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Kategorie: Täglicher Sinnwahn

Ein Verlag will den Titelschutz für das Wort “Blogosphäre” in Anspruch nehmen

“Blogosphäre”. So nannten wir Blogger mal das, was in unserer eigenen vor sich hinbloggenden Filterblase passiert und was sich dort so vernetzte. “Blogosphäre”. Das muss so kurz nach dem Krieg gewesen sein. Ich weiß nicht, wann ich dieses Wort zum letzten Mal benutzt habe. Unironisch sowieso schon lange nicht mehr.

Ein Verlag lässt nun verlautbaren, dass er den Titelschutz für das Wort “Blogosphäre” für sich in Anspruch nehmen will, wie in der aktuellen Ausgabe des Journalist zu lesen ist. Titelschutz, wie damals nach dem Krieg. Shirts mit dem Begriff drucken und verkaufen lassen, dürfte damit ausfallen. Aber das war eh nie eine unironische Option.

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(via Weltenweiser)

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Zentrum für Politische Schönheit crowdfundet den Abriss der EU-Außengrenzen

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Ziemlich kurzfristige Angelegenheit, wie mir scheint, es sieht aber so aus, als ob da trotzdem was draus werden könnte. Das Zentrum für Politische Schönheit lässt sich über eine Crowdfunding-Kampagne gerade mindestens einen Bus finanzieren, der Menschen an die EU-Außengrenze bringen soll, die dort dann den neuen eisernen Vorhang öffnen wollen. Wer möchte, kann sich anmelden und auch mitfahren.

„Am kommenden Wochenende wird dem Mauerfall zum 25. Mal gedacht. Aber 25 Jahre nach dem deutschen Mauerfall sind Europas Grenzen dicht. Zehntausende Menschen ertrinken, dehydrieren und kentern an Europas Außenmauern. Flüchtlinge klammern sich unter Radachsen, um nach Europa zu gelangen.

Während sich Politiker aller Parteien am 9. November in den Armen liegen und das Ende der mörderischen innerdeutschen Mauer feiern, haben Sie die viel mörderischeren Außenmauern Europas finanziert. Diesem Verrat nimmt sich das Zentrum für Politische Schönheit an. Rücken wir den illegalen Mauerbauten in der Europäischen Union zu Leibe.

Europa feiert den Fall der Mauer und betreibt – als hätte die Geschichte nichts mit der Wirklichkeit zu tun – die eigene Selbsteinmauerung auf hohem Niveau und unter Hochdruck. Die neuen Stacheldrahtmauern Bulgariens und Griechenlands wurden rechtswidrig unter Bruch des internationalen Völkerrechts auf europäischen Boden gebaut. Damit sich das Unrecht nicht festsetzt, ist es wichtig, es jetzt wieder abzureißen! Nicht durch die Politik, sondern durch den Druck einer mutigen Zivilgesellschaft wurde die innerdeutsche Mauer porös, die 28 Jahre lang als unüberwindlich galt.

Bei Erreichen des Spendenziels entkommt am 7. November 2014 um 13 Uhr ein Bus dem deutschen Gedenkkartell und fährt die Vorhut einer zweiten Friedlichen Revolution an die europäische Außenmauer. Dort werden wir zum 25. Jahrestag des Mauerfalls mit dem Abbau der europäischen Grenzanlagen beginnen. – Ein Akt politischer Schönheit und die einzige Form, in der sich das Jubiläum würdig „feiern“ lässt. Jede und jeder kann mitfahren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen sich am Abriss der europäischen Außengrenzen beteiligen und ein Stück Außenzaun mitnehmen.“


(Direktlink, via Metronaut)

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25 Jahre Mauerfall – Ein ganz persönliches Tagebuch aus Ostberlin

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(Foto unter CC BY-SA 2.0 von Sludge G)

Ich habe seit Tagen einen Tab offen, den ich immer noch lesen wollte und bis heute nicht dazu kam. Jetzt aber. Mikis schreibt auf Wesensbitter über seinen letzten Sommer in der DDR und das ist in der Tat verdammt lesenswert, auch und gerade weil es sehr, sehr persönlich ist. Die Beiträge entspringen seinem ganz persönlichen Tagebuch und das zeigt ganz dabei, wie toll Tagebücher sein können – ich kriege diesen Sommer nur hoch häppchenweise zusammen, bei ihm ist das sehr detailliert. Vielleicht hätten wir nie damit anfangen sollen, aus all unseren Weblogs irgendwann keine Tagebücher mehr zu machen. Spätestens in 20 Jahren werde zumindest ich das bedauern.

Mikis schreibt regelmäßig einen Artikel, der die von ihm erlebten Monate im Sommer 1989 zusammenfasst.

Ich habe gerade alle gelesen und bin ein wenig in der Zeit zurückgereist. Es ist toll, über diesen Weg an einem ganz normalen Leben von damals teilhaben zu können. Wirklich klasse! Für mich das Beste, was ich bisher zum 25. Jahrestag des Mauerfalls lesen konnte.

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(Foto unter CC BY-SA 2.0 von Sludge G)

Ein paar Auszüge:

07.Mai 1989

Heute ist Volkskammerwahl. Der totale Affenzirkus. Die anderen wollen boykottieren, ich geh hin. Auf den Stimmzettel schreib ich: „Horst Sindermann hat ‘nen steifen Pimmel dran“. Ungültiger geht’s wohl nicht mehr. Und die können mir gar nichts. Ist schließlich ne geheime Wahl. Wie sich das gehört, am Nachmittag Wahlbierziehung mit Torsten veranstaltet.

22.05.

Fragen die mich doch heut auf Schicht, ob ich nicht Kandidat der SED werden will! Hä? Ich? Geht nicht, ich werd in die Bauernpartei eintreten, hab ich gesagt. Danach musste ich mir sofort einen Krankenschein holen, auf den Schock. Kerstin hat jetzt auch einen Ausreiseantrag gestellt. Wenn sie geht, vermacht sie mir ihren Kühlschrank und ihre Plattensammlung.

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(Foto unter CC BY-SA 2.0 von Sludge G)

04.06.

Martina hat zum Frühstück grünen Tee mit Koffeintabletten gemacht, der knallt volles Brett rein. Ich renn den ganzen Tag rum, wie der Zappelkasper auf Epilepsie. Abends mit Petra im Schreiner-Hof verabredet, wollt auf dem Weg Kondome kaufen. „Ausvakooft“ sagt die Drogerieverkäuferin. „Is‘n Engpass grade, soll nächste Woche ne Lieferung kommen. Musste solange n Knoten in die Nudel machen.“ Petra hat eh ihre Tage. Dafür labert sie mir wieder die Ohren voll, mit ihren blöden Wahlprotesten. Was für ein Scheißtag.

28.06.

Peter kommt vorbei, mit zwei Flaschen Bier. Die sind nach 5 Minuten alle. Er will irgendwas, traut sich aber nicht. Irgendwann fragt er, ob ich schon mal in einer Schwulenbar war. Er würde sowas gerne mal sehen. Also nicht, weil er schwul ist, natürlich nicht, aber irgendwie interessiert ihn das, was die da machen. Und ob ich vielleicht mitkommen würde. Als Sicherheit, und damit niemand was falsches denkt. Wir verabreden uns für Freitag. Er soll was legeres anziehen, und unbedingt enge Hosen, damit wir auch reinkommen. Und natürlich sag ich niemandem was davon. Ehrenwort.

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(Foto unter CC BY-SA 2.0 von Sludge G)

19.07.

Früh steht der Geheimdiensttrabant wieder vor der Tür. Das brauchte ja nicht lange. Ich präpariere das Bier im Kühlschrank und verlasse die Wohnung. Als ich Abend wiederkomme, warten zwei Bullen vor meiner Wohnung. Ich werde verhaftet. Warum von den Bullen und nicht von der Stasi versteh ich nicht. Was sie mir vorwerfen sagen sie nicht. Wissen sie wahrscheinlich selber nicht.

08.08.

Im Radio sagen sie, das die Ständige Vertretung wegen Überfüllung geschlossen ist. Torsten ruft mich auf Arbeit an und fragt, ob wir da auch hin wollen. Klar, das ist ne geile Idee. Und so stehen wir Abends in der Hannoverschen Straße und werfen Augustäpfel über die Mauer. Die armen Flüchtlinge sollen ja auch ein paar Vitamine bekommen. Und geheime Botschaften. Deshalb haben wir jeden Apfel beschriftet. Die Bullen jagen uns aber recht schnell weg.

06.08.

Julia klingelt mich aus dem Bett. Eigentlich kennen wir uns gar nicht richtig, aber ich hab ihr im Knaack mal meine Adresse gegeben. Sie muss am Montag mit ihrer Mutter in den Westen ausreisen und hat Bock noch mal einen richtigen Ostberliner-Samstag zu machen. Ihre Freunde sind alle in Ungarn und da fiel ich ihr ein. Ich brauch erst mal zwei Gelonida und schwarzen Kaffee. Dann trinken wir ein Bier und machen einen Plan. Wir starten im Kino Kosmos und sehen uns “Dirty Dancing” an. Mein Gott, ist das ein peinlicher Film. Irgendwann tanzen alle auf ihren Plätzen, oder in den Gängen. Wir gehen bevor der Film zu Ende ist. Wir laufen zum Alex, die Stalin-Allee ist total still und sieht in der tiefstehenden Sonne umwerfend aus. Der Alextreff ist überfüllt und so gehen wir ins Nikolai-Viertel. Das ist wie eine Zeitreise, bis plötzlich eine Hundertschaft BFC-Hools auftaucht. Die sind völlig Aggro drauf und rennen mit „Sieg Heil“ Rufen durch die Straßen. Ich schubs Julia in eine kleine Gasse und wir warten, bis der Spuk vorbei ist. „Warum machen die nichts gegen diese Arschlöcher?“ fragt sie. Ja, warum nicht? Im HdjT ist Jazzabend, aber das ist egal. Wenigstens gibt es hier keine Nazis und das Bier schmeckt.

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(Foto unter CC BY-SA 2.0 von Sludge G)

03.09.

Nee, ich will nicht mehr durch den Schlosspark latschen und nee ich hab auch keinen Bock mehr auf Holländer-Viertel. Ich will nur nach Hause. Fahr ohne Marco. Zu Hause ist der Briefkasten offen und in der Küche liegen zwei Briefe von Anne. Beide geöffnet. Jemand hat mit rotem Kuli ihre Rechtschreibfehler korrigiert und Anmerkungen gemacht. Ich könnt kotzen, langsam reicht es echt. Ich latsche zwei Stunden durch die Gegend, um ein funktionierendes Telefon zu finden. Annes Mutter hat Kontakt mit ihr. Ich sag, sie soll ab jetzt die Briefe an eine sichere Adresse schicken. Anne direkt erreich ich nicht, die Leitungen in den Westen sind überlastet. Irgendjemand hat „Freygang ist ne Renterband“ an die Ringbahnhalle geschrieben.

21.09.

Elsterwerda, 5000 Splinte gegen 7000 Unterlegscheiben. Fleischbrühe in der Mitropa und 3 Bier. Bin fast durch mit „Garp, und wie er die Welt sah“. Zu Hause (alte Wohnung) liegt wieder ein geöffneter Brief (von Anne) auf dem Küchentisch. Ich hatte mich schon gefragt, wohin meine Stasibetreuer verschwunden sind. Auf dem Umschlag steht mit roten Kuli: „Nänänäääh!“ Ich hab keine Lust ihn zu lesen.

Später lese ich ihn natürlich doch.

„…es tut mir leid. Ich sitze in Paris, da wo wir in unseren Träumen immer sitzen wollten, und du bist nicht da. Und ich bin trotzdem glücklich. Ich bin verliebt, ich fühle Schmetterlinge in meinem Bauch und es sind nicht deine Hände, die mich festhalten. Verzeih mir und vergiss mich nicht. Oder vergiss mich doch…“

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(Foto unter CC BY-SA 2.0 von Sludge G)

Die Fotos in diesem Beitrag sind nicht von Mikis, sondern aus dem großartigem DDR-Album von Sludge G und sind alle im Jahre 1990 entstanden.

(via Torsten von der E-Gruppe, der, wenn mich nicht alles täuscht, auch Teil der Geschichten ist)

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Halloween und so…

Seems legit. Und, ach ja, der gute alte Tweet-Klau. Hier das Original von vor einem Jahr.

(via SZ)

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Immobilienmakler drohen mit Streik

Ich kenne kaum einen Beruf, den ich für überflüssiger halte, als den eines Immobilienmaklers. Weil Beruf ja im besten Fall auch immer was mit Arbeit im Sinne von Arbeit zu tun haben sollte. Die Makler selber sehen das natürlich naturgemäß anders. Nun sollen (endlich) die Auftraggeber von Maklern für die „Tätigkeiten“ von Maklern zahlen und nicht mehr jene, die auf der Suche nach Wohnraum jeglicher Art und manchmal auch auf diesen angewiesen sind. Das finden die Makler irgendwie voll doof und wollen in den Streik treten. Ich loliere, weil ich mich gerade frage, ob das überhaupt irgendwer spüren würde. Und ich loliere nicht allein.

Wer einen Immobilienmakler beauftragt, soll ihn auch bezahlen. Dieses Bestellerprinzip gilt ab 2015. Die Makler fürchten um ihre Existenz. Ein Verband droht nun mit Streik – und erntet Spott. Auch von Maklern.

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ZDF login: „Die neuen Nazis: Wie können wir den Hass bekämpfen?”

Ich finde, „Die neuen Nazis” als Titel hätte es auch getan, nichtsdestotrotz ist die Sendung, die gestern auf ZDF log in lief, durchaus sehenswert. Mit dabei: Mo Asumang, Toralf Staud (Autor: Neue Nazis), ein Aussteiger aus Bayern, der einiges an Interna aufzeigt und Paul Ziemiak, Bundesvorsitzender der Jungen Union Deutschlands, der erwartungsgemäß eher so naja ist. Hier in der ZDF Mediathek.

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Wer sein Gesicht für Wahlwerbespots der AfD in die Kamera hält? Ganz einfach: Schauspieler

Ich muss da kurz einen Umweg fahren, weil ich mich halt schon frage, warum Menschen, die Schauspieler sind, sich vor den Karren der AfD spannen lassen. Zu sagen, „Na weil wir Schauspieler sind!“, ist mir da ein bisschen wenig, wenn ich ehrlich bin. Ich würde ja meine Musik auch für Geld nicht der AfD zur Verfügung stellen, was für mich auch einfach was mit Haltung zu tun hat.

Nichtsdestotrotz, hat extra3 jetzt jene Gesichter erneut vor die Kamera geholt, die diese schon für Geld in Wahlwerbespots der AfD gehalten haben. Gut zu wissen. Und auch gut von und für extra3. Gut aber nicht für jene Schauspieler. Denn wer sich für Statements bezahlen lässt, die die Prinzipen der AfD verkaufen wollen, sollte sich fragen, ob er nicht doch lieber etwas „Vernünftiges“ aus seinem Leben hätte machen sollen. Maler vielleicht oder Maurer. Oder zumindest, ob es manchmal nicht doch viel besser wäre, „Nein!“ zu sagen. Soweit zum Umweg.

Kürzer bedeutet das: die als „moderate Mitbürger“ verkauften Eierköppe, die in Werbespots der AfD für die AfD werben, sind schlichtweg und ganz trival einfach nur Schauspieler, die Geld für das bekommen, was sie da in die Kamera reden. Somit trotzdem Eierköppe, wenn auch auf einer anderen als der eigentlich gedachten Ebene. Tja.

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Haben Sie sich schon mal gefragt, wer diese Leute in dem AfD-Wahlwerbespot zur vergangenen Bundestagswahl sind? Die Antwort: Schauspieler! extra 3 hat sie noch einmal gebucht und eine eigene Version des AfD-Wahlwerbespots gedreht.


(Direktlink, via extra3)

Hier noch mal der besagte Clip, für den sich jene Schauspieler von der AfD haben bezahlen lassen. Auweia!

[Disclaimer: Sowohl die Linke in Thüringen als auch ganz bestimmte Menschen in der Piratenpartei haben die Genehmigung von mir, meine CC-Musik für ganz bestimmte, politische Zwecke für sich nutzen zu dürfen. Damit kann ich gut leben.]

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Hooligans gegen Dummheit: „Hört auf, so verdammt dämlich zu sein“

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Innerhalb der offenbar nicht homogenen Hools-Szene entwickelt sich Widerstand gegen jene, die wie in Köln marodierend durch die Straßen zogen, um dann mitteilen zu wollen, man möchte nicht als Neonazi wahrgenommen werden. So hat sich eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Hooligans gegen Nazis“ gegründet, die ankündigt, dass sie Verhältnisse wie in Köln nicht einfach hinnehmen wird, sollte es in Hamburg am 15.11. zu der aus dem HoGeSa-Umfeld angemeldeten Demo kommen. Außerdem hat eine andere Gruppierung, die sich wohl den Namen „Hooligans gegen Dummheit“ nennt, auf dem Lower Class Magazine einen offenen Brief veröffentlicht, den man ruhig mal lesen kann.

Nicht Pyros, Steine und ein umgefallener Bullenwagen sind das Problem. Dass ihr nicht im Stande seid, vernünftige Gedanken zu formulieren, macht euch so verdammt unsympathisch. Offener Brief an alle Hools, Ultras und anderen Teilnehmer der HoGeSa-Proteste

Wir haben nichts gegen Hools und Ultras. Im Gegenteil, wir gehen selber ins Stadion und irgendeinen Hippiefimmel für immerwährende Gewaltlosigkeit haben wir auch nicht. Wir sind auch nicht dagegen, dass Fußballfans Politik machen. Im Gegenteil, wir glauben, das ist eine wichtige Sache. Im vergangen Jahr waren in Istanbul vier Millionen Menschen auf der Straße, haben die Bullen vom zentralen Platz in der Stadt vertrieben und den Staat massiv herausgefordert.

Jungs und Mädels aus allen Vereinen gingen gemeinsam auf die Straße, Besiktas, Glatasaray, Fenerbahce, mit einem Schal in allen Farben: Istanbul United. Gegen Korruption, teure Mieten, beschissene Arbeitsbedingungen, die Islamisierung der Gesellschaft und die Unterdrückung von Minderheiten wie Aleviten und Kurden. Vier Millionen Menschen, Straßenschlachten, die über Tage gingen, Tote durch Polizeigewalt – und trotzdem gab es viel Sympathie für die Leute, die da gekämpft haben.

Sagt doch, wo ihr steht

Keine Nazis? Entweder ihr verkauft euch selber für dumm oder denkt, alle anderen sind noch dümmer.
Warum waren die sympathisch und ihr seid es nicht? Weil ihr euch so verdammt dämlich anstellt. Ihr geht auf eine Demonstration, an der Neonazis der Partei „Die Rechte“ teilnehmen, bei der Leute den Hitler-Gruß zeigen, bei der ein Mob „Deutschland den Deutschen. Ausländer raus“ und “Nationaler Sozialismus jetzt” skandiert und ein Typ rumläuft, der sich das Tor des KZ-Buchenwald auf den Schädel tätowieren hat lassen. Und dann beklagt ihr in diversen Internetforen und auf euren schönen Seiten die „Lügenpresse“, die euch Nähe zu Rechten vorwirft. Was erwartet ihr denn? Glaubt ihr, die Menschen sind so dumm, wie ihr sie gern hättet? Jeder Blinde erkennt, was da gespielt wird.

Eure Verteidiger sagen: „Klar, da waren ein paar Neonazis, aber nicht viele.“ Seid ihr so armselig und ungebildet, dass ihr die neonazistische Ideologie nicht kennt? Ihr wollt gegen „Salafisten“ demonstrieren, zumindest angeblich, weil die so inhuman sind. Wo sind denn Nazis humaner? Waren sie humaner, als sie alle, die ihnen nicht gepasst haben, in Massenhinrichtungen erschossen oder in Vernichtungslagern vergast haben? Waren sie humaner, als sie an Menschen medizinische Experimente durchgeführt, sie auf offener Straße erhängt haben? Waren sie humaner, als sie die ganze Welt mit einem Krieg überzogen haben, der in der Geschichte seines Gleichen sucht? Und Leute, die das geil finden, stehen neben euch auf einer Demonstration. Und ihr erwartet, dass man euch nicht Idioten, Rassisten, Rechte nennt? Warum denn, wenn ihr so handelt?

[…]

Hört doch einfach mal auf, so dämlich zu sein

Eure „Argumente“ sind faule Ausreden. Ihr wollt gegen „Salafisten“ sein, aber in Wahrheit hetzt ihr gegen jede Muslimin, jeden Muslimen. Hand aufs Herz. Wer von euch hat sich denn wirklich die Mühe gemacht, zu lesen, welche Strömungen es im Islam gibt? Wer von euch weiß, was Sunniten, was Schiiten, was Aleviten sind? Es ist euch scheissegal. Weil es euch um Hetze gegen „andere“ geht, auf die ihr eure Probleme projiziert, und die euch als Sündenböcke dienen.

Ihr wollt nicht über euren Tellerrand schauen. Ihr seid gefangen in einer wahnhaften Welt, in der ihr euch gegenseitig bestärkt. Ihr könntet anfangen, wie Menschen unter Menschen gegen Kapital und Staat aufzustehen, und eure blödsinnigen Einteilungen der Welt in „Ausländer“ und „Deutscher“ sein lassen. Ihr könntet das tun und damit anfangen, Gedanken zu entwickeln, die aus euch tatsächlich politische Menschen machen und nicht eine Horde Besoffener auf der Jagd nach dem wahren Deutschtum.

Hier der komplette Text.

Und um das alles noch ad absurdum zu führen mischen die Hooligans gegen Hooligans auch noch mit.

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Junge Frau läuft 10 Stunden durch New York und wird über 100 Mal vollgequatscht

Ich kenne das so nicht, aber erstens bin ich keine Frau und zweitens bin ich nicht der Tüp, der irgendwelche Leute auf der Straße vollquatscht. Es sei denn ich brauche mal eben Feuer. Und dann nur das.

Ich weiß allerdings von meiner Großen, dass ihr das hin und wieder passiert und das sie deshalb bestimmte Orte meidet. Das geht soweit, dass sie bestimmte Wege lieber zu Fuß oder auf dem Fahrrad zurücklegt, auch um Belästigungen aus dem Weg zu gehen. Und wenn ich „Belästigungen“ schreibe, dann meine ich verbale „Belästigungen“ die auch über ein freundliches „Hi“ hinausgehen und denen sie sich irgendwann nicht mehr aussetzen wollte. So hat sie zumindest für sich einen Weg gefunden, diese Art von Belästigungen zu umgehen. Sie läuft im Winter lieber 20 Minuten durch die Kälte oder fährt Rad, als eine bestimmte Buslinie zu nehmen, die für den selben Weg nur fünf Minuten bräuchte.

Sie hat somit für sich einen Weg gefunden, die von ihr schon so wahrgenommenen angstbesetzen Räume zu umgehen, was nicht heißt, dass sie somit allen Belästigungen entgehen kann. Die finden dann halt weniger aber trotzdem statt. Ich kann da nichts gegen tun, außer ich würde sie 24/7 begleiten, was aber auch nicht Sinn der Sache ist und selbst das schließt irgendwelche Belästigungen nicht aus. Und ich finde das schlimm.

Diese junge Frau hier ist 10 Stunden lang durch New York gelaufen und hat dokumentiert, wie oft sie von wildfremden Männern vollgelabert wurde. Mal freundlich – mal penetrant, aber immer ohne das sie auch nur einem irgendein Signal dafür gegeben hätte, vollgelabert werden zu wollen. Mir würde das irgendwann ziemlich bis sehr auf den Saque gehen und ich könnte mir nicht vorstellen, dass jeden Tag erleben zu müssen.


(Direktlink, via Dangerous Minds)

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Naziaufmärsche der HoGeSa für den 15.11. in Hamburg und Berlin angemeldet

Das es aus dem HoGeSa-Umfeld eine Anmeldung für Hamburg am 15.11. gibt, war gestern schon klar. Für Berlin gerüchtete es gestern noch, dass die Rechtsradikalen hier vor dem Brandenburger Tor gerne am 09.11. aufmarschieren wollten. Nun jedoch liegt ganz konkret eine Anmeldung für den 15.11. vor – Innensenator Frank Henkel prüft ein Verbot der Kundgebung in Berlin.

Die Anmeldung von Demonstrationen in mehreren Städten am selben Tag hat vor allem taktische Gründe: Falls in einer Stadt die Demonstration verboten werden sollte, können die Veranstalter ausweichen. Vor allem die rechte Szene nutzt diese Taktik der Mehrfachanmeldungen.

Dennoch wird wohl ein Teil der Hools am 09.11. in Berlin auf die Straße gehen. Sie wollen sich den Mahnwichteln anschließen. Hooligans für den Weltfrieden. So grotesk. Kannste dir nicht ausdenken!

Derweil wird in sozialen Netzwerken auch zur Teilnahme von Hooligans an einer Demonstration vor dem Berliner Reichstag aufgerufen. Wie berichtet, wurde dazu keine eigene Demo offiziell angemeldet. Hooligans und Neonazis sollen sich stattdessen einer bereits angemeldeten „Friedensdemonstration“ anschließen, zu der Verschwörungstheoretiker und „Reichsbürger“ aufrufen. Mehrere Initiativen haben inzwischen Gegendemonstrationen angemeldet.

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