach mehr Butter‘-ist halt nicht mehr 1977…

    Stimme Dir voll und ganz zu!

    Außerdem gibt es bei der Bäckerin bestimmt keinen koffeinfreien Latte macchiato mit Sojamilch… Und das ganze Gluten erst!!! ?

  10. robotron sömmerda27. Juli 2016 at 13:52

    „Ich war durch meinen Beruf so eingespannt, dass ich nie eine Familie gegründet habe“.
    1. Wenn man das so wollte, darf man sich nicht beschweren, wenn dann keiner mehr da ist.
    2. Wenn es wirklich gebraucht würde, würde sich auch jemand finden.

  11. Charly.Daniel und Christian27. Juli 2016 at 14:08

    Wir sind 3 Meister und würden uns den Laden gerne mal anschauen.Wer hat die Kontaktdaten.?

  12. Bakerman27. Juli 2016 at 16:23

    Is n geiles Angebot, in Mitte kannste die Schrippe für 80 Cent verkaufen. Wareneinsatz nichtmal 5 Cent. Ganz davon ab, wenn du so pseudo-faire Vegan- Soja- Palmöl-Tunke und ein bisschen Salat drauf klatscht, dann können es auch 4,50 sein. Stellst ne vollgemalte Else annen Tresen, machst n Pokestop und gibst an allen Hipster-Fronten Vollgas. Wäre ich heute in ner Situation vor 10 Jahren würde ich es machen, is ne Goldgrube…

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