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Die anderen Bands und der Soundtrack der Wende: Kein Bock auf Ostrock

Umfangreiches und sehr interessantes Special von hr1, das sich nach 30 Jahren des Mauerfalls dem Soundtrack der Wende in der DDR widmet.

Als am 9. November 1989 die Mauer fällt, haben nicht nur schon tausende junge Leute die DDR verlassen. Viele von denen die noch da sind, haben sich schon lange vom Staat und den etablierten Ostrockbands abgewandt. Den Soundtrack ihres Lebens bestimmen seit einiger Zeit junge und unangepasste Bands. Nicht aus London, New York oder der BRD – sondern aus Ostberlin, Leipzig oder Karl-Marx-Stadt. Unter dem Label „die anderen bands“ prägen sie für viele den Soundtrack der Wende.

2 Kommentare

  1. Bernie Gunther2. November 2019 at 04:21

    Danke für den Hinweis auf diese Doku, zu der mir Nachfolgendes einfiel:

    Makarios, Sänger von Die Art zum umstrittenen Thema Einstufung, bzw. Mugge: ‚Und irgendwann ham wir dann unsere eijene Musik gemacht. Weil, die Musik, die wir eben gerne gehört ham, die gab’s eben ni(s)cht, also mussten wir unsere Musik selber machen. […] Ähm, wir wollten eigentli(s)ch den Namen [Die Zucht; der Autor], ni(s)cht aufgeben, aber Märtyrer sein bringt ja letztendli(s)ch och nischt, nü? Also lieber weiterspielen und dann unter anderem Namen die selbe Musik weitermachen. Man macht einfach gradwandlerisch, äh, für si(s)ch das Ri(s)chtige und hofft, daß man damit durch alle Lücken, die der Staat eben geboten hat, eben durchkommt.‘

    Ich mochte, bzw. mag bis heute die Musik von Die Art. Das eben erwähnte Zitat beschreibt nämlich in ehrlicher Form, wo der Haken für den DDR-Untergrund lag, wenn es um Ambitionen ging, die über diesen Status hinausreichen sollten oder wollten. Letztlich war das eben das grundsätzliche Dilemma von Künstlern in der ehemaligen DDR: Individualismus versus verordnetem staatlichen Kollektivismus, bzw. Staatsdoktrin. Nicht umsonst lautete der Titel einer Ausstellung zum Thema Ost-Punk ‚Too much Future‘, denn dem Neuen Menschen im SED-Sinn standen Nachgeborene gegenüber, die sich einem Allmachtsanspruch, wie auch immer definiert, ähnlich den Swing-Kids oder den Edelweißpiraten im so genannten Dritten Reich, berechtigterweise entziehen oder gar verweigern wollten. Ein Schelm, wer dann nicht auch an vorhergehende Musiker, wie z.B. Jürgen Kerth oder Henry Cott’n Kotowski (Sputniks) denkt. (Danke an Holger Luckas, der diesen Menschen bereits zu DDR-Zeiten ein Denkmal im damaligen Rundfunk setzte!) Eine etwaige freie und differenzierte Sichtweise auf historische oder persönliche Gegebenheiten war damals meines Wissens nur innerhalb von familiären oder kirchlichen Strukturen möglich.

    Um so erstaunlicher, daß es überhaupt noch wie in dieser Doku erwähnte Leute gab, die sich bereits vor dem Herbst 89 das Recht nahmen, ihre Befindlichkeiten relativ unabhängig von bereits existierenden politischen Gruppierungen oder Strukturen zu äußern, in welchem Rahmen auch immer. Davon abgesehen geht in diesem Zusammenhang auch mal ein Dankeschön an Lutz Schramm (Parocktikum) oder den bereits erwähnten Holger Luckas für ihr damaliges Engagement in Sachen musikalischer oder gar anderweitiger Horizonterweiterung. Heutiges Engagement, wo und wie auch immer eingeschlossen.

    Ach, nicht zu vergessen: Stefan Diestelmann (Vaih Hu), Namenlos, Happy Straps, Der Demokratische Konsum, Klick & Aus, Ornament & Verbrechen, Taimur, Philip’s Tonstudio – 7m unter der Hauptstadt der DDR, Die Anderen, Michele Baresi, Mixed Pickles; etc. p.p. … (Ja, ja, eine Ost-Berliner Jugend…)
    (
    P.S.: Danke auch an Ines Geipel für das hochaktuelle Buch ‚Umkämpfte Zone’…

  2. Bernie Gunther5. November 2019 at 01:24

    Nachtrag: Interessierte können gerne unter dem Stichwort ‚Störung Ost – Punks in Ostberlin 1980-83‘ (Doku) weiterlesen oder weitersehen …

    P.S.: Warum oben ausgerechnet die nachträgliche Empfehlung in Sachen Ines Geipel mit ihrem Buch ‚Umkämpfte Zone‘ ? Weil sie dort, im Gegensatz zu anderen aus der Bürgerrechtsbewegung der DDR stammenden Autor*innen, dem ‚Ost-Punk‘ so einige anerkennende Zeilen gewidmet hat.

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