Zum Inhalt springen

Kategorie: kfmw.stuff

Album Re-Upload: Das Kraftfuttermischwerk – Eingang nach draußen (2006)

[thn085]-00-das_kraftfuttermischwerk_-_eingang_nach_drau·en

Im März 2006 erschien auf dem in dieser Zeit besten aller weltbesten Netlabels die Debut-LP von damals noch Nico und mir. Auf Thinner kam die und hieß „Eingang nach draußen“. Wir schraubten lange daran, einiges davon wurde noch analog erzeugt. So war das damals halt.

Ich spiele einige der Nummern immer noch ganz gerne während meiner Live-Sets, habe das Album nach dem Schlussstrich von Thinner allerdings nie irgendwo anders hochgeladen. Es gibt „Eingang nach draußen“ nach wie vor auf Archive.org, aber ich weiß gar nicht, ob sich da überhaupt noch jemand hin verirrt.

Die Jungs von hearthis.at haben mir netterweise und unverhofft gestern einen einen Pro-Account zur Verfügung gestellt und so dachte ich, ich könnte das mit den Sets mal ausprobieren, was ich dann hiermit tat. Überhaupt will das alles ja auch ausgetestet sein. Läuft bis auf zwei, drei, Sachen, die noch verbesserungswürdig sind, ziemlich gut und an diesen arbeiten die Macher gerade noch. Ich weiß auch gar nicht, warum ich das nie auf Soundcloud geladen hatte, was ja auch irgendwie egal ist, jetzt eben hier.

Man hört den Nummern die 8 Jahre mittlerweile echt an, aber ich mag sie nach wie vor recht gerne. Leider sind mehr als 192 k/bits nicht drin, weil ich die gemasterten Tracks damals nie in höherer Qualität bekommen hatte, was mir heute ein bisschen leid tut, aber kann man nichts machen.

Und ja, es wird dann in diesem Jahr auch endlich wieder neue Nummern geben. Wann genau weiß ich noch nicht, aber es gibt für so was ja den Sommer.

Direktdownload als Zip: Downloadlink. Die einzelnen Tracks hier im Player.


(Direktlink, Offered under Creative Commons license BY-NC 2.0)

15 Kommentare

Hearthis.at als Alternative für Soundcloud?

Bildschirmfoto 2014-03-16 um 20.46.02

Ich hatte nie wirklich sonderlich viel über Soundcloud zu meckern. Zumindest seit dem ich meinen Pro-Unlimited-Account dort habe, für den im kommenden April wieder $99.00 fällig werden. Alles, was ich brauche, habe ich dort. Ausreichend Follower und moderate Klickzahlen. Allerdings hänge ich da nicht all zu häufig rum und mache dort auch nicht das, was man wohl „netzwerken“ nennen würde. Ich suche da auch sehr selten Musik, wenn ich ehrlich bin. Ich liebe den Player und mag es, dort hin und wieder Musik von denen hören zu können, denen ich folge und die ihre frischen Klänge gerade in die Cloud geladen haben. Mir persönlich reicht das. Dass dort hin und wieder einiges im Copyright-Filter hängen bleibt ist manchmal ärgerlich, gemessen an den AGBs von Soundcloud passiert das aber immer noch relativ selten. Soweit, so gut. Es gäbe für mich – abgesehen von den 100 Tacken im Jahr – nicht wirklich einen Grund nach einer Alternative zu suchen. Aber: grundsätzlich sind Alternativen immer eine feine Sache, die natürlich auch das Business beleben.

Mixcloud war meines Erachtens nie eine Alternative dazu. Der Player ist nicht sonderlich schön, kann bis heute keine Hüllkurve darstellen und die brauchten ewig, um überhaupt einen Player zu bringen, der mobil auch abrufbar war. Außerdem gab es nie die Möglichkeit, Sachen von dort auch direkt downloaden zu können. Zum Streamen also kann man Mixcloud nutzen, der Rest ist eher so naja. Einen Vorteil allerdings hatte Mixcloud dann doch: einen Algorithmus, der Tracks, die in Mixen verbaut wurden, automatisch erkannt hat und direkt dorthin verlinkte, wo es die Möglichkeit gab, die Nummer auch gleich zu kaufen. Außerdem ist Mixcloud nach wie vor für umme.

Nun steigt Hearthis.at mit in den Ring und will die Vorteile von Sound- und Mixcloud verbinden. Walter hat sich das für die Blogrebellen genauer angesehen, ich habe mich eben mal spaßeshalber registriert und einen alten Mix von Rudi und mir hochgeladen. Hearthis.at hat einen Player, der Hüllkurven kann und dazu noch verdammt gut aussieht. Mir ist der letztens schon bei Audite aufgefallen, ich habe allerdings nicht gepeilt, dass es sich hierbei tatsächlich um einen anderen Anbieter als Soundcloud handelt.


(Der Hearthis.at Player, Direktlink)

Offenbar kann Hearthis.at so einiges, worauf man bei Sound- und/oder Mixcloud lange vergebens gewartet hat:

Wer Soundcloud kennt, dem erschließt sich hearthis auf Anhieb. Uploads werden als Wellenform dargestellt. Man kann sie einbetten, in Sets packen, favorisieren und natürlich direkt auf einer bestimmten Stelle kommentieren. Das Herunterladen der Files ist, wenn der Uploader es erlaubt, im Gegensatz zu Mixcloud ebenfalls möglich. Soweit so bekannt. Der erste große Unterschied lässt sich finden, wenn man Musik auf die Server von Hearthis packen möchte. Hier steht nicht nur der klassische Upload zu Verfügung, sondern ein echter Knaller: Es gibt eine Import-Funktion. Das heißt, man kann Musik direkt von Sound-, Mixcloud, oder official.fm importieren und spart sich damit den Upload. Bei meiner arschlahmen Anbindung ist das ein echtes Killerfeature! MP3s, die man im Netz liegen hat, lassen sich natürlich auch direkt importieren. Bei Mixcloud-Import wird sogar direkt die Trackliste übernommen! Ausserdem kann man sich jede Artist-Seite als RSS-Feed ausgeben lassen. Hurra!

[…]

Überhaupt wurden von Mixcloud zwei der wichtigsten Feature übernommen. Das eine ist die automatische Musikerkennung, die wie bei Mixcloud auch dafür sorgt, dass Tracklistings automatisch geschrieben werden. Ich konnte die Funktion noch nicht ausgiebig testen, gehe aber davon aus, dass sie auf dem aktuellen Stand ist und der ist beängstigend gut. Das zweite Feature ist der der BUY-Button, der hinter jedem erkannten Track erscheint und der bei hearthis zu Beatport führt. Beatport ist sicherlich nicht meine erste Wahl, wenn es um Download-Shops geht, aber grundsätzlich begrüße ich sehr, dass Hearthis damit ein Statement a là “Kauft die Musik!” setzt.

Bildschirmfoto 2014-03-16 um 20.25.35 Bildschirmfoto 2014-03-16 um 19.54.05

Das hört sich natürlich in der Summe ziemlich geil an. Ein paar Bugs stecken da zwar schon noch drin (z.B. muss man beim Editieren des Profils ständig zwischenspeichern, damit nicht verloren geht), aber im großen und ganzen sieht das mehr als gut aus und hat m.E. durchaus das Zeug zu einer echten Alternative zu Soundcloud werden zu können. Zumindest im kleinen. Im großen dürfte Soundcloud tatsächlich zu viel internationale Künstler binden, die dort eben auch schon dröfhunderttausend Follower haben und die die 100 Tacken im Jahr nicht stören. Ich für meinen Teil werde diese im April noch mal zahlen und gucken, wie sich Hearthis.at entwickeln wird. Wenn die jetzt noch eine ordentliche App packen und nicht so eine Grütze, wie sie Soundcloud anbietet, könnte das richtig spannend werden.

Aber der einfache Free-Account kann bei Hearthis.at schonmal weit mehr, als der von Soundcloud. Natürlich nicht alles, aber wer alles will, kommt mit 24,00 EUR im Jahr vergleichsweise günstig davon.

Bildschirmfoto 2014-03-16 um 20.22.37


Das mit der automatischen Trackerkennung allerdings hat bei diesem Mix hier nicht geklappt, aber vielleicht habe ich auch einfach irgendwo ein Häkchen zuwenig gemacht, oder dieses übersehen.

[Update] Die automatische Musikerkennung dauert wohl immer ein bisschen, ist hierfür jetzt aber da. Leider stimmt die bei diesem Mix hier so gar nicht und/oder ist ziemlich lückenhaft. Da fehlt so einiges. Das aber kann verschiedene Gründe haben und ist so sehr wichtig vielleicht auch gar nicht.

23 Kommentare

Mix: Das Kraftfuttermischwerk – Unterwassermusik

unterwassermusik Kopie

Liquid Sound Club. Das war ganz schön dolle schön, da gestern Abend in der Toskana Therme in Bad Sulza. Ich habe vorher noch nie einer Unterwasserbeschallungsanlage (schönes Wort) bei der Arbeit zuhören können und war dementsprechend angetan. Man schwebt da so auf dem Rücken, den Kopf unter Wasser, in Salzwasser und hört Musik, die aus dem Wasser kommt. Toll. Wirklich.

Leider hatte ich dieses Vergnügen nur am Tage, da ich ja dann abends selber für die Musik zuständig war. Und am Tage läuft da eben schon auch mal dieser unsägliche Schlecker-Ambient, der halt schon mal auch sehr anstrengend sein kann.

Ich hatte dann die Zeit von 21:00 – 24:00 Uhr und fand diese ganz doll wundervoll. Das mache ich gerne mal wieder. Ich kann auch nur jedem raten, sich das mal zu geben. Tiefenentspannung galore. Soviel ist klar.

Hier drei Stunden Lieblingsmusik. Mit ganz viel Ambient, Piano, Gesang und mit noch viel mehr Liebe. Passend zu einem Sonntagabend. Ja.


(Direktlink)

Tracklist:
Protogroup – Anahata
Stina Nordenstam – Little Star (B-Zet Mix)
Union Jack – Water Drums
Rheyne – Ambient Jam 2
The XX – Angels
Shigeto – Miss U
OM Unit – The Silence (feat. Jinadu)
krill.minima – Nautica
Sven Weisemann – Xine VI (Harbor Lights)
Synthetic Epiphany – Timelapse
Bonobo – Eyesdown (feat. Andreya Triana)
Ephemeral Mists – Automatic
Whitney Houston – I Wanna Dance With Somebody (Stumbleine Remix)
Eocene Nine – Want You
Aphex Twin – Rhubarb
Submotion Orchestra – Hard to Stay
Submerse – Keepoised
Shigeto – Silver Lining
Bonobo – Sapphire
Saafi Brothers – Touched by an Angel
Owsey & Dustin Christensen – Carry Me, Ohio
Das Kraftfuttermischwerk – Fluss ins Nichts
Das Kraftfuttermischwerk feat. Bastai – Am Wolkenberg
Ghosts Of Paraguay – Once Again feat. CoMa
Bon Iver – Blood Bank (JacM Remix)
Agnes Obel & Lulu Rouge – Riverside (Lulu Rouge Remix)
London Grammar – In for the Kill (Originally by La Roux)
Manu Shrine – Ananda
Soular Order – Trust
Stumbleine – If You
Jeremih – Fuck u all the time (Shlohmo Remix)
Orlogin – Through Walls
Robots Don’t Sleep – So Bad (Synkro Vocal Mix)
Submotion Orchestra – 1968
Joy Division – Love Will Tare Us Apart (Ghosts Of Paraguay Re – Edit)
Nils Frahm – You
Desolate – Desolation
Kim Guy sings Stina Nordenstam – So This Is Goodbye

14 Kommentare

60 Minuten im Gespräch über mich und das hier: Rot-Cast 01

Anfang letzten Jahres fragte mich Björn, ob ich nicht Lust und Zeit hätte bei ihm vorbeizukommen und mit ihm über das zu reden, was ich so mache. Leben, Familie, Beruf, Arbeit, Musik, Internet, alles. Eigentlich nahmen wir uns vor, das Gespräch innerhalb von einer Stunde rumkriegen zu können. Am Ende tranken wir flaschenweise Wein und sprachen vier Stunden. Am Ende waren wir sehr betrunken und ich sagte Sachen, die ich eigentlich nicht veröffentlicht wissen will. So Dinge über den immer noch laufenden HGM-Prozess zum Beispiel. Oder Dinge über Blogs, die ich so gar nicht leiden mag. Björn versicherte mir, dass so zurecht zu schnippeln, dass derartige Sachen im Verborgenen bleiben würden. Letzte Woche schickte er mir den Link zu der jetzt öffentlichen Version. Ich hatte nicht die Zeit, das zu hören, vertraue ihm aber und bin mir ziemlich sicher, dass das hier frei von Aussagen ist, die ich Morgen nicht wieder so tätigen würde.

Das Ding lag jetzt ein Jahr auf Halde, weil der Weg der Veröffentlichung ein anderer sein sollte und irgendwie nicht so recht klappen wollte. Wie auch immer: manche Dinge müssen auch reifen.

Hier eine Knappe Stunde über mich, irgendwie. Danke an Björn für seine lieben Worte. Viele in diesem Internet kennen mich ja nicht.

An dieser Stelle möchte ich Ronny noch mal ausführlich danken. Die Terminvereinbarung, das Treffen und das Gespräch waren so unkompliziert und angenehm, dass ich das gleich noch mal machen würde. Ohne Aufnahmegerät und nur mit Rotwein. Wahrscheinlich würde ich noch was kochen. Das sagt viel über Ronny als Mensch. Unkompliziert, offen, humorvoll, tolerant aber dabei ganz und gar nicht oberflächlich. Auch wenn das Blog vielleicht vermuten lassen könnte, das sich der Mann dahinter nur über Internetunsinn und Technomusik definiert. In vielen Momenten unseres Gesprächs konnte ich eine Ernsthaftigkeit und Tiefe erkennen, die mich beeindruckt hat. Denn neben seiner humorvollen, entspannten und einfühlsamen Art, gibt es auch eine harte und kompromisslose Seite, vor allem wenn es um rechtes Gedankengut und entsprechende Kommentare auf Kraftfuttermischwerk geht. Das ist eine spannende Charaktereigenschaft, denn dadurch gibt es Ecken und Kanten, an denen man sich reiben kann. Diese Reibung erzeugt Wärme, die wiederum ein Gefühl der Geborgenheit erzeugt. So gesehen ist Ronny also ein durchaus streitbarer Mensch, mit dem man sich aber beim Streiten wohl fühlen kann. Allerdings möchte ich ihm als Nazi weder körperlich noch verbal gegenüberstehen – da hat man sicher nichts zu lachen. Und das ist auch gut so.

Ronny ist Musiker und DJ, ist als Blogger im Netz zu Hause, aber kommt durch seine Arbeit als Sozialpädagoge auch mit vielen anderen Lebensbereichen in Kontakt. Außerdem ist er als Vater zweier Töchter den Wirrungen und Irrungen des Elterndaseins mit heranwachsenden und pubertierenden Menschen ausgesetzt. Diese Dichte an Lebenserfahrung und Leidenschaft spürt man im Gespräch. Die Vielfalt der Themen, der Interessen und der Sichtweisen machen Ronny wahrscheinlich auch zu einem interessanten Blogger. Denn beim Kraftfuttermischwerk werden nicht nur Faultiergifs gepostet, es gibt durchaus kontroverse Postings und klare Stellungnahmen – ohne das dafür viel Text notwendig ist. Das gefällt nicht jedem, aber um Gefallen geht es eben auch nicht. Das Karftfuttermischwerk ist Ronnys Wohnzimmer und wir dürfen ihn alle besuchen. Da findet dann eine ziemlich unterhaltsame Party statt, manchmal besinnlich, manchmal ein bisschen melancholisch – aber auf jeden Fall ist immer gute Musik dabei! Wer einen schlechten Tag hat, bekommt ein Faultiergif mit Glitzer, wer dummdreist rumpöbelt, muss eben damit rechnen rauszufliegen. Das Kraftfuttermischwerk ist wie Ronny – ein echt guter, ehrlicher Kumpel, den man immer weder gerne besucht.


(Direktlink)

Und wir sollten das mit dem Wein wirklich noch mal machen, Björn. Bald.

9 Kommentare

Samstag: Liquid Sound Club, Toskana Therme, Bad Sulza mit Icke

promo_basu_0314

Ich werde am Samstagabend in einem Rahmen Musik auflegen, den ich mir so schon immer mal gewünscht habe, der sich aber bisher leider so noch nicht ergab. Und zwar geht es in die Toskana Therme, in Bad Sulza. Dort wird es drei Stunden Unterwassermusik über eine Unterwasserbeschallung von mir geben, die sich die geneigten Zuhörer auch tatsächlich unter Wasser geben können, was mir ob der Technik ja verwehrt bleibt, was aber auch egal sein wird.

Ich sortiere seit Tagen Musik, die ich für genau so einen Rahmen als angemessen empfinde und freue mich wirklich sehr darauf. Ab 21:00 Uhr werde ich dort die Wellen zum sanften Schwingen bringen. Wer in der Nähe ist und Bock auf derartiges hat, packt sich einfach die Badeschlüppa ein und guckt da mal lang.

Wer von weiter weg anreisen, sei auf das Weekender Übernachtungsangebot hingewiesen (habe ich nämlich auch), hier geht es zur Buchung des Angebots. Abendtickets für Kurzbesucher gibt es auch, dann direkt an der Kasse, Preise dazu findet ihr hier.

Wem das alles zu weit und überhaupt zu nass und/oder zu doof sein sollte, kann sich dennoch gerne per Stream die Chose von der Couch aus zu Gemüte ziehen. Es wird auf jeden Fall sehr ambient und mit musikalisch gedämpften Licht. Steh‘ ick sehr druff – wissta ja.

6 Kommentare

Sotschi (2)

Sotschi2 (51 von 56)

Die Eröffnungsfeier war wie erwartet eher so naja. Das ist einfach nicht so das meinige. Dieses nationale Geschwurbel macht für mich nirgendwo auf der Welt irgendeinen Sinn, auch nicht in Russland. Immerhin aber haben die damals Nazi-Deutschland besiegt, weshalb ich ihnen das nachsehe. Und die feiern sich hier wirklich wie die geilste Sau schlechthin. Man könnte meinen, die improvisierten Spiele sind einzig dazu da, sich als Volk selber zu feiern. Und so improvisiert die baulichen Begleitumstände auch sein mögen, so technisch perfekt inszeniert war das gestrige Opening. Da wurde kein LED-Lämpchen und kein Laser Scanner auch nur irgendeinem Zufall überlassen. Wer sieht im dunkeln schon, dass auf den Klos immer noch die Silikonfugen fehlen. Da heißt es Prioritäten setzen.

Dieses ganze pompöse Gedöns ist einfach nicht so meine Baustelle, auch wenn es schon so ein bis zwei „Wow-Momente“ gab. Habt ihr das mit dem Hammer und der Sichel gesehen? Ich fühlte mich an die Pioniernachmittage in der POS erinnert. „Wow-Moment“. Ansonsten war ich etwas betrübt, dass ich mir in dem Stadion das nicht enden wollende Variete-Theater angesehen habe, während draußen die geilste Pyro-Action überhaupt durch die Luft ballerte. Ich liebe Pyros.

Sotschi2 (13 von 56) Sotschi2 (14 von 56) Sotschi2 (15 von 56) Sotschi2 (16 von 56) Sotschi2 (18 von 56) Sotschi2 (19 von 56) Sotschi2 (20 von 56) Sotschi2 (21 von 56)

Sicherheitsmäßig lief alles fließend. Also fließend ausziehen, sich fließend abtasten lassen (immer noch sehr zärtlich), fließend die DSLR auseinandernehmen und wieder fließend zusammenschrauben. Dass man ein iPhone nicht öffnen kann zumindest war nun schonmal klar.

Bissl Aufsehen erregte die Tochter, die sich dachte, „Nehme ich doch einfach mal meine Federtasche mit ins Stadion.“ Warum auch immer. Da die Russen allerdings damals den Kugelschreiber-Revolver erfunden haben, wollten die nun jeden Stift auseinandernehmen. Klar. Für größeres Tara in Form von gleich sechs Sicherheitsbeamten allerdings sorgte ihr Taschenlocher, der auch locker als Zünder hätte durchgehen können. Was weiß denn ich, warum sie Derartiges mit auf so eine Veranstaltung nimmt. Vermutlich fragten sich die Abtaster genau das auch – solange bis einer von ihnen verstand, was ein Taschenlocher sei. Heute hat sie dann bei einer Kontrolle noch mal mit ihren Armbändern „gepunktet“, die ständig im Scanner gepiept haben. Auf dem Rückweg dann mit ihrer Kaugummi-Dose. Keine Ahnung, wie sie das immer hinbekommt.

Heute waren wir in Sotschi Centrum. Riesig und irgendwie großstadtmäßig uncharmant. Der Hafen war schön, dass die Bahn aber von hier ein halbe Stunde lang direkt hinter dem Kieselstrand am Schwarzen Meer langtuckert und man quasi am Strand auf seine Bahn wartet, war noch (mindestens) sieben Mal schöner als das.

Sotschi2 (55 von 56) Sotschi2 (54 von 56)

Ansonsten ist die City nicht sonderlich wunderschön. Viel Glas, viel vermeintlicher Luxus, viel unschöne Seitenstraßen. Ich glaube, wir hätten es mit unserem Hotel in Adler kaum besser erwischen können. Urig scheint es hier zu sein, etwas alltäglich auch. Wie das hiesige Leben eben so spielt und trotzdem nur 100 Meter bis zum Meer.

Man findet sich so ein, gewöhnt sich an das bisschen Zeitverschiebung und verdrängt, dass man eigentlich schon wieder kurz vor Heimreise ist. Deshalb eben noch mal 300 Gramm Schaschlik vom Spieß mit 200 Gramm Zwiebeln und georgischer Soße mit Chili, Knoblauch und frischem Koriander am Strand reinhauen – könnte ja das letzte Mal sein.

Sotschi2 (56 von 56) IMG_3734

Sonst noch was erwähnenswert? Ja. Als wir gestern aus dem Stadion kamen, brannte oben im Gebirge ein Stück des Waldes. Keine Ahnung, warum und weswegen, es fiel eben nur auf. Während in den letzten Tagen die Flugzeuge stets nur rechts und links an uns vorbei flogen, schienen sie gestern kreuz und quer über das komplette Arial zu fliegen. Sie hinterließen unzählige Kondensstreifen und allerschönsten Sonnenschein. Diesbezügliche Zusammenhänge? Sicher nur rein zufällig.

Sotschi2 (5 von 56) Sotschi2 (4 von 56)

Stefan, ein Tüp aus Mönchengladbach, der ausgewiesener Borussen-Fan ist, öffnet in einem Stau auf der Autobahn schon mal per Hand die Tür des Busses, wenn er pissen muss und der Busfahrer sich weigert, ihn dafür raus zu lassen. Da stören ihn auch die 57 Bullen auf der Strecke nicht. „Pippi machen muss man“, sagt er. Ich denke an die Lokalmatadore, pflichte ihm bei und latsche ihm einfach auf dem Standstreifen der Autobahn hinterher. Ebenso wie der gesamte Rest der Truppe.

Als wir da gestern im Stadion saßen, sagte ich Putin, dass ich Teile seiner Politik total beschissen finde und einen furchtbar bösen Blogartikel darüber schreiben würde, um daran was zu ändern. Er saß 1000 Meter von mir weg und hörte mich nicht. Zumindest tat er so. Der Auftritt von t.A.T.u, der als Warm Up im Stadion statt fand und vielleicht als Versuch der Relativierung zur homophoben Politik Moskaus gedacht war, war dann auch eher Kuchenbacken im Sandkasten als ein wirklich, wohl so gedachtes, taktisch kluges Statement. Mehr als Händchenhalten war nicht. Also nach dem Motto: „Wir lassen hier sogar Lesben auf die Bühne!“, aber nur wenn sie da nicht explizit zeigen, wie lesbisch sie tatsächlich sind. Die beiden haben sich den Abend sicher gut bezahlen lassen. Wenn ich das richtig gepeilt habe, haben sie einen ihrer Songs auch für die Olympia-Hmyne der russischen Mannschaft zur Verfügung gestellt. Nun ja, nichts die Welt bewegendes.

Was gefehlt hat? Dass tatsächlich irgendwer aus irgendeinem Team die tatsächliche Regenbogenfahne rausholt, während damit ins Stadion gelaufen wird. Jetzt ausgerechnet dem Deutschen Team dieses Vorhaben aufgrund ihres Outfits andichten zu wollen, was ja einige gerne taten, ist leider total lächerlich. Kein Design hier ist so bunt und regenbogenartig wie das offizielle des russischen Kleidungsaustatter. Dahinter kann sich nicht nur die Klamotte der deutschen Mannschaft verstecken. Sondern sogar die Regenbogenfahne selber. Viele Farben machen eben noch lange keine Toleranz. Leider. Reichen aber, dass so mancher das Deutsche Team genau dafür feiert. Ja.

Sotschi2 (26 von 56)

Noch was? Ja, ich habe drei Sorten Vodka probiert. Alle super. Was bei uns der Whiskey an Platz in den Regalen einnimmt, bekommt hier der Vodka. Ich finde das ja angemessen. Natürlich.

v (1 von 1)

Morgen geht es dann zum Skispringen. Haha. Ich und Skispringen! Als Kind guckte ich das immer gerne mit meinem Vater. Ich stellte mich dann währenddessen immer auf einen Stuhl und immer wenn ein Springer von der Schanze abhob, sprang ich eben dazu von diesem Stuhl. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Sotschi2 (53 von 56) Sotschi2 (52 von 56) Sotschi2 (50 von 56) Sotschi2 (49 von 56) Sotschi2 (48 von 56) Sotschi2 (47 von 56) Sotschi2 (46 von 56) Sotschi2 (44 von 56) Sotschi2 (43 von 56) Sotschi2 (42 von 56) Sotschi2 (41 von 56) Sotschi2 (40 von 56) Sotschi2 (39 von 56) Sotschi2 (38 von 56) Sotschi2 (37 von 56) Sotschi2 (35 von 56) Sotschi2 (34 von 56) Sotschi2 (33 von 56) Sotschi2 (32 von 56) Sotschi2 (30 von 56) Sotschi2 (28 von 56) Sotschi2 (27 von 56) Sotschi2 (25 von 56) Sotschi2 (24 von 56) Sotschi2 (23 von 56) Sotschi2 (22 von 56) Sotschi2 (11 von 56) Sotschi2 (10 von 56) Sotschi2 (9 von 56) Sotschi2 (8 von 56) Sotschi2 (7 von 56) Sotschi2 (6 von 56) Sotschi2 (3 von 56) Sotschi2 (2 von 56) Sotschi2 (1 von 56) IMG_3688

Und wenn ich groß bin, mache ich doch noch einen Führerschein und kaufe mir eines dieser russischen Autos! <3

Sotschi2 (29 von 56) Sotschi2 (31 von 56) Sotschi2 (12 von 56) Sotschi2 (36 von 56) Sotschi2 (45 von 56)

Und unten in der Russendisko unterm Fenster läuft gerade russischer Chanson. Nach einem Tag, der wie Frühling war. Liebe.

[Disclaimer: Weil ja schon gemunkelt wurde, ich würde mich für derartige Artikel vielleicht sogar vom Russen kaufen lassen: Nein. Ich bin in Sotschi, weil P&G die Reise dorthin bezahlt hat. Dass ich darüber schreibe, war keine Bedingung des Deals (nicht mal erwünscht) und ich tue das deshalb total privat, ebenso freiwillig und sogar sehr gerne. Dass ich eine große Schwäche für Russland an sich habe, ist kein Geheimnis. Das ich dafür viel zu selten hier bin, vielleicht. Dass andere viel lieber ganz woanders hinfahren auch nicht, aber das kann ja nicht mein Problem sein.]

30 Kommentare

Sotschi (1)

Da bin ich nun am Schwarzen Meer, sitze in einem Hotel, welches seinen Platz ziemlich genau zwischen der Ein- und Ausflugschneise des doch überschaubaren Flughafens hat. Alle zehn Minuten kommt ein Flieger rein, alle zehn Minuten geht einer wieder raus. Immer im Wechsel. (Flieger kommt rein.) Ein großes Linienflugzeug, ein kleiner Jet in Art einer Fokker, oder dieser kleinen Privatjets, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Immer im Wechsel und schon so ziemlich tief über dem Kopf. Der Flughafen ist ziemlich nahe dran, wir sind hier ziemlich zentral untergebracht.

Sotschi1 (11 von 31)

Sotschi zieht sich gut 100 Kilometer an der Küste entlang und das hier ist wohl nicht mal in der Nähe des eigentlichen Zentrums. Aber es fühlt sich so ein bisschen so an. Wir sind heute in 9 Stunden gefühlt 25 Kilometer gelaufen. (Flieger geht raus.) Diesen Teil der Stadt gibt es offensichtlich schon seit langer Zeit. Nicht, wie in der Nähe des Olympia Parks, wo fünf ganze Stadien auf relativ engem Raum nebeneinander stehen, was ein perfektes Ziel abgeben könnte und nicht wie in der Nähe das Bahnhofs Sotschi Adler, der auch erst neu gemacht wurde. Wir sind hier genau dazwischen, hier ist alles lange schon so. Bis auf die Fassaden der direkt am Strand stehenden charmanten Ferienwohnungen mit Seeblick, die man aktuell immer noch auf neu zu polieren versucht, obwohl klar ist, dass das bis Morgen nicht mehr zu schaffen ist. Man versucht da jetzt so Fliesenplatten an die Fassaden zu hängen. Zweifarbig. Unten Weiß und oben in so einem Terrakotta-Braun. Ganz mediterran und so. (Flieger geht raus.) Wir sind schließlich am Schwarzen Meer, vielleicht erwarten das einige dort so. (Flieger kommt rein.)

Sotschi1 (26 von 31)

Dabei schadet das ein wenig dem charmanten Flair. Die Wohnungen wirken eben nicht so, als wären sie nur einer privilegierten Schicht vergönnt, sondern auch denen, die es allgemein nicht ganz so dicke haben. Zumindest hier. Kleine aneinandergereihte Bungalows mit zwei Etagen, die obere mit Meerblick. Weiter Richtung Olympia Park sieht das schon ganz anders aus. Neubauten neben Neubauten auf mehreren Etagen. Einige davon noch nicht ganz fertig, die, die fertig sind haben so große Fensterfronten, dass man weiß, was da jede Menge Geld für hinzulegen war. Ganz am Fuße: Mc Donalds. (Flieger kommt rein.)

Überhaupt lebt dieser kleine Stadtteil von seinem Charme. Viele kleine bis ganz kleine Häuser, die über die Jahre hinweg irgendwie zusammen improvisiert worden sind. Mit überdachten Terrassen und Palmen im Garten. So, wie ich das in Montenegro schon kennengelernt habe oder auch im Umland von Neapel sah. Wir scheinen offenbar Glück gehabt zu haben mit der Lage unseres Hotels – oder andere Pech. Hier sieht es womöglich schon lange so aus, Ausnahmen bestimmen das Stadtbild.

Ich habe am Rande mitbekommen, (Flieger geht raus.) dass sich irgendwelche Journalisten über die baulichen Zustände der Stadt oder besonders dem ihrer Hotels lustig machen und ihre Berichterstattung darauf beschränken. Hätten die Pfeifen sich irgendwo gediegen und nicht nur Olympia-fokusiert eingebucht, hätten sie das womöglich nicht (Flieger kommt rein.). Aber das würde der doch so gerne herausgekehrten westlichen Arroganz wohl kaum Futter geben. Mag ja sein, dass das kurz lustig war – mittlerweile erscheint es zumindest mir ziemlich albern.

Schließlich sind wir in Russland. Improvisation gehört hier zum Lebensgefühl, Bauschaum ist alles und Olympia fängt schließlich Morgen erst an! Das heißt, die Jungs und Mädels haben noch gut 22 Stunden Zeit fertig zu werden. Die werden sie nutzen. Und die werden sie auch brauchen, selbst wenn dann noch so einiges liegen bleiben dürfte. Aber so what?!

Hier wird jetzt noch fleißig Rollrasen gelegt, es werden Primeln gepflanzt und Palmen in die Erde gegraben. Manche Baustellen, die schon als Shopping-Meile in den Olympiakarten verzeichnet wurden, hat man jetzt unfertig aufgegeben. Die müssen bis nach Olympia warten. Jetzt wird sich hier auf das Wesentliche beschränkt. Alles soll irgendwie schön aussehen und wenn das nur von weitem der Fall ist. (Flieger geht raus.)

Die Olympiastätte an sich macht einen fertigen Eindruck, offenbar stand das darum gebaute Sicherheitssystem als aller erstes. Überall in der Stadt stehen Bullen. Und ich meine wirklich überall. Auf Kreuzungen, vor Hotels, neben Bahnlinien, unter Autobahnbrücken, am Strand. Also überall meint wirklich überüberall. An Knotenpunkten kommt dann noch Armee dazu. In Vollausrüstung bewaffnet. Im Olympia Park selber laufen dann auch noch Spezialeinheiten Streife. Man will hier nichts an- bzw. abbrennen lassen. Ob das ein sicheres Gefühl gibt? Nein. Eher im Gegenteil, aber Präsenz scheint hier zum Sicherheitskonzept zu gehören. Was sollen sie auch machen? Ich wette, dass selbst oben in den von hieraus sichtbaren Gebirgszügen alle 200 Meter ein Posten steht, um zu verhindern, dass irgendwer von da aus Ziele ins Visier nehmen könnte. (Flieger geht raus.) Dass genau das hier ein Thema ist, lässt sich nicht übersehen. Selbst in die Bahn kommt man nur mit einer Sicherheitsschranke mit Metal-Scanner und Abtasterei. In die Stadien sowieso. Aber die Wachen sind zärtlich bisher. So viel ist auch noch nicht los, was sich allerdings Morgen ändern dürfte. Dazu hat jeder, der dann irgendwo rein will, einen auf sich personalisierten Besucherpass, ohne den hier gar nichts geht. Ob das Morgen noch so sein wird, wenn aus den 100en Zehntausende werden, ist fraglich, aber ich gehe davon aus, dass die alles daran setzen werden, ihre Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Und Geduld wird hier zur Tugend. Für eine Eintrittskarte muss man schonmal eine Stunde anstehen. Haben wir heute gemacht (Flieger geht raus.) und keiner scheint sich daran zu stören, zumindest keiner der russischen Besucherinnern.

Ansonsten essen wir hier abends sehr russisch in einer alten Kantine am Strand, die primär russisch besucht ist, und kiloweise Fleisch am Spieß vom Grill mit einer Apfeltomatensoße anbietet, nachdem man irgendwie kommunizieren konnte, was man haben wollte, und haben furchtbar reduziertes Frühstück. (Flieger kommt rein.)

Dafür gibt es Birnenbrause, einen halben Liter ziemlich guten Vodka für 4 Euro und direkt unterm Fenster eine Russendisko, die die halbe nacht russischen Jazz mit russischem Pop und moderner, ich vermute russischer Klassik, mixt. Es könnte weitaus schlimmer sein. Und Russland ist nunmal speziell. Speziell und schön. Ja, auch das. Ein Flieger geht raus, ein weiterer kommt rein und es wird die ganze Nacht so weiter gehen.

Sotschi1 (31 von 31) Sotschi1 (30 von 31) Sotschi1 (29 von 31) Sotschi1 (28 von 31) Sotschi1 (25 von 31) Sotschi1 (24 von 31) Sotschi1 (23 von 31) Sotschi1 (22 von 31) Sotschi1 (21 von 31) Sotschi1 (20 von 31) Sotschi1 (19 von 31) Sotschi1 (18 von 31) Sotschi1 (17 von 31) Sotschi1 (16 von 31) Sotschi1 (15 von 31) Sotschi1 (14 von 31) Sotschi1 (13 von 31) Sotschi1 (12 von 31) Sotschi1 (10 von 31) Sotschi1 (9 von 31) Sotschi1 (8 von 31) Sotschi1 (7 von 31) Sotschi1 (6 von 31) Sotschi1 (4 von 31) Sotschi1 (27 von 31) Sotschi1 (3 von 31) Sotschi1 (2 von 31) Sotschi1 (1 von 31)
25 Kommentare

Under Pressure

Bildschirmfoto 2014-01-19 um 14.48.42


(Sybmolfoto unter CC von Mueritz)

Es war unser letzter gemeinsamer Sommer. Wir hatten alle gerade die 10te Klasse hinter uns, nach den Ferien würde jeder seine ganz eigenen alltäglichen Wege gehen. Die Zeugnisse waren bei fast allen mäßig bis dürftig – für fast alle reichte es da nur für eine Ausbildung auf dem Bau. Aber immer noch besser als nichts und immerhin nicht zum Straßenbau. Das gemeinsame nachmittägliche Rumhängen auf dem Schulhof mit den billigen 0,33er Schultheiß Blasen würde wegfallen und überhaupt würde nach diesem Sommer alles ganz anders werden.

Es war heiß. Viel zu heiß, um fünf, sechs Tage in Zelten an einem kleinen See in Teltow-Fläming zu verbringen. Wir taten es trotzdem. Natürlich. Wir soffen Bacardi mit pisswarmer River-Cola, rauchten mehr als unsere noch jungen und dennoch schon schwarzen Lungen vertragen konnten, spielten Karten und nachts angelten wir. Allerdings eher nur so alibimäßig – man konnte ja nicht nur Saufen, was wir natürlich trotzdem taten. Wenn der Bacardi alle und der schon geschnittene Käse am Tage in der Sonne mal wieder zu einem Klumpen verschmolzen war, liefen wir morgens vier Kilometer, um in dem kleinen Tante Emma Laden im nächsten Kaff Nachschub zu holen. Bacardi. Der Käse war dann nicht mehr wichtig.

Wir hatten einen riesigen Ghettoblaster dabei, den wir – ganz Ostler – „Doppelkassettenrekorder“ nannten. Und mindestens 34,7 Kilo Batterien für das Ding. Tagsüber hassten uns alle badenden Familien dafür, aber wir waren jung und das war unser letzter gemeinsamer Sommer. Die konnten uns also alle mal. Und das ordentlich. Mittelfinger hoch. Nachts waren wir immer allein und ballerten drei Platten über den dann ganz ruhig vor uns liegenden See. Erasures „Chorus“, 2 Live Crews‘ „Banned in the USA“ und „Hot Space“ von Queen. Die eigentlich nur wegen einem Lied, „Under Pressure“. Ein paar Jahre vorher hatte Vanilla Ice dieses eine Sample davon benutzt, dafür liebten ihn alle. Wir aber wussten, wo das im Original herkam und hassten alle, die davon keine Ahnung hatten. Am Ende lief dann meistens nur dieses Lied, „Under Pressure“.

Es lief morgens beim ersten Bacardi-Cola, mittags, wenn der See langsam aber stetig von den Familien umlagert wurde, abends als mein Bruder dieses Mädchen mitbrachte, das mich besuchen wollte. Es lief, als wir beiden im Zelt dann so taten, als würden wir viel mehr machen als uns nur zu unterhalten, was dafür sorgte, dass wir danach für alle „zusammen“ waren. Tatsächlich sollte es noch gut ein halbes Jahr dauern, bis wir das auch so sahen. Wir sehen das bis heute so. Und wenn wir dann nachts in den benebelten Schlaf der trunkenen Jugend fielen, lief „Under Pressure“ natürlich auch. So lange, bis die Batterien mal wieder den Geist aufgaben. Am Ende hatten wir ein Tape, dass wir damals – ganz Ostler – „Kassette“ nannten, auf dem nur dieses eine Lied war.

Es war unser letzter gemeinsamer Sommer. Und auch wenn keiner sich in diesem Bewusstsein von seinen Eltern dort hinfahren lies, wussten wir es irgendwie still und heimlich alle, als uns die Eltern nach diesen Tagen wieder abholten. Es blieb dabei. Nach diesem Sommer gingen wir alle irgendwelchen Ausbildungen auf allen möglichen Baustellen Berlins nach und verloren uns aus den Augen. Manche für immer.

Und jetzt sitze ich hier in der Küche, backe einen Mohn-Kirsch-Käse-Marzipan-Kuchen, während das Mädchen, das mich damals besuchte und mit dem ich im Zelt so tat, als ob, an der Nähmaschine Hoodies für unsere Kinder näht. Dann höre ich wie aus dem Nichts „Under Pressure“ und muss an damals denken. Und an den Sommer, der mir wie jedes Jahr so fehlt. Vielleicht fahren wir im nächsten einfach mal für eine Nacht an diesen See, trinken Barcardi-Cola und hören dort die ganze Nacht „Under Pressure“. Der alten Zeiten wegen und weil dieser eine Sommer für uns gar nicht der letzte gemeinsame, sondern erst der erste war.


(Direktlink)

22 Kommentare

Mix: Das Kraftfuttermischwerk – Aging Wooden Textures (recorded at Villa Straylight at 30C3)

agingwoodentexture

Hamburg, 28.12.2013, Chaos Communication Congress, Villa Straylight. Einmal durch alles, was einem nicht auf den Saque gehen kann. Die uralten Thinner-Perlen, nebst dem frischen Shoegaze-Sound von Stumbleine, verstaubtem Psymbient ala Human Blue oder psyflorierendem Dub von Stress Assassin. Dazu allerhand Bässe und natürlich eine Prise Dubstep. „Zum Chillen“ war die Bedingung für diesen ziemlich wunderbarem Floor im Congress Center in Hamburg. „Zum Chillen“ kann ich.

Zünden Sie die Joints, legen Sie sich auf den Rücken, schließen Sie die Augen. Begeben wir uns auf eine kleine Reise durch den Wald der auf Synapsen tanzenden Töne. Das hier ist der akustische Flugbegleiter. Praise the Sonntag!


(Direktlink)

Tracklist:
Transient – Warm Night Lullaby
Taho – The River Of Grace
Mondfabrik – Lluvia
Lufth – Duisburg Links
tlon – While My Tears Swept Away
Hieronymus – Waiting
Stress Assassin – Time
Stress Assassin – Emotion Trakker
Human Blue – Communicate
Robot Koch – Jupiter
Sorrow feat. CoMa – Dalliance
Sorrow – Maelys
Submerse – Monochrome
Robots Don’t Sleep – So Bad (Synkro Vocal Mix)
Stumbleine – Try to Remember Me
Stumbleine – Light Sleeper
DFRNT – Headspace
Clubroot – Talisman
Kwality – Doug Wilson
Sorrow – Embrace
Audialist – Serpent
Biome – Havana VIP
Erykah Badu – On & On (Booty Fade Remix)
Geode feat. C Tivey – Ruh
Noman – Passing by
Sorrow – Shadowed Doubt
Phaeleh – Journey
Phaeleh – In The Twilight
Kryptic Minds feat. Alys Be – Time Flies
James Blake – Limit to Your Love
Shed – The Bot
Bugge Wesseltoft – Yellow is the Colour
Charlotte Gainsbourg – Hey Joe
Stumbleine – I Wanna Dance With Somebody
Stumbleine – Lon Lon

7 Kommentare

Mix: Das Kraftfuttermischwerk – tief #6

1560419_624349610935817_764912977_n

Der letzte Mix meiner tief Serie ist jetzt über zwei Jahre alt. Eigentlich hatte ich nicht wirklich vor, da mal noch einen ranzuhängen. Zum einen sind meine Sets eh immer ziemlich das, was ich mit „tief“ assoziiere, zum anderen, ja, gab mir Dubtechno jetzt ziemlich lange nichts wirklich in die Hose Gehendes mehr. Auch deshalb habe ich den lange nicht angefasst. Als Elke von Spiel:Feld allerdings fragte, ob ich denn nicht Lust hätte, den Neujahres-Podcast für Spiel:Feld zu mixen, dachte ich gerade nach den dann doch glitzernden Dubtechno-Perlen meines Adventskalenders, es wäre ja mal an der Zeit für tief #6. Eigentlich.

Und so ist dieser Mix straight vom Beischlaf geprägt, den Dub und Techno halt so abhalten, wenn sie es mal wieder beide nötig haben. Bisschen weg vom Deep House, hin zum rohen, minimalen Dubtechno. Mit Schwerpunkt auf Techno. Es ballert mitunter ordentlich. Langsam zwar, aber es ballert. So war der Plan, den es eigentlich nicht gab. Aber die Stimmung.

Here we go. Wenn euch gerade der Kater der letzten Nacht verlassen will, fragt ihn, ob er nicht vielleicht noch kurz mit euch tanzen will. Happy Hangover! Und das Intro meine ich ernst.


(Direktlink)

Tracklist:
1.) Ihr könnt mich alle am Arsch lecken / Protogroup – Bornotto B
2.) Yagya – Snowflake 2
3.) Andy Wonderland – Psychea
4.) Unbroken Dub – Low Freq Vibes
5.) Sistema, Pablo Bolivar – Memories
6.) Pohl – Abdubced
7.) Toby Dreher – Imagination (Marko Fürstenberg Remix)
8.) Klmz – Deep Impact
9.) Manaboo – Blutrane
10.) Monomood – Nina
11.) Dublicator – Sand
12.) Tobias Hornberger – Strands
13.) Pablo Bolivar – My Favourite Colour
14.) Sven Weisemann – Light sway
15.) Der Kosmonaut – Timetravel
16.) Radio Slave – Neverending
17.) Dubsuite – Schlafschlauch

Alle anderen tief Mixe finden sich hier.

10 Kommentare