Zum Inhalt springen

Kategorie: Nur mal so

Nu Pogodi – Episode 1

Was dem Westen sein Tom & Jerry war dem Osten Hase und Wolf, wovon in der Zeit zwischen 1969 und 1986 ganze 16 Episoden entstanden sind. Alle dieser Folgen gibt es auf Youtube. Wer also Bock und Zeit, bitte schön. Irgendwann in den Achtzigern gab es dann dieses völlig geile LCD-Spiel, was ich auch mein Eigen nennen durfte. Ein Schmuggelgut aus der damaligen CSSR.

(Direktlink)

Ein Kommentar

An einem Tag, an dem ich generell an der Stelle auf die Bahn warte, an der garantiert keine Tür ist, wenn die Bahn anhält, kann nur im Nichts verlaufen. Ich hasse es.

Einen Kommentar hinterlassen

Platte(n) der Woche #18

Ambientium – Fractal Philosophy | 2009 | Kahvi
Eine Platte, CC-Release, wie ein Acidtrip. Ganz langsam beginnt es: rechts, links, vorne, hinten, oben, unten, überall ist Klang. Klar und sauber wie ein Bergsee. Langsam geht es dann tiefer, der Sound verdichtet sich, nimmt einem die Orientierung nachzuvollziehen, was von wo ins Ohr dröpfeld. Dann bei Track 4, Another World Part 1, kriecht einem die Gänsehaut vom Steißbein ganz langsam über den Rücken in den Nacken um sich bei Track 6, Europa, mit den satten Synth-Lines direkt den Weg auf die Hirnrinde zu schaben. Dann: Explosion. Licht. Traum.

Eigentlich könnte man eine derartige Perle auf Hardwarelabel wie Interchill oder Ultimae erwarten, die sich aber lieber um ethno-klischee-cheesigen Worldmusikpsyambient kümmern, so das sowas auf Kahvi kommt. Gut so. Haut mich echt vom Hocker, dieses Release. Kopfhörerpflicht und nur keinen Stress. Den nämlich machen sie, die beiden Tschechen von Ambientium, mit ihrem Debüt auch nicht. Musik, die dem LSD die Farben schenkt. Also, wenn man würde… Na, ihr wisst schon.
(Download, offered under creative commons license)

Various – 10 | 2009 | Sensual Touch Recordings
Kommt im März und hat mich echt überrascht. Irgendwo zwischen den Welten von Deep-, Tech-, Dubhouse, Minimal, Ambient und Trance flowt dieses Album durch meine Tage. Mir weites gehend unbekannte Namen haben eine wirklich hörenswerte Compi gepackt.
(Reinhören)

Daniel Stefanik – Reactivity | 2008 | Statik Entertainmaint
Kurz um: Tolles Album!
(Reinhören)

Einen Kommentar hinterlassen

Die Kohle, die sich mit Jobs verdienen lässt, die es als Teilzeitstellen gibt, reicht zwar knapp für ein kleines Leben, aber fein können wir streichen. Eigentlich braucht familie heute in der BRD mehr als ein volles Gehalt fürs dauerhaft gute Leben. Also reichen auch rein rechnerisch zwei halbe Gehälter kaum aus, um eine Familie auf mindestens mittlerem Niveau dauerhaft zu ernähren.

(Björn Grau)

Björn macht sich Gedanken darüber, wie das für alle Beteiligten in dieser Konstellation zufriedenstellend laufen kann. Kind, Kinder, Karriere, Kohle, Familie, Zeit, Hobbys, Leben, leben können, gut leben können. Ich kenne mittlerweile einige Menschen in meinem Alter, die sich das mit dem Kind oder den Kindern vorher gut überlegt haben, um dann feststellen zu müssen, dass das alles anders, einfacher auch geplant war. Von all denen kenne ich eigentlich nur eine Familie, die das leben, was für mich den Idealfall darstellen würde. Der aber sieht ja bei jedem anders aus. Auch so, dass das für mich das genaue Gegenteil meines Idealfalls wäre. So ist das. Diese genannte Familie hat sich in die Pampa zurückgezogen und arbeitet ganz bewusst so wenig wie möglich. Um zu leben, zu lieben, Familie zu sein, wie ich mir das vorstellen mag. Weil sie es so wollen, weil sie es so können. Ich kann das nicht und das hat nur bedingt was mit finanziellen Aspekten zu tun.

Der Rest der Familien sagt „es geht schon irgendwie“ und das „irgendwie“ klingt alles andere als zufriedenstellend. Im Grunde genommen reicht bei den meisten die Kohle hinten und vorne nicht um gut davon leben zu können. Daran wird sich so schnell auch nicht viel ändern, auch, gerade weil die Kinder größer werden. Die Kinder. Selbst mit zwei arbeitenden Eltern die es auf satt anderthalben Stellen bringen, die noch dazu eigentlich gut bezahlt werden, ist das alles andere als ein Zuckerschlecken. Es ist knapp. Jeden Monat. Und nicht nur auf dem Bank- sondern vor allem auf dem familiären Zeitkonto, was ja der eigentliche Mehrwert in diesem Kontext wäre .

3 Kommentare

Hab ihn lange nicht gesehen, locker 18 Monate. Damals war er auf der Suche nach Arbeit, arbeiten kann er. Wie ein Tier, wenn es sein muss. Eine Ausbildung hat er nicht geschafft, auch nach drei Versuchen nicht. Das war alles nicht so seines, mit den Chefs und so. Er war damals gerade bei seinem Vater raus, der zusammen mit seinen zwei erwachsenen Söhnen in zwei Zimmern hauste. Hauste. Wohnen würde nicht passen, leben auch nicht. Sein Vater war schwerer Alkoholiker, seitdem seine Frau überraschend starb. Seine Söhne auch, das verband sie, verbindet sie heute noch. Sein Bruder braucht das, ansonsten flattern ihm die Hände. Morgens schon. Ihm wurde das zu viel, deshalb ging er, obwohl es ihm schwer fiel, sehr schwer fiel. Bei seiner Oma brauchte er nur „ein Bett und eine Zahnbürste“ und während er das sagt, sieht man ihm an, dass er lügt. Er liebt seine Familie. Sehr. Auf sie lässt er nichts kommen. Gar nichts. Nicht das geringste.

Damals ging er gerade nach Berlin, weil er das „hier“ alles nicht mehr aushielt. Er knüppelte für einen Hungerlohn und lies sich das hart ersparte Geld von einem „Kumpel“ abziehen, der damit die Wohnung bezahlte, in der sie gemeinsam lebten. Den Rest verdrogte er. Sein Kumpel, nicht er. Er zahlte viel mehr, als die Wohnung kostete. Das ging nicht lange gut. Natürlich nicht.

So kam er zurück, dahin, wo er herkam, dahin wo er hingehörte, wie er sagt. Das meint er so. Er heuerte bei einem Griechen an, für die Küche. Der Laden lief nicht schlecht, er läuft immer noch. Er ist jetzt Küchenchef, was neben mir der gesamte Bus riechen konnte, ohne das er hätte was sagen müssen. Er ist „ein guter Junge“, wie man so sagt. Nett auch, natürlich. Ich mag ihn. Er hat sein Leben irgendwie auf die Reihe bekommen, auch wenn er Umwege fahren musste. Wir begrüßten uns kurz. Kurz, weil er mir schneller als ich es wissen wollte, mitteilen musste, das er Vater wird. Vater. Das ging schnell, aber ich freue mich für ihn. Ich wünsche ihm Alles. Wirklich. Er hat es verdient. Leider kommt es so oft so anders, was ich ihm nicht sagte. Natürlich nicht. Er freut sich, auch wenn er dann „das mit dem Suff in den Griff“ kriegen muss. Keine Ahnung, ob er das schaffen kann.

Einen Kommentar hinterlassen

Wenn der Westerwelle im Herbst wirklich und wahrhaftig Außenminister werden sollte, könnte man ja auch mal darüber nachdenken, seine deutsche Staatsbürgerschaft abzulegen.

Ein Kommentar

Die Kleine in unserem Kaff hatte einen großen Bruder, er war sieben Jahre älter als wir und leitete den Ortsgruppenverband der Jungen Nationalen oder das, was man heute darunter versteht, trug 9-Loch Walkers, hochgeschraubt, in denen natürlich weiße Schnürsenkel steckten, hochgekrempelte Domestos501er, Lonsdale Hoodie und Bomberjacke, die er später gegen eine weinrote Harrington tauschte, dem Stil wegen, wie er meinte. Dazu Glatze. Er war der tüpische Nazi vom östlichen Lande, einer, wie es zu Beginn der Neunziger tausende gab. Auf seiner Brust hatte er erst einen Union Jack genäht, in dessen Mitte „Oi!“ geschrieben stand, später dann – er merkte wohl, dass das, was er wollte mit Oi! nichts zu tun hatte, dachte aber anfangs, das müsste so, weil die englischen Skins es auch so trugen – tauschte er den Sticker gegen einen auf dem „Deutschland den Deutschen“ zu lesen war. Gestickt in Fraktur. Irgendwann hatte er im Suff einen schweren Unfall, vobei sein Gesicht zerschrottet wurde. Gänzlich. Er hatte überall große Narben und sein rechtes Auge hing drei Zentimeter unter normal, so als würde es da nicht hingehören, als hätte ihm jemand ein Glasauge in die Wange gedrückt. Sein Bein zog er, nachdem er endlich die Krücken weglassen konnte, nach wie ein totes Stück Fleich. Er war für sein Leben lang gezeichnet und spätestens jetzt sah er mordsgefährlich aus. Dieser irre Blick. Später dann erzählte er, er wurde mit einem Baseballschläger verprügelt, von Punks. Das sollte wohl seiner Vita dienen. Viele glaubten ihm. Ich nicht, ich bumste seine kleine Schwester, zumindest dachte er das. Wir haben uns gehasst, er und ich. Ich versuchte, ihm nie alleine über den Weg zu laufen.

Sein bester Freund, oder besser: Kamerad vom selben Schlag war der Ex von der Kleinen und hasste mich dafür, dass ich jetzt mit ihr fummelte. Er hasste mich wie die Pest. Als die Kleine an einem Wochenende nicht da war, kamen ihr Bruder, ihr Ex und diverse Freunde von ihnen zum Jugendclub um mir anständig die Fresse zu polieren. Ich flüchtete durch das Küchenfenster und rannte um mein Leben. Der Mob jagte mich erst über das gerade frisch gepflügte Feld, aus dem noch die Strohstummel des letztes Jahres ragten. Dann trieben sie mich in den neuen Bahnschacht. Sie erwischten mich nicht. Das war mein Kaff, mein großer Spielplatz, meine Westentasche! Niemand konnte mich dort fangen. Schon gar nicht eine Horde Halbaffen, von denen einen Großteil aus dem Nachbarkaff kam.

Ihr Ex lies sich später die Haare wachsen, zog die Stiefel aus, wurde toleranter Hedonist, der in Berliner Klubs Technoplatten drehte. Wir spielten sogar öfter im selben Line Up, soffen zusammen und machten unseren Frieden. Ich sagte ihm, dass mit der Kleinen nie was lief. Sie wollte zwar gerne, aber ich hatte Angst um mein Leben, das ich nicht für einen Fick zu riskieren bereit war. Er lächelte verlegen.

Als ich heute in dem Kaff war, sah ich ihren Bruder. Er stand rauchend vorm Supermarkt. Er sah aus, als wären die letzten 15 Jahre an ihm vorbeigezogen, ohne irgendwas in ihm bewegt zu haben. 9-Loch Walkers, hochgeschraubt, in denen natürlich weiße Schnürsenkel steckten, hochgekrempelte 501er (Domestos ist wohl nicht mehr der Knaller) , Thor Steinar Hoodie und eine weinrote Harrington. Auf seiner Brust ein Sticker: „Nationaler Sozialismus jetzt!“. Gestickt in Fraktur. Hass in seinem kaputten Auge, das Bein zieht er immer noch nach. Ein gebrochener Mann. Er hat mich nicht erkannt – ich ihn schon. Diese Fresse werde ich nie vergessen, seinen Namen auch nicht. Ich hätte gerne gefragt, was die Kleine macht, hab sie ewig nicht gesehen. Ich habe es nicht getan.

3 Kommentare

Die Menschen haben über Nacht ihr Lächeln verloren, so scheint es. Überall schaue ich in betretene Gesichter, als wäre das bißchen Schnee die nächste Weltwirtschaftskrise, die jedem das Konto leeren würde. Dabei badet alles in jungfräulicher Unschuld. Klar, rein schön. Beinahe urlaubsgleich. Selbst die Hundeshice ist ist gut versteckt, doch die Menschen lächeln nicht, nicht mal die Kinder. Entweder tun sie es den Großen nach oder schlafen in ihren Wägen. Wenn die Kinder nicht mehr lachen ist das kein gutes Zeichen nicht.

Die dicke Blondierte aus dem Schlaatz präsentiert für vielleicht lange Zeit das letzte Mal ihren Pelz, für den mehr Nager gestorben sein müssen, als Brandenburger Wälder sie hergeben. Dem Umfang wegen. Sie guckt verbissen in die Gesichter derer, die in der Tram zu nahe an ihr Fell begeben, ihr Kajalstift ist grußelig verwischt und lässt sie noch älter aussehen als sie ohnehin sein muss. Das könnte ich ihr sagen. Eigentlich. Nicht heute. Mütter ranzen ihre Kinder an, als wären diese für das für sie unpässliche Wetter verantwortlich, als hätten diese in der Nacht bei Frau Holle ausgeholfen. Immer noch kein Lächeln. Einzig die Punks am Bahnhof shicen auf das alles. Sie nuckeln an den ersten Flaschen Sternburg des Tages und machen nicht den Eindruck, als wären das ihre letzen für heute. Sie lachen schallend. Vielleicht auch über die vergrätzten Hackfressen, die sich roboterartig durch den Bahnhof schieben. Die machen es richtig.

Ich stehe in der Baguetterie und gucke mich auf die gläserne Tür des Backofens fest. Lange. Ich sehe den Croisants dabei zu, wie sie in der Hitze braun werden und muss lächeln. Es könnte vielleicht ein guter Tag werden. So wie immer.

Einen Kommentar hinterlassen