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Schlagwort: Russia

Sotschi (1)

Da bin ich nun am Schwarzen Meer, sitze in einem Hotel, welches seinen Platz ziemlich genau zwischen der Ein- und Ausflugschneise des doch überschaubaren Flughafens hat. Alle zehn Minuten kommt ein Flieger rein, alle zehn Minuten geht einer wieder raus. Immer im Wechsel. (Flieger kommt rein.) Ein großes Linienflugzeug, ein kleiner Jet in Art einer Fokker, oder dieser kleinen Privatjets, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Immer im Wechsel und schon so ziemlich tief über dem Kopf. Der Flughafen ist ziemlich nahe dran, wir sind hier ziemlich zentral untergebracht.

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Sotschi zieht sich gut 100 Kilometer an der Küste entlang und das hier ist wohl nicht mal in der Nähe des eigentlichen Zentrums. Aber es fühlt sich so ein bisschen so an. Wir sind heute in 9 Stunden gefühlt 25 Kilometer gelaufen. (Flieger geht raus.) Diesen Teil der Stadt gibt es offensichtlich schon seit langer Zeit. Nicht, wie in der Nähe des Olympia Parks, wo fünf ganze Stadien auf relativ engem Raum nebeneinander stehen, was ein perfektes Ziel abgeben könnte und nicht wie in der Nähe das Bahnhofs Sotschi Adler, der auch erst neu gemacht wurde. Wir sind hier genau dazwischen, hier ist alles lange schon so. Bis auf die Fassaden der direkt am Strand stehenden charmanten Ferienwohnungen mit Seeblick, die man aktuell immer noch auf neu zu polieren versucht, obwohl klar ist, dass das bis Morgen nicht mehr zu schaffen ist. Man versucht da jetzt so Fliesenplatten an die Fassaden zu hängen. Zweifarbig. Unten Weiß und oben in so einem Terrakotta-Braun. Ganz mediterran und so. (Flieger geht raus.) Wir sind schließlich am Schwarzen Meer, vielleicht erwarten das einige dort so. (Flieger kommt rein.)

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Dabei schadet das ein wenig dem charmanten Flair. Die Wohnungen wirken eben nicht so, als wären sie nur einer privilegierten Schicht vergönnt, sondern auch denen, die es allgemein nicht ganz so dicke haben. Zumindest hier. Kleine aneinandergereihte Bungalows mit zwei Etagen, die obere mit Meerblick. Weiter Richtung Olympia Park sieht das schon ganz anders aus. Neubauten neben Neubauten auf mehreren Etagen. Einige davon noch nicht ganz fertig, die, die fertig sind haben so große Fensterfronten, dass man weiß, was da jede Menge Geld für hinzulegen war. Ganz am Fuße: Mc Donalds. (Flieger kommt rein.)

Überhaupt lebt dieser kleine Stadtteil von seinem Charme. Viele kleine bis ganz kleine Häuser, die über die Jahre hinweg irgendwie zusammen improvisiert worden sind. Mit überdachten Terrassen und Palmen im Garten. So, wie ich das in Montenegro schon kennengelernt habe oder auch im Umland von Neapel sah. Wir scheinen offenbar Glück gehabt zu haben mit der Lage unseres Hotels – oder andere Pech. Hier sieht es womöglich schon lange so aus, Ausnahmen bestimmen das Stadtbild.

Ich habe am Rande mitbekommen, (Flieger geht raus.) dass sich irgendwelche Journalisten über die baulichen Zustände der Stadt oder besonders dem ihrer Hotels lustig machen und ihre Berichterstattung darauf beschränken. Hätten die Pfeifen sich irgendwo gediegen und nicht nur Olympia-fokusiert eingebucht, hätten sie das womöglich nicht (Flieger kommt rein.). Aber das würde der doch so gerne herausgekehrten westlichen Arroganz wohl kaum Futter geben. Mag ja sein, dass das kurz lustig war – mittlerweile erscheint es zumindest mir ziemlich albern.

Schließlich sind wir in Russland. Improvisation gehört hier zum Lebensgefühl, Bauschaum ist alles und Olympia fängt schließlich Morgen erst an! Das heißt, die Jungs und Mädels haben noch gut 22 Stunden Zeit fertig zu werden. Die werden sie nutzen. Und die werden sie auch brauchen, selbst wenn dann noch so einiges liegen bleiben dürfte. Aber so what?!

Hier wird jetzt noch fleißig Rollrasen gelegt, es werden Primeln gepflanzt und Palmen in die Erde gegraben. Manche Baustellen, die schon als Shopping-Meile in den Olympiakarten verzeichnet wurden, hat man jetzt unfertig aufgegeben. Die müssen bis nach Olympia warten. Jetzt wird sich hier auf das Wesentliche beschränkt. Alles soll irgendwie schön aussehen und wenn das nur von weitem der Fall ist. (Flieger geht raus.)

Die Olympiastätte an sich macht einen fertigen Eindruck, offenbar stand das darum gebaute Sicherheitssystem als aller erstes. Überall in der Stadt stehen Bullen. Und ich meine wirklich überall. Auf Kreuzungen, vor Hotels, neben Bahnlinien, unter Autobahnbrücken, am Strand. Also überall meint wirklich überüberall. An Knotenpunkten kommt dann noch Armee dazu. In Vollausrüstung bewaffnet. Im Olympia Park selber laufen dann auch noch Spezialeinheiten Streife. Man will hier nichts an- bzw. abbrennen lassen. Ob das ein sicheres Gefühl gibt? Nein. Eher im Gegenteil, aber Präsenz scheint hier zum Sicherheitskonzept zu gehören. Was sollen sie auch machen? Ich wette, dass selbst oben in den von hieraus sichtbaren Gebirgszügen alle 200 Meter ein Posten steht, um zu verhindern, dass irgendwer von da aus Ziele ins Visier nehmen könnte. (Flieger geht raus.) Dass genau das hier ein Thema ist, lässt sich nicht übersehen. Selbst in die Bahn kommt man nur mit einer Sicherheitsschranke mit Metal-Scanner und Abtasterei. In die Stadien sowieso. Aber die Wachen sind zärtlich bisher. So viel ist auch noch nicht los, was sich allerdings Morgen ändern dürfte. Dazu hat jeder, der dann irgendwo rein will, einen auf sich personalisierten Besucherpass, ohne den hier gar nichts geht. Ob das Morgen noch so sein wird, wenn aus den 100en Zehntausende werden, ist fraglich, aber ich gehe davon aus, dass die alles daran setzen werden, ihre Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Und Geduld wird hier zur Tugend. Für eine Eintrittskarte muss man schonmal eine Stunde anstehen. Haben wir heute gemacht (Flieger geht raus.) und keiner scheint sich daran zu stören, zumindest keiner der russischen Besucherinnern.

Ansonsten essen wir hier abends sehr russisch in einer alten Kantine am Strand, die primär russisch besucht ist, und kiloweise Fleisch am Spieß vom Grill mit einer Apfeltomatensoße anbietet, nachdem man irgendwie kommunizieren konnte, was man haben wollte, und haben furchtbar reduziertes Frühstück. (Flieger kommt rein.)

Dafür gibt es Birnenbrause, einen halben Liter ziemlich guten Vodka für 4 Euro und direkt unterm Fenster eine Russendisko, die die halbe nacht russischen Jazz mit russischem Pop und moderner, ich vermute russischer Klassik, mixt. Es könnte weitaus schlimmer sein. Und Russland ist nunmal speziell. Speziell und schön. Ja, auch das. Ein Flieger geht raus, ein weiterer kommt rein und es wird die ganze Nacht so weiter gehen.

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Schnell mal einparken

Vermutlich wird sich in 2-4 Tagen rausstellen, dass das hier irgendein fies verstecktes Viral für irgendwas ist. Für eine russische Fahrschule, für Chips oder für Erdnüsse oder so. Dann wird es total langweilig. Bis dahin aber zumindest kann die halbe Welt versuchen, so einzuparken wie jene Dame, die wohl hier am Steuer sitzt.


(Direktlink, via TDW)

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Lüften in Sibirien oder wie man Nebel in der Wohnung macht

Hier ist Winter, wir haben 10°C, die ersten Bäumchen tragen Knospen. Von mir aus kann dann jetzt auch Sommer kommen. Für das, was hier einst der Winter war bleiben uns ja immerhin Videos wie dieses hier. In Sibirien nämlich ist alles wie immer. Die haben Winter und unter -40°C. Und was passiert eigentlich, wenn man bei der Kälte draußen einfach mal das Fenster einer außerordentlich gut durchgeheizten Stube öffnet? Das hier, wenn man dem Video Glauben schenken kann. Ich würde das glatt selber mal probieren, aber dafür fehlen aktuell -40°C. Vielleicht ein anderes Mal.


(Direktlink, via Say OMG)

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Wenn ein russischer Vize-Premier auf Twitter Weihnachtsgrüße an die NATO sendet

Da hält man sich nicht lange mit lieblichem Säuseln auf, nutzt dennoch freundliche Worte und lässt ein einfach Bild sprechen. Sagt ja bekanntlich auch viel mehr als 1000 dieser Wörter. Diplomatie auf Russisch, vorgetragen auf Twitter. Frei übersetzt meint Dmitri Rogosin hier, „Frohes Neues Jahr für unsere Freunde von der NATO“. Dmitri Olegowitsch Rogosin war von Januar 2008 bis Dezember 2011 ständiger Vertreter der Russischen Föderation bei der NATO. Vielleicht gratuliert man sich dort halt auch einfach so. „Mein Haus, mein Auto, mein Pferd, meine Rakete, mein Penis“ oder so.

(via Fefe)

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Das große russische Herz

Man kann von den Russen halten was man will – im Netz werden sie im Regelfall als die Oberknüppel dargestellt, woran sie, ja, auch nicht immer ganz unschuldig sind. Allerdings mag ich die russische Mentalität. Von den paar Russen, die ich kenne sogar sehr. Nicht umsonst bin ich der beste imaginäre und einzige Freund eines alten Russen. Sie haben im Regelfall ein großes Herz.

Und weil man auch von den berühmt berüchtigten Dash Cams in russischen Autos auch eher das Freakhafte gewöhnt ist, hat sich YouTuber simplyguys gedacht, er macht jetzt mal eine Compi der wirklich schönen Momente. Die, die zeigen wie menschlich die Russen sind, wenn man darauf achtet. Ich mag das.

Der Sound ist etwas cheesy, aber ja, er passt durchaus. Und nur deshalb dieses Video nicht zu bringen, wie Rene das macht, würde der Sache nicht gerecht werden. Der aber klebt sich ja auch die „neuen“ Black Sabbath Sachen ins Blog und meint, „die können es noch“. Ganz so ernst darf man ihn da also nicht nehmen.


(Direktlink, via Rene)

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